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„Danke Merkel": Köln-Fans nutzen Kanzlerin-Besuch für Protest

Die Kölner Fans machten die Kanzlerin bei ihrem Stadionbesuch gleich mal ironisch für die fanunfreundliche Anstoßzeit verantwortlich. Ein weiterer Protest war hingegen gewaltiger.

von Bastian Krauss
05 April 2017, 9:20am

Foto: Imago

„DI.. 20 Uhr? Danke, Merkel!", stand gestern in roten Großbuchstaben auf einem Transparent in der Kölner Südkurve. Da musste wohl selbst Angela Merkel zweimal hinschauen: Die Bundeskanzlerin (auf Wahlkampf-Tour?) konnte das Plakat schließlich live im Stadion aus einer Loge betrachten. Eine ernstzunehmende Merkel-Kritik sollte man in das Banner der „Wilden Horde" jedoch nicht interpretieren. Vielmehr ist es der erneute Protest der aktiven Fanszene gegen die für Arbeitnehmer und Fans mit längeren Anfahrtswegen unfreundliche Anstoßzeit unter der Woche. Anlässlich des Kanzlerin-Besuchs verzierten sie den Protest mit dem „Danke Merkel"-Spruch, der seit Monaten ironisch benutzt wird, um beinah jedes noch so absurde Übel der Regierung in die Schuhe zu schieben. Merkel dürfte wohl erstmal bei Sitznachbar und FC-Präsident Werner Spinner um Aufklärung gebeten haben, was denn an diesem Dienstagabend so schlimm sein soll.

FC-Präsident Werner Spinner mit Ehrengast Angela Merkel (Foto: Imago)

Dass Merkel als Ehrengast beim FC-Spiel gegen Eintracht Frankfurt anwesend sein wird, war kein Geheimnis. Die Kanzlerin hatte sich vor dem Bundesliga-Spiel mit Vertretern der Initiative „Wir zusammen" getroffen. Das Netzwerk von Unternehmen – unter anderem der 1.FC Köln – übernimmt Patenschaften für Flüchtlingsprojekte und zierte auch mit einem Schriftzug die Brust der Kölner Trikots. Neben dem Merkel-Banner gab es jedoch am gestrigen Abend einen weiteren Prostest: Die Kölner Ultras hatten ihre Zaunfahne verkehrt herum aufgehängt und der sonst so lautstarke Stimmungspulk in der Südkurve schwieg die ganze erste Halbzeit. Grund war ein Polizeieinsatz vor der Partie.

Die Polizei soll vor dem Spiel rund 200 Kölner Ultras kontrolliert und 60 von ihnen in Gewahrsam genommen haben, wie der Kölner Stadtanzeiger berichtet. So sollen laut Polizeiangaben die Kölner eine Konfrontation mit anreisenden Frankfurtern gesucht haben. Diese Auseinandersetzung sollen die Beamten laut eigenen Angaben verhindert haben. Anschließend sollen bei einigen Fans Quarzhandschuhe, Zahnschutz und Masken gefunden worden sein. Die Polizei will gegen die 60 Fans nun Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs, Drogenverstößen und versuchter Körperverletzung aufnehmen.

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Die FC-Verantwortlichen konnten den Stimmungsboykott hingegen nicht ganz nachvollziehen. „Das war eigenartig, unverständlich", erklärte Kölns Trainer Peter Stöger dem Kölner Stadtanzeiger und hatte das sportliche Geschehen im Blick. „Ich muss das nicht alles verstehen. Ich habe mich zur Pause über die wenige Unterstützung aufgeregt. Und wenn dann auch noch Pfiffe kommen, dann wundert man sich halt. Das ist für mich jetzt erledigt. Ich kann niemanden zwingen, gut gelaunt zu sein und positive Stimmung zu verbreiten und einen realistischen Blick auf die Tabelle zu haben." Zur zweiten Halbzeit unterstützten die Kölner Fans jedoch ihre Mannschaft wieder lautstark. Das hat geholfen: Der FC gewann mit 1:0 – und Angela Merkel weiß nun um die fanunfreundlichen Anstoßzeiten in der Bundesliga Bescheid.

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