Popkultur

Was Menschen, die keine Billag bezahlen, von 'No Billag' halten

"Jetzt mal ehrlich: Du solltest jemanden fragen, der überhaupt weiss, was die Billag ist."
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Wenn die Billag an der Wohnungstür klingelt, freut sich wohl nicht einmal Tamara Funiciello. Wer in dieser Situation seinen Internetanschluss nicht verleugnet, ist um satte 451.50 Franken ärmer. Immerhin genug Geld, um in ein Land zu fliegen, das deine Instagram-Follower vor Neid erblassen lässt, oder um ganze drei Netflix-Jahresabos zu kaufen.

Die Diskussion darüber, ob dieser Betrag auch in Zukunft von jeder Person mit einem TV- oder Radiogerät bezahlt werden soll, führt unterdessen zu einer der anstrengendsten politischen Diskussion in der jüngeren Geschichte der Schweiz. Das eine Lager sieht in der Gebühr die Ausgeburt des um sich greifenden Staatsteufels, die anderen wiederum akzeptieren sie als Teil einer modernen, solidarischen Gesellschaft. Eines haben aber beide Seiten gemeinsam: Sie alle haben dir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schon mehr als einmal ihre Meinung unter die Nase gerieben.

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Wie du als gebildeter Mensch aber sicher weisst, entscheidet über unsere Meinung bei Abstimmungen vor allem, ob wir denken, dass die Vorlage unser Leben beeinflusst. Erst die Betroffenheit führt zu Social-Media-Gefühlsausbrüchen, Streitereien, und in manchen Fällen, wie kürzlich bei SRF-Moderator Jonas Projer, sogar zu Todesdrohungen. Angenehmer für dein Wohlbefinden dürften angesichts dieses Abstimmungskampfes deine Freunde sein, denen die Billag schon einmal grundsätzlich komplett egal ist – weil sie die Gebühr gar nicht erst bezahlen. Wir haben nach genau diesen Menschen gesucht, um Meinungen zur No-Billag-Initiative zu finden, die den Sturm der hochkochenden Emotionen gekonnt ignorieren. Denn wie heisst es so schön: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg.

Daniel, 22

VICE: Du bezahlst keine Gebühren. Bist du also für No Billag?
Daniel: Ja. Ich habe ja nicht die Wahl, sondern werde dazu gezwungen, öffentliches Fernsehen zu beziehen – deshalb finde ich die No-Billag-Initiative gut. Ganz konkret bin ich der Meinung, dass Fernsehen privatisiert werden sollte.

Wie wohnst du?
Ich wohne in einer WG. Wir haben einen TV, den ich aber fast ausschliesslich für Netflix brauche. Ich guck mir höchstens mal die Nachrichten an. Das restliche Programm spricht mich nicht wirklich an und die ganze Werbung nervt auch. Da gibt es im Internet bessere Kanäle, würde ich behaupten. Ab und zu höre ich Internetradio, normales Radio nicht mehr.

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Wie ist es in deinem Heimatland geregelt mit den Gebühren?
In Deutschland ist man auch dazu verpflichtet, Rundfunkgebühren zu bezahlen. Wie die eingetrieben werden, kann ich dir aber gar nicht sagen.

Camilla, 25

VICE: Was hältst du von der No-Billag-Initiative?
Camilla: Ich bin pro SRG, also gegen die Initiative.

Ist es dann nicht heuchlerisch, wenn du doch selbst keine Gebühren bezahlst?
Ich bin erst vor zwei Wochen in eine WG gezogen. Davor habe ich zuhause gewohnt und dort werden die Gebühren ordnungsgemäss bezahlt. Ich sage auch nicht, dass ich die Billag gut finde.

Sondern?
Meiner Meinung nach ist es ein viel zu grosser administrativer Aufwand, das Geld über eine Firma wie die Billag einzusammeln. Es generiert zwar Jobs, das ist mir schon klar, aber ich fände es einfacher, man würde es über die Steuern regeln. Das muss auch nicht unbedingt ein Pauschalbetrag sein, sondern könnte je nachdem, ob man nur Radio oder auch noch TV nützt, angepasst werden.

Alexander, 20

Wollte kein Foto

VICE: Findest du No Billag eine gute Initiative?
Alexander: Billag? Der Staat soll uns mit seinen Rechnungen und Gebühren in Ruhe lassen, das ist meine Meinung. Kommunismus!

Wo wohnst du?
Ich wohne mit meinem Onkel in Dietikon und komme ursprünglich aus Serbien. Aber jetzt mal ehrlich, du solltest jemanden fragen, der überhaupt weiss, was die Billag ist.

Ellen, 20

VICE: Findest du, jeder sollte Billag-Gebühren bezahlen?
Ellen: Ich frage mich, wie die Leute überhaupt dazu kommen. Ich wüsste gar nicht, was die Billag ist, wenn du mir nicht davon erzählt hättest.

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Die Billag hat Kontrolleure, die bei den Haushalten vorbeikommen.
Von Tür zu Tür zu gehen halte ich für keine effektive Art und Weise, diese Gebühren einzutreiben. Warum berechnet man es nicht über die Steuern oder verlangt das Geld, wenn ein Fernseher installiert wird?

Aber findest du es generell sinnvoll, Rundfunkgebühren zu verlangen?
Ja. Ich finde schon, dass man das bezahlen muss, weil wohl jeder von uns in irgendeiner Weise öffentliche Medien konsumiert.

Deni, 18

VICE: Was hältst du von der Billag-Gebühr?
Dani: Was ist das?!

Das ist eine Gebühr, die man in der Schweiz für lokale und öffentliche Sender bezahlen muss.
Ach so, ja, das ist doch normal, nicht?

Die wird vielleicht bald abgeschafft. Wohnst du in Zürich?
Ich wohne seit September hier, ja. Ursprünglich bin ich aus Österreich. Dort bezahlt man die Gebühren über die GIS.

Vanessa, 21

VICE: Billag oder No Billag?
Vanessa: Ich bin selber noch hin und hergerissen und habe mir zu der ganzen Diskussion noch keine richtige Meinung bilden können.

Was würde denn dafür sprechen, die Gebühren abzuschaffen?
Wenn Leute zum Beispiel für Netflix bezahlen, finde ich es unfair, wenn sie auch noch für die anderen Firmen Geld ausgeben müssen, deren Produktionen sie gar nicht schauen. Ich persönlich konsumiere ab und zu Podcasts auf dem SRF-Player auf meinem Smartphone. Die finde ich spannend und wäre dementsprechend bereit, dafür zu bezahlen. Aber dann wirklich nur für das, was ich effektiv brauche und nicht noch für den ganzen Rest.

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Wohnst du in einer WG?
Ja. Aber bisher ist noch niemand von der Billag vorbeigekommen.

Colin, 19

VICE: Würdest du einem Billag-Eintreiber die Tür öffnen?
Colin: Nope. Ich würde die Billag-Gebühren abschaffen, weil ich es nicht einsehe, für etwas zu bezahlen, was ich kaum brauche. Ich höre ja höchstens mal beim Autofahren Radio.

Wie wohnst du?
Ich wohne in einer kleinen Wohnung auf dem Campus meiner Universität. Da ist noch nie jemand von der Billag vorbeigekommen.

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