ungleichland

Video: Männliche Bundestagsabgeordnete erklären, wann sie gegen Sexismus einschreiten

Und scheitern durch die Bank weg.
19 Dezember 2017, 9:03am

Erhard Grundl von den bayerischen Grünen hat "keine Ahnung", der FDPler Thomas Kemmerich aus Thüringen will noch nie was erlebt haben und für Stephan Brandner von der AfD ist ohnehin alles in Ordnung. Das WDR-Format docupy hat für seine Serie "#ungleichland" männliche Bundestagsabgeordnete gefragt, wann sie zuletzt einen anderen Mann auf sein sexistisches Verhalten angesprochen haben. Unter den zehn Parlamentariern aller Fraktionen sind zwei Landesvorsitzende und mit Gregor Gysi auch ein ehemaliger Fraktionsvorsitzender. Man müsste also meinen, es handle sich um Männer, die sich (auch gegen andere Männer) durchsetzen könnten. Um Männer, denen bekannt sein sollte, dass ihre Kolleginnen auch im Bundestag nicht vor Sexismus gefeit sind.

Aber statt darüber zu reden, was sie selbst gegen Sexismus tun, wollen sie lieber zum x-ten Mal über die Frage reden, was man als Mann denn jetzt "überhaupt noch sagen und machen darf". Während Gero Hocker (FDP) darüber grübelt, dass schon beim Tür-Aufhalten eine "schwimmende Grenze" beginnt, ist sich Martin Sichert, AfD, sicher, dass es irgendwo Frauen gibt, die sich freuen wenn man ihnen sagt: "Mensch, du hast aber viel Holz vor der Hütte." Auch Gregor Gysi referiert darüber, auf welch unterschiedliche Weise er Männer und Frauen zu einem gelungenem Outfit gratuliert. Aber das wurde er gar nicht gefragt.

Zwar fällt dem Grünen Sven Lehmann ein, dass er mal einen Redner auf die Kompetenz seiner Kollegin hinwiesen hat, aber keiner der Abgeordneten hat jemals einen Kollegen zur Seite genommen und auf dessen sexistisches Verhalten angesprochen. Und wenn doch, dann behalten die Interviewten es hier jedenfalls für sich. Stattdessen bittet Thomas Heilmann von der CDU die Journalistin, seinen Kragen zurechtzurücken. Die Kamera läuft da schon. Als sie neben ihm steht, sagt er: "Sie dürfen alles anfassen." Dann grinst er.

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