Obst

Dieser Künstler macht aus Bananen kleine Meisterwerke

Wenn dir das Leben Bananen gibt, mach Kunst draus.
8.6.17
Foto mit freundlicher Genehmigung von Stephan Brusche.

Stephan Brusche ist Künstler und sein Metier lässt sich laut seiner Homepage in vier einfachen Worten zusammenfassen: "Ich male auf Bananen."


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Der Künstler aus Rotterdam ist vielleicht der weltweite erste Vollzeit-Bananenkünstler und er macht der Bananen-Kunst alle Ehre. Mithilfe eines Kugelschreibers, eines Messers und ein paar Zahnstochern macht er unglaublich detaillierte und überraschend schöne Kunstwerke – aus Bananen.

Auf Instagram hat er mittlerweile über 52.000 Follower und auch der Blog von Chiquita (ja, die haben einen) hat schon über seine Kunst berichtet. OK, das ist zwar kein renommiertes Kunstmagazin, aber immerhin ein Anfang. Vor Kurzem hat er sogar seinen Job als Grafikdesigner aufgegeben, um sich voll und ganz den Bananen zu widmen.

Bevor du jedoch sagst, der Typ hätte zu viele Bananen gefressen und dreht vollkommen am Rad, lass dir von dem 39-jährigen Künstler etwas mehr über seine Werke erzählen. Wir haben mit ihm gesprochen und ihn gefragt, wie man der beste – wir lehnen uns mal etwas weiter aus dem Fenster, aber das ist unserer Meinung nach gerechtfertigt – Bananen-Künstler der Welt wird.

MUNCHIES: Hi Stephan. Wie würdest du deine Arbeit jemandem beschreiben, der deine Werke nicht kennt?
Stephan Brusche: Stell dir eine Banane vor, eine echte aus dem Supermarkt. Aber mit ihr ist etwas geschehen. Jemand hat etwas draufgemalt – alles Mögliche: ein Tier, ein berühmtes Gemälde, eine Bibelszene oder etwas aus einem Film. Und dieser Jemand hat auch etwas von der Schale abgeschnitten, sodass bestimmte Teile herausstehen. Und da fragst du dich, ob das immer noch eine echte Banane ist. Aber ja, es ist eine echte Banane.

Wann hast du das erste Mal Kunst mit Bananen gemacht und warum?
Ich bin durch eine Verkettung von Zufällen zur Bananen-Kunst gekommen. Das war vor sechs Jahren. Meine Frau hatte mich seit einer Weile gedrängt, Instagram zu benutzen, weil es doch super wäre, auf meine Illustrationen und Comics, die ich in meiner Freizeit neben meiner Arbeit als Grafikdesigner gemacht habe, aufmerksam zu machen. Nach dem Mittagessen wollte ich mit der App ein bisschen rumexperimentieren, die Filter austesten und so. Aber weil ich im Büro war, hatte kein interessantes Motiv. Dann fiel mir ein, dass ich noch eine Banane vom Mittag übrig hatte und ich dachte mir, das wäre ein witziges Foto, wenn ich einfach nur ein Gesicht draufmale. Dabei stellte ich fest, wie gut es tut, eine Banane zu bemalen – wie der Stift auf der Schale langgleitet. Also machte ich am nächsten Tag noch ein "Obst-Doodle". Danach wollte ich herausfinden, was ich noch so machen könnte und seitdem habe ich immer weiter gemacht. Irgendwann fiel mir auf, dass ich für meine Bananen-Bilder mehr Likes bekomme als für andere. Also habe ich mich mehr und mehr auf Bananen-Kunst konzentriert.

Warst du überrascht, wie beliebt deine Bananen-Werke bei den Usern sind?
Ja. Ich habe schon viele Metiers ausprobiert: Comics, Web-Comics, Illustrationen, individuell gestaltetes Geschirr. Dass ausgerechnet Kritzeleien auf Bananen mich zu dem sicheren Entschluss bringen würden, meinen Job zu kündigen, ist schon erstaunlich.

Warum sind dieses Obst-Doodles deiner Meinung nach so beliebt bei den Usern?
Sie sind etwas Ungewöhnliches. Keiner erwartet, dass jemand so viel Zeit und Energie für etwas aufwendet, das ein paar Stunden nach der Fertigstellung vergammeln wird. Es könnte auch daran liegen, dass man bei der Arbeit mit Bananen richtig kreativ sein muss, dadurch ist es etwas Besonderes. Und das knallige, fröhliche Gelb der Banane hilft auch, glaube ich.

Hast du einen Favoriten?
Das ändert sich jeden Tag. Heute ist es "The Fischbone" [siehe Titelfoto]. Das ist das erste Werk, das auf einem großen Kunst-Account bei Instagram geteilt wurde. Da wurde mir klar, dass meine Kritzeleien enormes Potenzial haben. Ab da habe ich noch mehr Zeit und Aufwand reingesteckt – obwohl "The Fischbone" eigentlich ein missglückter Versuch war. Bei diesem Werk habe ich entdeckt, wie viel man bewirken kann, wenn man auch die Bananenschale in das Design einbezieht, indem man zum Beispiel Teile abschneidet.

Mit welchen anderen Lebensmitteln arbeitest du?
Ich habe mit Äpfeln, Birnen, Orangen, Weintrauben, Kiwis, Auberginen, Erdbeeren, Beeren, Brokkoli, Rosenkohl, Karotten und so vielen anderen Dingen experimentiert. Ich zeige gerne, dass ich auch mit anderen Lebensmitteln genauso kreativ sein kann. Deshalb nenne ich sie auch "Obst-Doodles" und nicht "Bananen-Doodles".

Wie viele Bananen kaufst du ungefähr pro Monat?
Da ich versuche, jeden Tag eine neue zu machen, mindestens 30.

Isst du immer noch gern Bananen oder hängen sie dir mittlerweile zum Hals raus?
Zum Glück mag ich sie immer noch und esse eine pro Tag.

Vielen Dank für das Gespräch.


Dieses Interview wurde aus Platz- und Verständnisgründen redigiert.