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Ich habe versucht, mir mithilfe alternativer Behandlungsmethoden das Rauchen abzugewöhnen

Ich habe versucht, sie über Kettenrauchen hassen zu lernen, dann habe ich es mit Akupunktur versucht, mit Hypnotherapie und komischen Kräutermischungen.
25 Mai 2016, 7:00am

Diesen Monat sind es jetzt neun Jahre, die ich rauche. Meine bisherigen Aufhörversuche—mit Nikotin-Pflastern, Tabletten und ein paar kalten Entzügen—haben immer damit geendet, dass es mir schlecht ging und ich kapitulierte. Lange Zeit sah es so aus, als würde ich dieser Sucht auf ewig verdammt sein.

Das liegt daran, dass es gar nicht so einfach ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Obwohl sich die meisten Raucher fest vornehmen, die Glimmstengel aufzugeben, offenbart ein Blick auf die Zahlen, dass nur die Wenigsten von ihnen den Schritt auch wirklich durchziehen: Eine Studie des australischen Gesundheitsministeriums fand heraus, dass sich zwar 77 Prozent aller Raucher vornehmen würden, ihr Verhalten zu ändern, aber es nur 19 Prozent tatsächlich auch schafften, länger als einen Monat ohne Zigaretten auszukommen.

Nachdem ich meine bisherige Raucherkarriere Revue passieren gelassen hatte (eine endlose Geschichte des Aufhörens vom Aufhören, könnte man sagen), kam ich zu dem Schluss, dass die Zeit für eine Veränderung gekommen war. Das Internet bot mir zwar Tausende alternativer Lösungen an, aber nur vier davon schienen ansatzweise erfolgsversprechend zu sein: Die Aversionsmethode, Akupunktur, natürliche Heilmittel und die Hypnotherapie.

Ich drückte also meine letzte Zigarette aus, sagte meinem Vater, dass das mit dem Rauchen jetzt bei mir wirklich vorbei sei, und ließ mir selbst einen Monat, um mein Vorhaben durchzuziehen. Jede Woche würde ich eine neue Kur ausprobieren, bis ich eine gefunden hatte, die auch funktioniert. Irgendwas davon musste ja schließlich klappen, oder?

Woche eins: Durch Kettenrauchen Zigaretten hassen lernen

Die der Aversionstherapie zugrunde liegende Idee ist eigentlich recht einfach: Verbinde eine negative Reaktion mit einer Angewohnheit, die du dir abgewöhnen willst, und im Gegenzug wirst du sie nie wieder tun wollen. Die Forschung hat die Effektivität dieser Therapieform zwar als unzuverlässig eingestuft, trotzdem klang die Idee, jedes Mal drei Zigaretten hintereinander und mindestens 25 pro Tag zu rauchen so, als könnte sie vielleicht sogar funktionieren.

Alles, was ich im Nachhinein darüber sagen kann, ist Folgendes: So viel zu rauchen, ist einfach beschissen. Ich bin mir schon darüber im Klaren, dass genau das der Sinn und Zweck der Aversionstherapie ist, aber trotzdem: Es war eine widerliche und inneffektive Art, sich das Rauchen abzugewöhnen. Am Ende der Woche fühlte ich mich ernsthaft vergiftet—geistig und körperlich.


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Ich konnte mich weder konzentrieren noch kommunizieren. Ich stank fürchterlich und mir war ständig schlecht. Zigaretten wurden zu einer mühsamen Plackerei—was dafür spricht, dass die Methode funktioniert. Mein Bedürfnis und die Routinen existierten allerdings trotzdem weiter und die einzige Art, wie ich mich ihnen stellte, bestand darin, mehr zu rauchen.

Mein Eindruck ist der, dass man mit dem Aversionsansatz, wenn man ihn länger als eine Woche durchhält, nicht wirklich mit dem Rauchen aufhört, sondern einfach ein noch stärkerer Raucher wird.

Das Urteil: 1/10

Woche zwei: Mich mit Nadeln von Zigaretten ablenken

Akupunktur funktioniert auf der Annahme, dass bestimmte Punkte des Körpers mit bestimmten Gefühlen verknüpft sind. Das Durchstechen dieser Punkte mit einer Nadel sollte also etwas Druck und negative Gefühle freilassen. Es gibt sogar Studien, die suggerieren, dass Akupunktur dein Bedürfnis zu rauchen lindert.

Ich buchte mir also drei Akupunktur-Sitzungen zu jeweils einer Stunde bei Renee Knott, die speziell darauf angelegt waren, mein Verlangen nach Nikotin zu stoppen. Jede Sitzung fing damit an, dass wir meinen Puls maßen, bevor dann Nadeln in meine Ohren, meine Handgelenke, meine Stirn und meine Füße gesteckt wurden—alles, wie Renee mir sagte, zentrale Punkte für Sucht und Stress. Jede Sitzung endete mit Meditation und einer Massage.

Für mich fühlte sich die Akupunktur ziemlich effektiv an, da ich dabei Zigaretten mit einer komplett neuen Erfahrung ersetzte. Es ging gar nicht so sehr um die eigentlichen Nadeln, sondern eher um das Entspannen an sich.

Ich freute mich sogar auf die nächste Sitzung oder darauf, Renees Techniken auszuprobieren, die mir das Gefühl vermittelten, nicht so viel rauchen zu müssen—vor allem in Stresssituationen. Auch wenn ich in dieser Woche immer noch geraucht habe, hatte ich bei jeder Zigarette ein extrem schlechtes Gewissen und schaffte es letzten Endes von 15 auf 5 Zigaretten pro Tag.

