Social Media

Wenn Social-Media-Stalking schiefläuft

Die neue Freundin des Ex ausspionieren und aus Versehen ein Foto liken? Klassiker. Wir haben die schlimmsten Geschichten gesammelt.
3.8.16
Foto: Barn Images | Flickr | CC0

Es beginnt meist alles ganz unschuldig: Der Typ, den du gut findest, postet ein Foto und du klickst drauf und likest es. Anschließend klickst du auf sein Profil, um zu sehen, was er letztes Wochenende so gemacht hat. (Party am Strand—super.) Dann bemerkst du, dass da jemand im Hintergrund des Fotos markiert ist, weshalb du dir selbstverständlich die Kommentare anschaust, um herauszufinden, wer das ist. Und erst Stunden später kriehst du langsam wieder aus dem Loch des „Social Media"-Stalkings heraus, während es draußen schon längst dunkel ist und du nicht mehr genau sagen kannst, welches Jahr wir gerade haben.

Anzeige

Wenn du Glück hattest, ist dir der Finger nicht ausgerutscht und du hast es vermieden, das Bild von vor 312 Wochen mit „Gefällt mir" zu markieren. Wenn nicht: Pech gehabt. Wenn man im Zeitalter der Instant-Kommunikation beim Stalking in den sozialen Netzwerken erwischt wird, weil man den Facebook-Status der Schwester seines Ex-Freunds aus dem Jahr 2009 geliket hat, findet man sich selbst meist in einer Pfütze aus Scham, Schuldgefühlen und kalten Angstschweiß wieder. Wir haben Leute nach ihren schlimmsten Erlebnissen beim Stalken in den sozialen Netzwerken gefragt und können nur sagen: Lass dir das eine Warnung sein.

Mehr lesen: Warum Menschen dich ignorieren, statt einfach Schluss zu machen

Antonio

Ich habe damals gerade mit meinem Freund Schluss gemacht, den ich auf Grindr kennengelernt habe. Ich ahnte, dass er die App wieder nutzen würde—einen Tag, nachdem wir Schluss gemacht haben—und das machte mich ziemlich sauer. Er wohnte vier Stunden weit entfernt. Also fuhr ich die gesamten acht Stunden hin und wieder zurück, damit ich in Reichweite war, um sehen zu können, ob er bei Grindr online ist. Als ich mit meinem SUV langsam an seinem Haus vorbeifuhr, stand er gerade draußen und ich tat einfach so, als würde ich ihn nicht sehen. Mein Verdacht hatte sich natürlich bestätigt.

Melissa

Ich stand auf diesen Typen. Wir waren auf Facebook befreundet und alles war gut. Eines Nachts war ich betrunken und stalkte seinen Facebook-Verlauf zurück bis in das Jahr 2009. Mein betrunkenes Ich hat aber nicht kapiert, dass man mit der L-Taste auf der Tastatur Fotos liken konnte. Ich glaube, ich habe all seine Fotos zwischen 2009 und 2011 geliket.

Anzeige

Amber

Ich fing gerade an, mit diesem Typen zu schreiben und es lief ziemlich gut. Doch dann sagte er mir eines Tages, dass er mit seiner Ex-Freundin rumhängen würde. Er ging damit ziemlich locker um, deswegen dachte ich natürlich, da wäre etwas faul. Um mich wieder zu beruhigen, beschloss ich, sie zu stalken und zu sehen, ob sie hübscher war als ich. Nachdem ich ihr Instagram-Profil gefunden habe, fühlte ich mich schon sehr viel besser. Doch als ich bei den Fotos von vor zwei Jahren angekommen war, rutschte mir plötzlich der Daumen aus und ich habe ein Foto von „vor 112 Wochen" geliket. Was noch schlimmer war, war, dass er mir nie gesagt hatte, wie sie heißt und sie ihre Beziehung im Internet auch nie wirklich öffentlich gemacht haben. Um überhaupt herauszufinden, wer sie war, hatte ich sein Facebook-Profil zuvor so lange durchforstet, bis ich auf einen uralten Kommentar gestoßen bin, in dem sie beide markiert waren.

Tyler

Ich habe dem neuen Freund meiner Ex aus Versehen eine Freundschaftsanfrage auf Facebook geschickt und vor lauter Panik meinen eigenen Account gelöscht. Danach war ich zwei Wochen lang vollkommen von der Zivilisation abgeschnitten, bis ich schließlich irgendwann den Mut fand, um meinen Account wieder zu reaktivieren.

Er hatte also eine Benachrichtigung bekommen, dass ich sein Profil 22 Tage hintereinander angesehen habe.

Sally

Als mein Freund mit mir Schluss machte, hing ich noch immer sehr an der Beziehung. Deswegen zog sich das Ganze auch eine Weile hin. Außerdem schrieben wir uns noch immer ab und zu—so ungefähr einmal die Woche. Ich wollte sehen, was er so machte, aber die Vorstellung, ihn auf Facebook zu stalken und sich Fotos von ihm anzusehen, schien mir ein bisschen zu seltsam. Deswegen entschied ich aus irgendeinem Grund, dass es besser wäre, mir sein LinkedIn-Profil anzusehen, um mich besser zu fühlen. Also setzte ich mich für meine tägliche Heul-Orgie vor sein LinkedIn-Profil.

