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Beats-Bastler mit Live-Drummer – Audio Dope ist mehr als ein Schlafzimmer-Produzent

Der Basler Beats-Produzent Audio Dope spielt für sein Genre eine einzigartige Show mit Drums und Sängerin. Wir haben ihn vor seiner letzten getroffen.

von Nina Vedova
21 Februar 2018, 10:45am

Foto von der Autorin

Wenn ein Beats-Producer auf einmal nicht mehr nur online stattfindet und live nicht nur Knöpfe drückt, sondern mit einer Band auf Tour geht, müssen wir darüber sprechen. Der Basler Musiker Audio Dope hat genau das gemacht, darum habe ich ihn vor seinem Auftritt im Exil getroffen.

An einem stürmischen Abend gegen 20 Uhr laufe ich durch das nasse Zürich Richtung Hardbrücke. Die Stadt ist dunkel, doch das neonfarbene Schild mit der Aufschrift "Exil" wird die Menschen schon bald anziehen. Da die Uhr noch nicht Türöffnung geschlagen hat, stehe ich vor der schwarzen Eingangstüre des Clubs und rufe den Manager von Audio Dope, Frederick, an. Dieser öffnet mir die Türe und ich folge ihm in die tiefen des Clubs Exil – aka das Untergeschoss.

Im Backstage-Bereich angekommen, treffe ich Audio Dope und seine Band, die aus dem Schlagzeuger Florian Haas Schneider und der Sängerin Emilia Anastazja besteht. Der Backstage-Bereich ist mit allen möglichen Postern zugepflastert, die Wände sind silberfarben gestrichen. Die Band hat es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht und trinkt Bier. Ich hole mir ein Bier und geselle mich dazu. "Kannst du ein Bier mit dem Feuerzeug öffnen?", fragt mich Audio Dope. Ich kann. "Also darf ich dein Bier aufmachen? Ich muss das lernen." Der Musiker nimmt die Flasche und versucht es. Der Kronkorken rührt sich nicht vom Fleck. Wie es sich für den Vorführeffekt gehört, schaffe ich es an diesem Abend auch nicht. Frederick erlöst uns dann endlich.

Foto von der Autorin

Wir kommen sofort ins Gespräch. Audio Dope hat vor acht Jahren angefangen, Beats zu produzieren. "Kennst du das Programm Fruity Loops? Mit dem wurde Soulja Boy's Hit 'Superman' produziert", erklärt er. Mit dieser Software habe er angefangen, inspiriert von Oldschool-HipHop-Beats. "Zuerst habe ich eigentlich nur Beats produziert, um mit einem Freund auf sie zu freestylen. Dann merkte ich jedoch schnell, dass die Beats ziemlich tight waren." Da habe er in seinem Zimmer vor sich hin produziert – bis er seine Musik Freunden zeigte, die begeistert waren. "So kam one thing to another", sagt Audio Dope.

Bevor der Basler zur elektronischen Musik wechselte, spielte er Gitarre in einer Skatepunk-Band namens Liquid Cheroots. 2010 erschien sein erstes Album mit selbst produzierten Beats. Eine limitierte Vinyl-Edition. Diese Platten produzierte Audio Dope als Maturaarbeit. Damals wie heute schafft er mit seiner Musik eine Collage aus verschiedenen Eindrücken und fasst diese in einem Programm zusammen. "Es gibt Menschen, die haben einen schlechten Tag, gehen nach Hause und machen daraus einen aggressiven Song. Ich hatte meist nichts zu tun und während andere auf Serien schauen, fing ich an, Musik zu produzieren. Dabei hatte ich eine Stimmung gespürt und auf diesen habe ich mich fokussiert", sagt der Musiker.

Doch wie kommt ein Producer, dessen Genre sich vor allem online abspielt, dazu, mit einer Band auf Tour zu gehen? "Einmal habe ich im Bonsoir in Bern ein Live-Set gespielt. Dann ist ein Mädchen zu mir gekommen und hat gefragt, ob ich einen Eminem-Tune spielen kann. Da habe ich bemerkt, dass die Leute gar nicht checken, dass ich gerade ein Live-Set spiele", erzählt Audio Dope. Für ihn sind die Auftritte mit der Band deshalb der logische nächste Schritt. "Wenn jemand zu einem Song nicht bouncen kann, ist das nicht schlimm. Er kann auch einfach still dastehen und den Sound fühlen." Bei Partys sei das weniger der Fall, dort habe er immer das Gefühl, er müsse seine "bangigsten Tunes" spielen, damit sein Publikum abgeht. "Diesen Druck habe ich bei Konzerten nicht. Ich kann auch mal variieren. Heisst: Spannung auf- und wieder abbauen – das ist schön", fügt Audio Dope hinzu.

