Politik

Mit Dildos gegen Pistolen

Wie Studenten in einem der verklemmtesten Staaten der USA gegen eine neue Campus-Waffenverordnung demonstrieren.
16 März 2016, 1:25pm
Photo by Vera Lair via Stocksy

An der University of Texas in Austin geben die Studenten dem Akt der Demonstration gerade einen ganz neuen Touch. Wo sonst eher selbstgebastelte Plakate und Megafone normal sind, zieht die ehemalige Studentin Jessica Jin jetzt mit ihrem politisch brisanten Sexspielzeug noch mal ganz andere Saiten auf.

Jin will an der Spitze des Protests gegen ein neues texanisches Gesetz stehen, das das Mitführen einer Waffe auf Universitätsgeländen erlaubt. Auf der Facebook-Seite der Demo schreibt Jin: „Der US-Bundesstaat Texas hat entschieden, dass es vollkommen in Ordnung ist, eine tödliche Waffe mit in die Vorlesung zu nehmen. Wenn es allerdings um das freie Ausleben der Sexualität geht, dann gibt es strenge Vorschriften, um unsere Unschuld zu schützen."

Texas ist im Bezug auf das Sexualleben und die sexuelle Gesundheit tatsächlich sehr eigen. Täglich werden dort weitere Abtreibungskliniken geschlossen und man muss nun schon bis zu 20 Tage warten, um einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen. Jin schreibt auf der Event-Seite weiter: „Man wird verwarnt, wenn man einen DILDO mit zur Vorlesung bringt. Wenn man das Gleiche mit einer Waffe macht, gibt es hingegen keinen Ärger." Und deswegen will sie jetzt so viele Studenten und Studentinnen wie möglich dazu bringen, voller Stolz Gummipenisse mit sich zu tragen, um „den Leuten zu zeigen, wie es wäre, wenn wir alle eine Waffe bei uns hätten."

Bis dato haben über 7.100 Leute zugesagt und noch viele weitere pushen den Hashtag #CocksNotGlocks in den sozialen Netzwerken. „Das Ganze soll ja richtig lächerlich wirken—das ist der Sinn der Sache", meinte Jin gegenüber der Zeitung Houston Chronicle.

Gary Susswein, der Leiter der Kommunikationsabteilung der University of Texas, hat natürlich schon von dem viral gegangenen Protest gehört, der Anfang des nächsten Semesters dann auch in die Tat umgesetzt werden soll. Zwar weist Jin die Studenten darauf hin, dass sie auf eigenes Risiko bei der Demo teilnehmen (öffentliche Unzüchtigkeit ist in Texas ein strafbares Vergehen), aber der Universitätsvorstand hat auch schon angekündigt, dass niemand davon abgehalten werden wird, mit einem Dildo auf dem Campus herumzulaufen.

„Wir würden das Ganze als politische Demonstration einstufen. Unsere Studenten haben wie alle texanischen Bürger das Recht auf freie Meinungsäußerung", erklärt Susswein. „Zusammen mit Studenten und Professoren wollen wir herauszufinden, wie man das neue Campus-Waffengesetz am besten umsetzt. Hier geht es nicht darum, als Universität dafür oder dagegen zu sein, sondern darum, wie wir alle von der neuen Verordnung profitieren können und die Sicherheit der Studenten gewährleisten." Universitäten wird bei der Implementierung des Gesetzes ein gewisser Spielraum eingeräumt.