Drogen

Russische Botschaftsangehörige sollen in 400-Kilo-Koks-Schmuggel involviert sein

Koks aus Kolumbien, argentinische Polizisten, russische Offizielle und eine Firma namens "M.O.R.A.L."
28.2.18
Foto: Twitter/MinSeg

OK, jeden Tag werden Drogen geschmuggelt, aber hier geht es um um 389 Kilogramm kolumbianisches Kokain, die in einer Schule gefunden wurden. In Argentinien. Auf dem Gelände der russischen Botschaft. Nach Aussagen argentinischer Behördenvertreter ist es angeblich "das reinste Koks der Welt". Wert: 50 Millionen Euro. Mitarbeiter des russischen Außenministeriums sollen vorgehabt haben, ein russisches Regierungsflugzeug für den Schmuggel zu benutzen. Aber auch die beiden Chefs einer Organisation namens "M.O.R.A.L." sollen darin verwickelt sein. Und nein, ein blöder Scherz ist das alles nicht. Doch der Reihe nach.


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Auch wenn die Geschichte erst jetzt bekannt wurde, begann sie schon im Dezember 2016. Damals fanden Mitarbeiter der russischen Botschaft in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires die fast 400 Kilogramm Kokain in einer zur Botschaft gehörenden Schule. Sie meldeten den Fund der argentinischen Polizei, die ihre Kollegen in Russland kontaktierte. Es begann, so beschreibt es beispielsweise das regierungskritische russische Nachrichtenportal Meduza, eine koordinierte Polizeiaktion, die filmreif klingt. Die Polizisten tauschten das Kokain gegen Mehl aus und versteckten einen GPS-Sender in der Ladung. So konnten sie den Transport der nun wertlosen Koffer in einem russischen Regierungsflugzeug nach Moskau verfolgen und die Hintermänner hochnehmen. Drei Russen und zwei Argentinier mit russischen Wurzeln sitzen seit Ende 2017 in Haft.

Nun wurde vor allem in Russland spekuliert, dass ranghohe Botschaftsangehörige an dem Drogenschmuggel beteiligt gewesen sein sollen. Außerdem kam das Gerücht auf, die drei verhafteten Russen seien Mitarbeiter des Moskauer Außenministeriums. Das russische Außenamt fühlte sich genötigt, dies am vergangenen Freitag in einer offiziellen Stellungnahme zu dementieren, es soll nur "technisches Personal" beteiligt gewesen sein. Die Glaubwürdigkeit russischer Regierungsangaben sei jedoch so sehr beschädigt, schreiben viele russische Journalisten, etwa der freie Reporter Maxim Kireev aus St. Petersburg, dass die Gerüchte trotz des Dementis nicht verstummen. Vor allem bezweifeln manche russische Beobachter, dass ein so krasser Fall ohne zumindest die Kenntnis hoher Regierungsbeamter überhaupt möglich wäre.

Noch absurder wird der Fall dadurch, dass es sich bei den beiden verhafteten Argentiniern mit russischen Wurzeln um den Präsidenten und den Vizepräsidenten einer Stiftung namens "M.O.R.A.L." handeln soll. Die Abkürzung steht für "Zusammenschluss Christlich-Orthodoxer Mäzene in Lateinamerika".

Diese ganze Geschichte wäre aber keine richtig russische Geschichte, wenn nicht noch viel mehr hinter ihr stecken könnte. Der Journalist und Blogger Maxim Mironov, dessen Kinder auf die Schule der Botschaft in Buenos Aires gehen, in der das Koks gefunden wurde, hat einen längeren Post zur 400-Kilo-Story verfasst. Er kenne die Sicherheitsvorkehrungen vor Ort sehr gut und halte es deshalb für unmöglich, dass jemand ohne beste Verbindungen zu russischen Sicherheitskreisen in der Schule eine große Drogenladung deponieren könnte. Die Stellungnahme des russischen Außenministeriums bezeichnet er schlichtweg als "Lüge". Es bleibt abzuwarten, wie sich alles weiterentwickelt. Und was die M.O.R.A.L. dieser Geschichte ist.

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