Fußball

Wie sich die politische Rivalität zwischen PAOK- und Schalke-Fans entlud

Beim Euro-League-Spiel in Thessaloniki präsentierten die PAOK-Fans ein nationalistisches Banner für die Schalker Ultras und ihre Freunde – an alle Deutschen schickten sie gleich auch noch eine Botschaft. Die Schalke-Fans antworteten mit Geldscheinen.

von Benedikt Niessen
17 Februar 2017, 11:30am

Foto: Imago

„Macedonia is one and only and it's here", stand gestern auf einem meterlangen Banner auf der Gegengeraden der PAOK-Fans im Toumba-Stadion von Thessaloniki. Was so viel heißt wie „Es gibt nur ein Mazedonien und das liegt hier", war für über anderthalb Millionen Fernsehzuschauer des Hinspiels der Europa-League-Zwischenrunde zwischen PAOK Saloniki und Schalke 04 gut sichtbar. Zwar verschwand die Botschaft noch in der ersten Halbzeit, doch sie tauchte in der zweiten Hälfte hinter dem Tor wieder auf.

Die Schalke-Fans im Gästeblock wiederum provozierten die griechischen Fans, indem sie mit 50-Euro-Scheinen wedelten. Damit machten sie sich über die Griechen lustig, die mittlerweile rund 250 Milliarden Euro durch EU-Rettungspakete erhielten. Die PAOK-Fans sendeten mit einem weiteren Banner eine Botschaft ganz speziell nach Deutschland: „Fucking Nazi get out of here." Daneben prangte ein Konterfei von Angela Merkel mit Hitler-Bart. Die politisch aufgeheizten Banner sind dabei nur der letzte Akt einer Auseinandersetzung, die bis in die Fanszenen und die Politik reicht.

Schalker Fans wedeln im Gästeblock mit 50-Euro-Scheinen. (Foto: Alexandros Avramidis / VICE Greece)

Einige Schalker Fans wie die „Ultras Gelsenkirchen" pflegen seit dem UI-Cup-Spiel 2004 gegen den FC Vardar Skopje aus Mazedonien eine Fanfreundschaft zur dortigen Gruppe „Komiti Skopje". Seither besuchen sich beide Gruppierungen immer wieder gegenseitig. Unter anderem starteten die Schalker Ultras eine Spendenaktion nach den verheerenden Unwettern in Skopje im August letzten Jahres. Thessaloniki wiederum ist das Zentrum der gesamten griechischen Region Makedonien – das sich seit Jahrzehnten mit dem Nachbarland und der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien einen Namensstreit liefert. Griechenland möchte unter anderem verhindern, dass der Name seiner nördlichen Region Makedonien zur international anerkannten Bezeichnung des Nachbarstaates wird, auch weil es künftige Gebietsforderungen befürchtet.

Bei dem Spiel zwischen Schalke und PAOK im August 2013 in den Champions-League-Playoffs präsentierten Fans im Schalker Block eine Flagge der Ultras aus Skopje, auf der unter anderem der „Stern von Vergina" abgebildet war. Diesem Symbol ging schon ein jahrelanger Flaggenstreit zwischen beiden Ländern voraus. Die griechischen Fans fühlten sich provoziert und die deutsche Polizei stürmte damals wegen angeblicher Volksverhetzung in einem überzogenen und unverhältnismäßigen Einsatz mit Schlagstöcken und Pfefferspray den Schalker Block. Fast 90 Fans wurden dabei verletzt. Der Polizeieinsatz wurde zum Politikum. Nun ist jedoch klar: Die Fahne ist und war legal, ein weiteres Fahnenverbot wird es zudem nicht geben.

Diese Vorgeschichte gab dem Spiel in Thessaloniki eine besondere Brisanz, was einerseits zu erniedrigen Regeln im Vorfeld der Partie für die Schalke-Fans führte und andererseits auch zu einer tatsächlichen Anwendung von überzogenen Sicherheitsvorkehrungen, wie eine Schalke-Anhängerin für das Fußballmagazin Westline schreibt.

Einige Schalker Anhänger kritisierten, dass die Reaktionen auf das Banner 2013 und das von gestern unterschiedlicher nicht ausfallen konnten. Der gestrige 3:0-Auswärtssieg dürfte die mitgereisten Schalker zwar glücklich stimmen, jedoch auch einige Reisestrapazen beinhaltet haben...

Ganz unschuldig sollen die Schalker Fans bei ihrem Besuch in Griechenland aber auch nicht gewesen sein: In der Nacht vor dem Spiel musste die Polizei mit Tränengas Auseinandersetzungen verschiedener Fans beenden, wobei mindestens ein Schalke-Fan festgenommen wurde. Am gestrigen Nachmittag gab es erneut Auseinandersetzungen mit der Polizei, zudem soll ein Café völlig zerstört worden sein, wie die SZ berichtet. S04-Sportvorstand Christian Heidel sprach bei Sport1 von „bedauerlichen Vorfällen, die keiner gutheißen kann". Die 1.400 Fans aus Gelsenkirchen ließen all diese Negativmeldungen jedoch kalt, sie sorgten nämlich für ordentliche Stimmung im PAOK-Hexenkessel...

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