So war die Idee geboren, sich als Künstler durch Auftritte weiterzuentwickeln. Auf die Frage, wie er seine Bandmitglieder gefunden habe, sagt er: "In Basel kennen sich die Jazz-Leute aus der Solothurnerstrasse 11, weil dort oft Jam-Sessions stattfanden. Ich habe Florian die Songs gezeigt und er hat dann darüber gespielt – es passte direkt", sagt der Producer. Florian, der Schlagzeuger der Band, meldet sich das erste mal zu Wort: "Ich fand seine Beats schon vorher geil, darum war ich beim Projekt auch sofort dabei. Es gibt auch gewisse Tunes, über die ich nicht spielen möchte, weil sie schon so nice klingen."

Früher konnte der Musiker einfach mit seinem Köfferchen zu Gigs reisen und dort seine Sets spielen. Doch nun muss beispielsweise ein Schlagzeug transportiert werden. Ob finanziell oder logistisch, den zusätzlichen Aufwand nimmt Audio Dope gerne in Kauf. "Ich mache die Musik nicht for the Money, sondern für den Fun, the Löv und der Herz", sagt er.

Foto von der Autorin

An diesem Abend findet der fünfte Auftritt von Audio Dope mit Band statt. "Was speziell am heutigen Abend ist: Wir treten das erste Mal mit einer Sängerin und einer Visual-Show auf. Allgemein variierten wir sehr mit der Personenkonstellation. Am Anfang arbeiteten wir noch mit Pablo Vögtli von SRF Virus zusammen. Dann spielten wir einige Shows zu zweit und jetzt für die zwei letzten Shows haben wir Emilia noch ins Boot geholt", sagt Audio Dope.

Für den Basler ist 2018 das Jahr, in dem seine Musik mehr in die Öffentlichkeit gerückt, er gepusht und seine Hörerschaft grösser wird. Audio Dope ist noch motivierter, weil er sieht, dass immer mehr Menschen seine Musik feiern, die bis vor Kurzem keinen Zugang dazu hatten. Anfang Februar erschien Audio Dopes selbstbetiteltes Debütalbum auf dem weltberühmten Label Majestic Casual. Damit sei für den Künstler viel abgeschlossen, sagt er. Zudem schaffe es aber auch Raum, um sich neu zu definieren. Laut eigener Aussage befindet sich Audio Dope in einem stetigen Wandel.

Als Audio Dope mit der Musik begann, konnte er sich nicht vorstellen, dass er mal auf Tour sein wird und als Newcomer von allen Seiten gepusht wird. "Ich habe Kontakt mit vielen Musikern, die von Anfang an gesagt haben, dass sie Musik hauptberuflich machen wollen. Ich habe einfach immer neben dem Studium Musik gemacht, als Ausgleich zum Alltag. Ich denke auch, dass ich damit aufhöre, sobald es keinen Spass mehr macht." Von der Musik zu leben, würde ihm zwar gefallen, doch darum gehe es ihm nicht. "Ich möchte nicht zu Hause sitzen und denken: 'Fuck ich brauche mehr Cash, also mache ich einen Clubbanger.' Ich möchte auch experimentelle Musik machen können, wenn ich Bock darauf habe", sagt Audio Dope.

Auf die Frage, wieso nicht mehr Leute aus seinem Genre auf Tour gehen, antwortet er: "Weil die Meisten nun mal im Schlafzimmer sind und Beats produzieren. Bei einer Band spielst du meistens viel schneller irgendwo live. In meinem Genre ist es einfacher, Aufmerksamkeit durch das Internet zu generieren", erklärt der Basler.

Bis zum Auftritt der Band dauert es noch eine Weile. Also rauchen wir noch eine Zigarette und trinken ein Bier. Bei der Sängern ist noch eine wichtige Frage offen: was sie anziehen soll. Ihre Tasche ist mit Kleidern vollgestopft, doch schlussendlich entscheidet sie sich für das, was sie schon anhat. Auch Audio Dope zieht sich vor dem Auftritt noch um. "Zieht man in Zürich Shirts so an, also in die Hose gesteckt", fragt der Künstler mich. Ich bejahe die Frage und dabei entbrennt eine kleine Diskussion über die Unterschiede zwischen Zürich und Basel. Dann ist es auch schon Zeit, auf die Bühne zu gehen. Ich verabschiede mich vom Trio und wünsche ihnen Glück. "Eigentlich ist Audio Dope einfach nur ein Nerd, der Musik macht", beendet der Schlagzeuger das Interview und verschwindet hinter dem Vorhang.

Foto: Flavio Leone

Eine halbe Stunde später geht der Vorhang wieder auf. Audio Dope steht da mit seinen roten Pausbacken und beginnt das Intro. Kurze Zeit später steigt Florian mit seinem Drum ein. In dieser Symbiose klingen die verträumten Songs lebendiger und die "bangigen Tunes" wuchtiger. Für drei Songs stösst Emilia Anastazja noch dazu und haucht dem Sound von Audio Dope noch mehr Seele ein. Ich finde mich dabei wieder, wie ich mitwippe, mich in den Visuals verliere oder einfach die Augen schliesse und mich vom Beat treiben lasse – so wie alle anderen am Konzert.

Wenn du Audio Dope live sehen möchtest – am 24. März an seiner Plattentaufe in der Parterre Basel hast du vorerst die letzte Chance.



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