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Pizza

Wir haben den Mann, der seit 25 Jahren nur Pizza isst, nochmal getroffen

Vor ein paar Monaten haben wir einen Mann interviewt, der sich seit 25 Jahren nur von Pizza ernährt. Und immer noch am Leben ist. In einem zweiten Treffen wollten wir von ihm wissen, wie es ihm seit dem Artikel ergangen ist. Und ja: Er hasst noch immer...
15.7.14

Du hast nur sehr selten die Gelegenheit, die Existenz von anderen Personen unbeabsichtigt zu zerstören, außer du bist der Teufel. Vor ein paar Monaten haben wir vielleicht genau das getan, als wir auf VICE und MUNCHIES die Geschichte von Dan Janssen—ein Mann, der uns für immer als der „Pizza-Mann" in Erinnerung bleiben wird—erzählt haben. Dieser Kerl ernährt sich seit 25 Jahren von nichts anderem als Pizza. Dass er überhaupt noch am Leben ist, gleicht einem kleinen Wunder. Ärzte haben ihm sogar ein (relativ) gutes Gesundheitszeugnis ausgestellt.

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Das Internet ist nichts für Zartbesaitete. Es hat Dans Posteingang gesprengt und seinem Telefon ein ordentliches Burnout beschert, als er über Nacht zu einer Internet-Berühmtheit wurde und ihn eine Flut von Interviewanfragen aus der ganzen Welt erreichte. Tut uns Leid, Dan. Südkoreanische TV-Sender nennen ihn einen „amerikanischen Essenshelden." Und überall tauchten plötzlich Stalker auf, die behaupten, dass sie sich genauso wie Dan ernähren, und die uns über Twitter wie tollwütige Hunde, oder Justin-Bieber-Fans, das Leben zur Hölle machen.

Vor Kurzem haben wir uns noch mal mit Dan getroffen, um herauszufinden, ob er uns ein paar Therapiesitzungen in Rechnung stellen wird. Aber vor allem wollten wir wissen, wie es ihm seit der Artikelveröffentlichung ergangen ist. Glücklicherweise hat er sich nicht gerade zugeknöpft gegeben. Ganz im Gegenteil: Er hat uns sogar erlaubt, eine Doku über ihn und seine unersättliche Liebe zu Pizza zu drehen (werden wir demnächst auf MUNCHIES zeigen). Und er hasst noch immer Gemüse.

MUNCHIES: Hat sich in deinem Leben etwas verändert, seitdem der Artikel veröffentlicht wurde? Dan Janssen: Als der Artikel rauskam, dachte ich, dass ihn vielleicht ein paar Tausend Leute sehen werden. Schon tags darauf hat mein Telefon rund um die Uhr geklingelt. Ich habe Interviewanfragen von Radio- und TV-Morgensendungen erhalten. Die habe ich—bis auf ein, zwei Ausnahmen—aber alle abgelehnt. Und das ganze Theater endete erst vor ein paar Wochen. Südkoreanische Fernsehsender wollten mich übrigens interviewen, weil ich dort dafür als Held gefeiert werde, dass ich die westliche Verschwörung ad absurdum geführt habe, der zufolge Getreide ungesund sein soll.

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Das hört sich ziemlich komisch an. Hat es deinen Alltag verändert? Ich würde nicht sagen, dass es sich groß auf mein Leben ausgewirkt hat. Ich erfahre aber mehr Aufmerksamkeit als früher, vor allem in Form von einem stets vollen E-Mail-Eingang und bis zu 10.000 Besuchen pro Tag auf meiner Geschäftswebsite.

Bereust du es, mit uns gesprochen zu haben? Na ja, ich weiß nicht… Nein. Es hat auf jeden Fall Pep in mein Leben gebracht. Ich muss aber schauen, wie sich die Sache entwickelt. Wenn am Ende finanziell etwas dabei herausspringt, würde ich das Interview auf keinen Fall bereuen. Wenn sich aber nur ein Haufen fremder Leute an meiner komischen Geschichte bereichern und ich dabei außen vor bleibe, dann werde ich das Ganze wohl schon bereuen.

Verständlich. Warum sind die Leute so sehr an deiner Ernährung interessiert? Ich glaube, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der uns andere vorschreiben wollen, wie wir zu leben haben. Deswegen sollen wir auch auf gesunde Ernährung achten. Und dann bin ich im Internet aufgetaucht und haben den Leuten gesagt: „Ihr könnt euch ohne große Sorgen ungesund ernähren." Und das aus dem Mund von einem angeblich ungesunden Typen, der am Ende doch recht fit ist und ganz OK aussieht. Ich spreche manchen Menschen Mut zu, die ähnliche Ernährungstendenzen wie ich haben. Und irgendwie wirkt meine Geschichte auch als Katalysator für dieses ungute Gefühl, das sich gegen Foodies entwickelt hat.

