Maximilian S. nahm das Urteil ungerührt auf. Schon während der heutigen Zeugenaussage seiner Mutter, er sei im Umgang mit ihr zunehmend „uneinsichtig, mürrisch, beratungsresistent und faul" gewesen, zeigte er kaum Emotionen. Er möchte im Gefängnis eine Ausbildung anfangen. Pläne habe er zwar noch nicht, jedoch wolle er „auf keinen Fall Künstler oder Pfleger werden", wie er gegenüber der Jugendgerichtshilfe sagte. Jedoch habe die Haft bereits erzieherische Wirkung hin zu mehr Einsicht beim Angeklagten geleistet, so die Sachverständigen.Das Ende von Shiny Flakes: Aufstieg und Fall eines 20-jährigen Online-Dealers
Anders als bisher von Prozessbeobachtern erwartet, entschied das Gericht, Maximilian S. nach Jugendstrafrecht zu verurteilen. Dem Urteil vorausgegangen war ein Gutachten der Jugendgerichtshilfe, das Maximilian S. zwar wirtschaftliche Selbstständigkeit und einen hohen IQ, jedoch eine mangelnde „Lebensplanung" und emotionale Unreife bescheinigte.„Wenn's nicht illegal gewesen wäre, hätte man eigentlich den Hut vor dem Angeklagten ziehen müssen."
Der Angeklagte Maximilian S. nimmt neben seinem Anwalt Platz. Bild: Theresa Locker / MOTHERBOARD.
In solchen Päckchen verschickte Shiny Flakes seine Ware und legte dabei gerne auch ein Gummibärchen zum Ecstasy dazu. Bild: Bak Navi. VICE | MOTHERBOARD
Nach dem Abbruch seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann begann der damals 19-jährige sich voll dem Betrieb von Shiny Flakes zu widmen und baute so schließlich einen der umsatzstärksten Online-Drogenshops Deutschlands auf. Abgesehen von der Starthilfe durch seinen inzwischen verhafteten Mentors RedBull und den bereits früh abgetauchten Unterstützers mit dem Usernamen DummesSchwein arbeitete Maximilian S. alle Jobs als Online-Dealer weitgehend allein ab—vom technischen Umgang mit Bitcoin-Wallets und dem Server über die Lieferungsannahme bis hin zum Versand.Überraschende Wende im Shiny Flakes-Prozess: Beschuldigter packt aus
In einem Interview mit Motherboard erläuterte der Shiny-Flakes-Betreiber im August 2014 sein Geschäft und führte seinen Erfolg sowohl auf die „exklusiven Pillenangebote" aber auch die Shop-Optimierung durch statistische Analysen von „Kunden- und Kaufverhalten" zurück. Vor allem jedoch machte es Shiny Flakes auch Kunden ohne Deepweb-Erfahrung äußerst einfach, über das Internet Drogen zu bestellen und gewann so mit seinem bildstark gestalteten Web-Shop zahlreiche Konsumenten. Von MDMA, Ecstasy und Speed über Crystal Meth und LSD bis zu Marihuana, das er zeitweise aufgrund zu hoher Nachfrage nicht mehr verkaufte, hatte Shiny Flakes gegen Bitcoin-Zahlung eigentlich alles im Angebot und versuchte sich stets serviceorientiert zu geben.„Da muss ja noch was sein in den ganzen unknackbaren Wallets."
Wenige Tage nach der Festnahme präsentiert die Polizei Anfang März 2015 die beschlagnahmten Drogen. Bild: Theresa Locker | MOTHERBOARD
Screenshot von der Website von Shiny Flakes.
Es waren zwei kleine Fehler, die Maximilian schließlich zum Verhängnis wurden und die Leipziger Polizei auf seine Spur brachten: Zum einen frankierte er manche seiner Sendungen nicht ausreichend, weshalb es in einem Leipziger Postzentrum zu einer Häufung von Rückläufern mit auffälligem Inhalt kam. Und zum anderen nutzte Maximilian S. zum Versand immer dieselbe Packstation, die sich nur unweit von seinem Haus befand:Zu der Packstation 145—die videoüberwacht wurde—ließ er sich per Taxi fahren, das er mit einem Handy bestellte, welches er exklusiv für diese Fahrten benutzte. Mehr als ein Dutzend Mobiltelefone und zwei Dutzend SIM-Karten wurden in seinem Zimmer sichergestellt—ein unglaublicher Organisationsaufwand, der mit dem Umfang des Geschäftsvolumens stetig anstieg. Unter welchem Druck der Dealer gestanden haben muss, kann man sich nur schwer vorstellen.Exklusiv: Wie die Ermittler Shiny Flakes wirklich auf die Spur kamen
Dieses Bild schalteten die Leipziger Ermittler wenige Tage nach der Festnahme auf der Website von Shiny Flakes. An die Serverzugänge waren sie gekommen, weil nicht alle beschlagnahmten Festplatten verschlüsselt waren.
