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kapitalismus

Irgendwer hat in der Schweiz Klos mit 500-Euro-Scheinen verstopft

Die Polizei ist ratlos. Und dann meldet sich auch noch ein dubioser Anwalt.

von VICE Staff
19 September 2017, 4:19pm

Collage: VICE

Es ist ein Abend vergangenen Juni gegen 18:30 Uhr, als ein Mann wieder einmal durch die Genfer Innenstadt zieht, um Herrentoiletten mit seinem Geld zu verstopfen. Manchmal ist es nötig, eine Meldung so trocken aufzuschreiben, damit man sie nicht gleich für einen Scherz hält. Tatsächlich versucht ein Unbekannter seit Monaten 500-Euro-Scheine runterzuspülen. Häufig in den Klos kleinerer Restaurants, einmal sogar in einer Schweizer Großbank. Jedes Mal hatte er die Geldscheine zuvor zerschnitten. Von einem Versehen kann also niemand ausgehen.

Unter Aufsicht der Polizei fischten Klempner bisher rund 100.000 Euro aus den Toiletten. Wer genau sie dort hineingesteckt hat und vor allem warum – völlig unklar. Der einzige Hinweis ist ein Überwachungsvideo aus einem der Restaurants, das einen Mann zeigt, der mit Taschen voller Geld auf die Toilette geht und ohne wieder herauskommt.

Natürlich ist das alles in der Schweiz passiert. Das kleine Land ist eines der bedeutendsten Finanzzentren der Welt. Dort gibt es nicht nur viel Geld zu verdienen, es wird auch viel davon versteckt: Das Tax Justice Network, das sich mit Steuerhinterziehung und Finanzintransparenz beschäftigt, listet die Schweiz in seinem Schattenfinanzindex auf Platz 1.

Die Genfer Staatsanwaltschaft eröffnet nun ein Verfahren, um die Hintergründe der Aktion aufzudecken. Auf Anfrage von VICE wollte sie sich nicht zum Fall äußern. Gegenüber anderen Medien vermutete ein Sprecher der Staatsanwaltschaft aber, das Geld könne aus Quellen "zweifelhafter Natur" stammen.

Die Justiz folgt momentan der Spur, wonach das Geld aus dem Schließfach zweier Spanierinnen kommen soll. Deren Anwalt hat angeblich im August die Polizei kontaktiert, um über das verschwundene Geld zu sprechen. Warum es nun jemand wegspülen wollte, wisse er aber nicht.

Er hatte sich selbst verdächtig gemacht, weil er die Klempner-Arbeiten bezahlt hatte, die in den Restaurants und der Bank durch die Geldverstopfung anfielen. Er teilte mit, dies im Auftrag des "Schadenverursachers" zu tun. Ob er die spanischen Frauen meint, sich selbst oder eine andere Person, ist momentan noch vollkommen unklar. Genauso wenig ist bekannt, ob das alles etwas mit Steuerhinterziehung zu tun hat, aus Rache geschah oder es sich hier vielleicht sogar um so etwas wie Drogengeld handelt.

Am Ende ist diese absurde Geschichte aber eine gute Parabel auf den Kapitalismus: Erst das Geld verdient und dann sinnlos im Klo versenkt.

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