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Auf Twitter hat uns ein Typ genervt, der behauptet, dass er sich genauso wie du ernährt. Er wollte unbedingt, dass wir euch miteinander bekanntmachen. Hattest du noch mehr Stalker? Dutzende und Aberdutzende. Ich wurde sogar von den Picky Adult Eaters kontaktiert, die mich zu einem ihrer Sprecher machen wollten. Ich habe auch viele private E-Mails bekommen. Das Ganze hat mich ziemlich wahnsinnig gemacht. Die, die ich gelesen habe, reichten von „Ich ernähre mich genauso wie du" über „Können wir uns mal treffen?" bis hin zu „Hast du Lust, mit mir eine Pizzeria aufzumachen?" In einer E-Mail hat ein Typ zu mir gesagt: „Ich bewundere dich dafür, dass du für ungesunde Ernährung eintrittst. Ich habe mich mein ganzes Leben lang ähnlich ernährt und muss dafür jetzt den Preis zahlen. Aber mach so weiter wie bisher!" Ich fand das ein bisschen unangenehm.

Das hört sich in der Tat ein bisschen gruslig an. Hast du mittlerweile deinen Speiseplan erweitert? Wie sieht's mit Gemüse aus? Nein. Dank meiner Verlobten trinke ich jetzt jeden Morgen einen gesunden Smoothie mit Leinsamen, Proteinen und Bananen drin. Ich mache mir aber weiterhin nicht wirklich viel aus Gemüse oder ähnliche Sachen. Das steht noch auf meiner To-do-Liste, momentan habe ich dafür aber keine Zeit.

Du hast keine Zeit für Gemüse? Hat es dir denn wenigstens Spaß gemacht, mit uns zusammen die Doku zu drehen? Sehr sogar! Ich musste in verschiedenen Pizzerien in Baltimore und in Läden wie Domino's vorbeischauen, wo ich früher mal gearbeitet habe. Und dann war da noch etwas—kaum war der Artikel draußen, haben mich Pizzerien im ganzen Land zu Gratispizzen eingeladen. Und Leute schicken mir T-Shirts zu und anderen Kram. Ich bin eigentlich nicht der Typ, der gerne im Mittelpunkt steht—obwohl, als Sternzeichen Löwe vielleicht schon ein bisschen—aber es war schon ein komisches Gefühl, als mir die Kamera auf Schritt und Tritt gefolgt ist. Alles in allem war es aber eine coole Erfahrung, auch wenn ich seitdem nicht weiter über den Videodreh nachgedacht habe.

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Wer macht deiner Meinung nach aktuell die beste Pizza in Amerika? Ich bin zwar ein echter Pizza-Connaisseur, aber kein Pizza-Vornehmtuer. Soll heißen: Ich kann genauso gut eine schlechte Pizza essen und trotzdem jeden Bissen davon genießen. Ich liebe John's of Bleecker in New York. Die Pizza dort ist echt gut, kommt mit einer einfachen Tomatensauce und wird auf einem Holzkohlegrill gebacken. Außerdem habe ich noch Pontillo's in dem letzten Interview erwähnt und stehe noch immer dazu. Und mir schmeckt es auch bei Vennari's in Maryland.

Was ist für dich das perfekte Pizzastück? Dazu bedarf es etwas, das ich nur sehr selten finde (ich kenne nur zwei Läden, wo sie es nach meinem Geschmack machen): einen verdammt knusprigen Pizzaboden. Und eine leckere Kruste—sowohl am Rand als auch im Inneren der Pizza—darf nicht fehlen. Die Mitte ist teigig, extra teigig sogar. Dazu dann eine schön scharfe Tomatensauce mit nicht zu viel Würze. Und einen echten Mozzarella. Einfach aber lecker.

Knuspriger Pizzaboden. Haben wir notiert. Ich mein, der ist echt selten! Wir haben schon eine Art Pizzakultur in Amerika. In meinem gesamten Leben habe ich noch niemanden kennengelernt, dem Pizza nicht schmecken würde. Aber viele Pizzen sind einfach nur furchtbar. Schon komisch, dass etwas so Simples—Tomatensauce, Teig und Käse—für manche Menschen so schwierig sein kann.

Wirst du Gemüse jemals eine Chance geben? [Lacht] Bei meinem ersten Date mit meiner Verlobten sind wir in eine Pizzeria gegangen, weil sie gehört hatte, dass mir Pizza schmeckt. Ich wäre mit ihr überall hingegangen, aber als sie die Pizzeria vorgeschlagen hat, dachte ich mir: „Super, das Ganze könnte funktionieren." Ich wollte aufgeschlossen rüberkommen, weswegen ich sie gefragt habe: „Was für Belag willst du haben?". Ihre Antwort lautete: „Auf jeden Fall Champignons". Also haben wir eine Pizza mit Champignons bestellt. Ich habe das gesamte Ding aufgegessen und es war nicht einmal schlecht. Ich bin ja nicht komplett gegen Gemüse, ab und zu esse ich es auch. Aber im Ernst: Warum soll ich eine Karotte essen, wenn ich eine Pizza essen kann? Eine Karotte ist halt knackig und besteht aus orangenem Wasser. Mehr nicht.

Ich bin zwar anderer Ansicht, aber trotzdem viel Spaß mit deiner Pizza.