MUNCHIES Guide to: Guerilla-Grillen
Alle Fotos: Jack Newton
Sommer

MUNCHIES Guide to: Guerilla-Grillen

Kein Grill, kein Problem. Schritt 1: Eine Tüte Chips besorgen.
24 Mai 2017, 10:22am

Vielleicht gehörst du zu den Glücklichen, die in einem schicken Haus mit riesigem Innenhof oder Terrasse wohnen, wo idealerweise noch ein hübscher kleiner Grill zur freien Benutzung rumsteht. Schön.

Aber du musst gar nicht so fancy wohnen, um eine richtige Sommer-Grillparty zu schmeißen. Ehrlich gesagt brauchst du nicht einmal einen Grill, unsere urzeitlichen Vorfahren sind ja schließlich auch ohne Kugelgrill klargekommen. Gib dein Geld stattdessen lieber für gutes Essen aus. Wir zeigen dir, wie du beim Grillen ein bisschen freestylst – in unserem MUNCHIES Guide to Guerilla-Grillen.

OK, ein Grill wäre natürlich ideal. Aber wenn du keinen hast, brauchst du eigentlich nur einen feuerbeständigen Behälter mit ausreichend Abstand zum Boden. Eine Schubkarre vielleicht. Oder einen dieser abgeranzten öffentlichen Grills in Parks, bei denen oft der Grillrost fehlt.


Auch bei MUNCHIES: Grill richtig anheizen – natürlich ohne Grillanzünder


Wir haben einen alten Handwagen genommen – ja genau wie der, mit dem du deinen kleinen Bruder früher durch die Landschaft gekarrt hast – und ihn mit Alufolie ausgekleidet. Und wer weiß, in welchen ungewöhnlichen Dingen vielleicht heimlich ein Grill schlummert – so lange das Ding groß, robust und aus Metall ist…

Es gibt zwei Sorten Grillkohle: Briketts (gleich große, eindeutig verarbeitete Kügelchen) oder Holzkohle (unregelmäßig große Brocken und Klumpen). Für deine Guerilla-Grillparty nimmst du am besten Holzkohle. Briketts werden chemisch behandelt, sodass sie leichter entflammbar und weniger brüchig sind. Und das ganze Chemiezug willst du schließlich nicht an deinem Essen haben, denn heute verzichten wir auf den Grillrost.

Hast du einen Anzündkamin? Ha-ha, als ob! Doch du musst deine Kohlen irgendwie anzünden. Mit Flüssiganzünder schmeckt dein ganzes Essen nach Tankstelle, also weg damit. Alles, was du für ein loderndes Feuer brauchst, ist eine Tüte mit ölgetränktem "Anmachholz" mit eingebauten Sauerstoffkammern für noch mehr Flammen. Die bekommst du im Supermarkt, wenn du nach "Chips" fragst, wir haben Doritos genommen.

Leg den Boden deines Grills mit einer dicken Schicht Chips aus, dann bau eine Holzkohlepyramide darüber. Bei starken Wind kannst du auch noch ein paar Chips zusätzlich zwischen die Holzkohle verteilen. Jetzt zündest du die Chips mit einem langen Streichholz an – oder eben sehr vorsichtig mit einem normalen Streichholz oder einem Feuerzeug. Sobald sie Feuer gefangen haben, sollte die Sache von alleine laufen. Wenn die Holzkohle komplett mit einer Ascheschicht bedeckt ist, also nicht mehr schwarz, sondern weiß ist, verteilst du sie mit einer Zange gleichmäßig im Grill.

Selbst wenn du einen hättest, du brauchst nicht mal einen Grillrost. Wenn du Holzkohle benutzt, kannst du dein Essen direkt auf den Kohlen grillen. Dazu noch ein paar Sachen: Die Kohlen sind verdammt heiß, das halten einige Produkte besser aus als andere. Wir empfehlen dicke Steaks oder Muscheln, Austern, Langustenschwänze oder Maiskolben mit Blättern – also Dinge mit irgendeiner Art Schutzschicht drumherum.

Unser Steak haben wir nur mit ein bisschen Salz gewürzt, sonst nichts, nach sechs Minuten pro Seite war es auf den Punkt medium rare. Je nachdem, ob dein Steak dicker oder dünner ist (unseres war vier Zentimeter dick), musst du die Zeit ein bisschen anpassen. Die Unterseite des Langustenschwanzes haben wir mit Butter eingepinselt und bei einmal Wenden vier Minuten pro Seite gegrillt. Beim Mais haben wir vorher alle kleinen Härchen entfernt (ohne die Hüllblätter abzumachen), ihn dann wieder ordentlich in den Blättern verpackt und in nur vier Minuten war er durch.

Diese Tipps helfen dir hoffentlich ein bisschen, aber schlussendlich musst du dich beim Grillen auf deine Instinkte verlassen. Wenn du aber schon so weit bist, ein Feuer mit ein paar Chips zu entfachen, glauben wir mal, dass deine Instinkte ziemlich gut sind.

Für die empfindlicheren Sachen wie Obst gibt es (feuerfeste!) Pfannen. Grill dir Ananas-Fruchtfleisch und mach daraus eine Piña Colada – die du dann stilecht aus der Ananas trinkst. Oder du machst dir einen Beeren-Crumble auf dem Grill. Und ja, für diejenigen unter euch, die genaue Anleitungen mögen, haben wir auch die Rezepte dafür.

Wenn du mit dem Grillen fertig bist, lässt du die Kohlen runterbrennen, bis sie komplett (!) ausgekühlt sind. Dann entsorgst du die Asche ordentlich, das heißt je nach Stadt was anderes, in Berlin "vollständig ausgekühlt über die Hausmülltonne" – oder in die Aschebehälter, die auf den öffentlichen Grillplätzen meistens rumstehen. Oder du kippst sie auf deinen Kompost – nur, wenn du Holzkohle benutzt hast, und einen Kompost hast. Lösch die Glut bloß nicht mit Wasser, sonst hast du am Ende einen Haufen Schlamm, den du auch irgendwie entsorgen musst.

Also, lass die Leute mit ihren Gasgrills doch auf ihrer ach so fancy Terrasse glücklich werden. Du hast dafür eine chipsbefeuerte Grillkarre.

Hinweis: Beim Umgang mit Feuer vorsichtig sein und nicht in einem Metallbehälter grillen, der höchstwahrscheinlich mit krebserregenden Chemikalien beschichtet ist. Und immer schön auf die Brandgefahr achten, keinen Müll rumliegen lassen, ihr kennt die Regeln.