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erste runde krankenschein

Saufen, masturbieren, auswärts fahren – wie ein Detektiv einen Fan beim Krankfeiern überführte

Der Detektivbericht über einen Erfurter Fan ist köstliche Realsatire. Wie uns der Detektiv erklärte, bekommt er immer wieder Fälle von Fans, die wegen Fußball blaumachen. Treibt die DFL Fans in die „Arbeitsunfähigkeit"?

von Benedikt Niessen
01 Juni 2016, 1:00pm

Foto: Imago

Der Anspruch der meisten Ultras und Fans ist die bedingungslose Unterstützung der eigenen Mannschaft—immer und überall. Das gerät oft mit den eigenen Arbeitszeiten in Konflikt (sofern man denn welche hat). Einige Fußballfans feiern daher gerne auch mal krank, wenn es anders nicht geht. Einem Arbeitgeber aus Thüringen wurde die ständige Abwesenheit eines Mitarbeiters nun zu viel und er schaltete einen Detektiv ein. Der Rest ist die wohl beste Realsatire des Jahres.

Auf dem Blog der „Kurtz Detektei Erfurt und Thüringen" beschrieb Chefdetektiv Patrick Kurtz die Observation eines laut ihm glühenden Fans von Rot-Weiß Erfurt . Dieser fiel seinem Arbeitgeber mehrmals negativ auf, weil er sich immer wieder krankschreiben ließ, wenn der eigene Verein spielte. Als er sich nach zwei freien Tagen Anfang der Woche ausgerechnet am Mittwoch vor dem am Samstag stattfindenden Thüringischen Landespokalfinale erneut krank meldete, schaltete sein Chef die Detektei ein.

Am Donnerstag, dem ersten Observationstag, verfolgte das Detektivduo den frisch krankgeschriebenen Fan bei strahlendem Sonnenschein zu einem Badesee in der Nähe von Erfurt. Einer der Detektive beobachtete den Fan schließlich aus einer Baumkrone heraus. „Im Laufe des Tages unternahm der krankgeschriebene Mitarbeiter nicht viel anderes, als augenscheinlich zu schlafen, sich Filme oder Serien auf einem mitgebrachten Tablet anzusehen, in einer kaum sichtgeschützten Senke zu masturbieren und sogar mehrfach im klirrend kalten See zu schwimmen", heißt es in dem Blog-Eintrag.

Dieser Fall lässt selbst den erfahrenen Chefdetektiv Patrick Kurtz schmunzeln. „Wir haben immer wieder unterhaltsame Fälle und Anekdoten, aber die Vorkommnisse am Stausee waren schon sehr kurios", erklärt er im Gespräch mit VICE Sports. Vor allem Freitags- und Montagsspiele, internationale Begegnungen unter der Woche und weite Auswärtsfahrten machen ein Leben als „Allesfahrer" fast unmöglich. Mit im Schnitt 29 Urlaubstagen im Jahr kommt man eben nicht überall hin. Wenn der Arbeitgeber dann nicht mitspielt, bleibt oft nur—frei nach „Erste Runde Krankenschein..."—der Weg zum Arzt (und somit der Krankschreibungsschwindel) als letzte Lösung, um in der Kurve zu stehen. Häufig wenden sich Arbeitgeber an Detektive, um ständig krankgeschriebene Mitarbeiter zu kontrollieren.

Foto: Imago

Doch ein Tag Entspannen am See ist nicht unbedingt der Beweis für einen Krankschreibungsbetrug. „Am Freitag war unseren Ermittlern dann jedoch endgültig klar, dass die Zielperson nicht krank ist." Um neun Uhr morgens wurde der „kranke" RWE-Fan nämlich von einem Herrn mit Erfurter Fan-Shirt abgeholt und beide fuhren in eine Fankneipe zum „Frühschoppen". Aus einem Bier wurden mehrere und die Fans blieben bis zum Abend in der Kneipe—„bis die Zielperson unserer Wirtschaftsdetektei aus Erfurt gegen halb zwölf Uhr nachts sturzbetrunken von der herbeigeeilten Ehefrau nach Hause chauffiert wurde."


Am nächsten Tag reiste der Teilzeit-Arbeitnehmer und Vollzeit-Fan nach Jena zum Pokalendspiel auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld. Die Detektive hatten sich zur Tarnung ebenfalls Fankleidung von Rot-Weiß Erfurt sowie ein Ticket gekauft, um den krankgeschriebenen Fan zu verfolgen. „Das gehört zu den Spesen", erklärt Detektiv Kurtz. „Die Fangruppen wurden von der Polizei getrennt und unsere Ermittler brauchten die Fanartikel, um mit den Erfurtern mitlaufen zu können." Dazu kommt noch ein 55-Euro-Stundensatz pro eingesetzten Ermittler.

Einer der in rot gekleideten Fans müsste eigentlich krank im Bett liegen.

Ein Ermittler dokumentierte—leicht sichtbehindert durch ständiges Abbrennen von Pyrotechnik—die „zweifelsohne genesungswidrigen Handlungen" des krankgeschriebenen Fans. „Aus der Ferne dokumentierte unser Ermittler, wie die Zielperson der Kurtz Privatdetektei Erfurt und Thüringen die Fangesänge kräftig mittrug und jede Menge offenbar illegal eingeschleustes Bier konsumierte", heißt es im Blogeintrag der Detektei. „Eine ‚After-Match-Party' gab es in der Landeshauptstadt für die Zielperson unserer Erfurter Detektive nicht: Sichtlich frustriert ließ sich der erneut stark alkoholisierte Arbeitnehmer von seiner Frau am Hauptbahnhof abholen und direkt nach Hause fahren."

Da die Namen von Mitarbeiter sowie Unternehmen anonymisiert sind, darf die Detektei diesen kuriosen Fall auf ihrem Blog veröffentlichen. Dem Fan wird diese Woche noch eine fristlose Kündigung überreicht. „Wenn er diese nicht anfechtet, bleibt unser ausführlicher Bericht natürlich unter Verschluss", erklärt Detektiv Kurtz. Doch nicht jede Observation überführt die potenziellen Blaumacher. „Wenn die Zielperson nach zwei Tagen immer noch zu Hause ist, brechen wir die Observation meistens ab und wir gehen von einer Krankheit aus."

Den nächsten Fall von krankfeiernden Fans wird es bestimmt geben. „Alle paar Monate haben wir mit Krankheitsfällen im Fußball zu tun", erzählt Kurtz. „Wir hatten mal einen HFC-Fan aus Halle oder einen krankgeschriebenen Trainer, der trotzdem am Seitenrand stand. Oftmals observieren wir auch Väter, die ihre Kinder trotz Krankenschein bei Jugendspielen anfeuern." Also Vorsicht, bei zu häufigem Fehlen mit Krankenschein guckt der Chef genauer hin – ob beim Fußball oder beim Wichsen am Badesee.

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