Anzeige

22 Tage später bekam ich eine Benachrichtigung, dass er sich mein Profil angesehen hatte. Ich war überglücklich, dass er scheinbar an mich dachte, bis mir dann schließlich klar wurde, dass LinkedIn automatische Benachrichtigungen verschickt, in denen steht, wer sich das Profil angesehen hat. Er hatte also eine Benachrichtigung bekommen, dass ich sein Profil 22 Tage hintereinander angesehen habe. Da gab es kein Zurück mehr.

Foto: unsplash.com | CC0

Brent

Einmal saß ich in der Vorlesung und beschloss, dass ich lieber etwas über dieses eine Mädchen erfahren wollte, als über die Differenz von inversen trigonometrischen Funktionen. Ich sah mir all ihre Profile an: Facebook, Instagram, Pinterest, LinkedIn … Ich steckte gedanklich gerade mitten in einer ihrer Fotoalben („Traumurlaub"), als ich plötzlich ein nervöses Gelächter hörte und sah, dass sie direkt hinter mir saß. Ich wusste bis dahin nicht mal, dass sie im selben Kurs war wie ich. Ich habe versucht, es einfach wegzulachen. Seitdem mache ich einfach kein Geheimnis mehr daraus: Ich stalke die Profile von Leuten, die direkt neben mir sitzen und like Posts von vor 97 Wochen. Ich habe nichts zu verstecken.

Toya

Einmal wurde ich dabei erwischt, wie ich das Profil von jemandem gestalkt habe, als ich ein ein oder zwei Jahre altes Foto geliket habe. Danach habe ich mir selbst geschworen, dass mir das nie wieder passieren würde. Deswegen habe ich mir zwei Fake-Accounts angelegt—einen auf Facebook und einen auf Instagram—, um den Leuten heimlich hinterherzuspionieren. Außerdem habe ich in die beste Drittanwendung für Snapchat investiert, um mir die Stories der Leute anzusehen, ohne dass sie eine Benachrichtigung bekommen.

Anzeige

Andrea

Als ich auf der High-School war, gab es da dieses coole Mädchen, mit dem ich nie geredet habe, die ich aber extrem oft gestalkt habe. Sie zog ans andere Ende des Landes, aber ich folgte ihr auch weiterhin auf Snapchat, Instagram und Facebook und habe ihr Leben immer genau unter die Lupe genommen. Sie hatte die spannendsten Social-Media-Auftritte, schien Unmengen von Geld für Klamotten auszugeben und war so gut wie immer im Urlaub. Meine Freunde verglichen sie mit den „Rich Kids of Instagram". Ich habe sie am Ende so oft gestalkt, dass ich die Namen von ihren Eltern, ihren Geschwister, ihrem Freund und ihren engsten Freunden wusste. Aber damit nicht genug: Anhand ihrer Ortsangabe auf Instagram und mithilfe von Google Maps habe ich mir ihr Haus auf Google Earth angesehen. Irgendwann traf ich sie dann zufällig in einem Laden, als ich im Urlaub war. Es war ein riesiger Zufall, dass sie da plötzlich vor mir stand. Aber es war mir so peinlich, dass ich so gut wie alles über sie wusste—abgesehen von ihrer Sozialversicherungsnummer—, dass ich mich hinter einer Kleiderstange versteckt habe, bis sie wieder weg war.

Ed

Ich nutze immer die Funktion auf Instagram, mit der man Fotos an Freunde schicken kann. Das macht es sehr viel einfacher, Leute zu stalken und sich über ihre Fotos zu unterhalten, weil man nicht erst einen Screenshot machen muss, den man dann wieder in einer privaten Nachricht über das Handy verschicken muss. Irgendwann habe ich mich mal quer durch die Fotos eines Mädchens gewühlt, auf das ich stand und schickte einem Freund ein Foto nach dem anderen—zumindest dachte ich das. Aber nach dem elften Foto oder so, merkte ich, dass ich dem Mädchen ihre eigenen Fotos schickte. Am Ende schrieb sie mir eine private Nachricht und fragte mich: „Ist es Absicht, dass du mir die geschickt hast?" Zumindest beendete sie ihre Frage mit einem Emoji.

Mehr lesen: Pokémon Go übernimmt Tinder und beeinflusst jetzt auch unser Liebesleben

Destinee

Letztes Jahr habe ich mein Fitnessstudio gewechselt. Dort gab es diesen Trainer, der mich trainiert hat. Er hieß Jim und war ein echter Traum. Ich wollte ihn fragen, ob er mit mir ausgeht, aber als wir uns zum ersten Mal kennengelernt hatten, erwähnte er, dass er ein Date hatte. Ich wusste also nicht, ob er Single war oder nicht. Aber statt ihn einfach zu fragen, beschloss ich, ihn auf Facebook zu stalken. Er hatte unglaublich viele Privatsphäreeinstellungen, also rieten mir meine Schwestern, ich sollte einfach einen falschen Account erstellen, um ihn darüber zu adden. So habe ich schließlich auch herausgefunden, dass er Single war. Aber ich habe auch ziemlich viel Zeit und Energie in die falschen Fotos hineingesteckt. Es war unglaublich viel Arbeit, all die falschen Freunde zu adden und den kompletten Fake-Account zu erstellen.

Im Fitnessstudio machte ich dann den ersten Schritt und alles lief fantastisch—bis er bemerkte, dass ich bei Facebook unter meinem Fake-Account eingeloggt war. Seither haben wir uns nicht mehr wiedergesehen.


Foto: barn images | Flickr | CC0