Das Urteil: 7/10

Woche drei: Der Versuch, mein Verlangen mit natürlichen Kuren zu lindern

Auch wenn sich das alles wie irgendwelcher Öko-Hokuspokus anhört, gibt es durchaus wissenschaftliche Belege dafür, dass einige Kräuter und Öle die gleiche Wirkung wie Nicabate haben—also deinen Nikotinhunger unterdrücken und Zigaretten mit etwas weniger Schädlichem ersetzen.

Thailändische Forscher haben berichtet, dass das Trinken von frischem Limettensaft fast so effektiv wie handelsübliche Medizin sein kann, während eine amerikanische Studie zu dem Ergebnis kam, dass Pfefferöl und Passionsblumen-Tee das Verlangen nach Nikotin unterdrücken können. Johanniskraut wiederum hat ein stress- und angstlösende Eigenschaft [kann aber auch deinen Hormonhaushalt ordentlich durcheinanderbringen und die Wirksamkeit der Antibabypille torpedieren—bei der Anwendung also bitte aufpassen], was gerade in Bezug auf die Nebenwirkungen des Entzugs hilfreich sein kann. Kräuterzigaretten sind einfach praktisch, weil du damit nicht auf das Habituelle des Rauchens verzichten musst, aber davon nicht süchtig wirst.

Obwohl ich voller Hoffnung an die Sache ranging, stoppte keins dieser Mittelchen mein Verlangen nach Zigaretten auch nur ansatzweise so sehr, wie andere Medizin das in der Vergangenheit geschafft hatte. Vielleicht wurde es mir auch von meinen Kollegen verleidet, die mich damit aufzogen, dass ich Pfefferöl inhalierte, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das alles einfach keine Wirkung hatte. Wie auch immer, um ganz sicher zu gehen, sollte man sich Medizin sowieso besser von einem Arzt verschreiben lassen.

Außerdem schmecken Kräuterzigaretten absolut beschissen.

Das Urteil: 3/10

Woche vier: Mir mein Laster weghypnotisieren

Die Hypnotherapie war komplett anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Vor meiner Sitzung mit Hypnotherapeutin Laura Masi musste ich erst eine Woche lang "Vortherapie" machen, zu der es auch gehörte, jeden Tag 20 Minuten zu meditieren. Außerdem musste ich jedes Mal aufschreiben, wenn ich geraucht hatte und warum. Ich erinnere mich noch daran, wie ich die Methode während dieser Zeit zunehmend für totalen Bullshit hielt.

Während der eigentlichen Sitzung versetzte Laura mich in einen Trancezustand und sagte mir lauter nette Sachen: Ich habe die Kraft aufzuhören; ich bin kein Sklave meiner Sucht, etc. Sie ließ mich auch selbst verbalisieren, warum ich rauche und welche „Teile von mir" das zulassen.

Hypnotherapie ist im Grunde eine tiefe Meditation mit einer sehr netten Freundin, die dich dazu ermutigt, mit dem Rauchen aufzuhören. Und das ist jetzt nichts Schlechtes. Als ich aus der Sitzung kam, hatte ich gar nicht das Bedürfnis zu rauchen—und wenn doch, würde ich ein sehr schlechtes Gewissen haben. Zugegebenermaßen war es genau das, was ich dann weniger als zwei Stunden später dann auch gemacht habe, aber komischerweise hatte ich trotzdem nie das Gefühl, dass die Hypnotherapie ihr Ziel verfehlt hatte.

Bei meinen vorherigen Entzugsversuchen schien mir ein Rückfall noch unabdingbar zu sein. Nach dieser Methode hatte ich aber ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. Ich erinnere mich noch daran, wie Laura mir während der Sitzung sagte: "Egal ob du heute aufhörst oder irgendwann in der Zukunft, du wirst aufhören." Ich weiß, dass das alles ziemlich kitschig klingt, aber ich sehe genau darin den wahren Vorteil einer Hypnotherapie. Im Gegensatz zu anderen Methoden, in denen man sich auf eine andere Substanz verlässt, liegt die Verantwortung zum Aufhören hier ganz bei dir.

Das Urteil: 8/10

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist alles andere als leicht—vor allem, wenn du fast schon dein halbes Leben am Glimmstengel hängst. Es wäre leicht, diese ganzen Methoden als unwirksam abzutun, aber das wäre wohl unfair. Das, was ich aus der ganzen Geschichte gelernt habe, war eine Lehrstunde in Hingabe.

Es sieht nämlich eigentlich so aus, dass du mit jeder Methode aufhören kannst, die dir am besten passt, aber dazu braucht es eben mehr als nur Limettensaft und Nadeln. Du musst vom Aufhören wirklich überzeugt sein, du brauchst das nötige Selbstbewusstsein dafür und musst weitermachen, auch wenn du Rückschläge erlebst. Ich für meinen Teil meine es mit dem Aufhören momentan einfach nicht ernst genug. Mir ist klar, dass viele ihr ganzes Leben auf jene große Eingebung warten, nur um sie dann in Form eines inoperablen Tumors der Stufe IV zu haben. Aber das ist auch das Problem mit dem Rauchen: Es beruhigt dich so sehr, dass ich aus Angst vor Krebs zu einer entspannenden Ziese greife.

Ich kann schlecht sagen, wann ich aufhören werde, aber ich habe jetzt immerhin gesehen, dass ich es kann und eines Tages auch werde. Vielleicht kommt es am Ende alles anders, aber immerhin fühle ich mich jetzt besser darauf vorbereitet und habe mehr Vertrauen in mich als früher. Es wird nur noch ein paar Anläufe brauchen.