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Kunst

Das älteste noch erhaltene Buch der Farbenlehre ist 323 Jahre alt

Die 800 handgeschriebenen und illustrierten Seiten wurden 1692 im niederländischen Delft geschrieben.
30.1.15

Im Jahre 1692 verfasste ein nicht näher bekannter A. Boogert im holländischen Delft in mühevoller Detailarbeit knapp 800 Seiten über die Kunst des Malens mit Wasserfarben. Sein handgeschriebenes Buch trägt den Titel Klaer Lightende Spiegel der Verfkonst (wörtlich „Klar leuchtender Spiegel der Malkunst) und enthält akribische Anleitungen, wie man verschiedene Farbtöne und ihre einzelnen Schattierungen durch „ein, zwei oder drei Portionen Wasser“ herstellt.

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In seinem Manuskript beschreibt Boogert die verschiedenen Farben aber nicht nur, er hat sie auch auf höchst präzise Weise illustriert und einen einzigartigen Farbindex geschaffen. Sein Werk entstand in einer Zeit, die auch als „Goldene Ära der Niederländischen Malerei“ bezeichnet wird, wie der Historiker Erik Kwakkel im Mai 2014 in seinem Blog berichtete, kurz nachdem er das Buch in der Bibliothèque Méjanes im französischen Aix-en-Provence entdeck hatte.

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Laut Kwakkel, der das Buch über sein Tumblr erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte, betrachtet es als seltenen Einblick in die Arbeitsweise von Malern und Illustratoren des 17. Jahrhunderts. Er geht davon aus, dass nur wenige Menschen überhaupt jemals das Buch zu Gesicht bekamen, da soweit bekannt nur eine einzige handschriftliche Version  angefertigt wurde. Ironischerweise, denn wie der Autor in der Einführung erklärt, hatte er es als Lehrwerk geschrieben.

An der Universität Amsterdam wird das Manuskript derzeit im Rahmen einer Doktorarbeit weiter erforscht. Die Veröffentlichung entsprechender Ergebnisse ist noch für 2015 geplant. Wer bis dahin selber stöbern möchte, findet das Werk hier komplett digitalisiert.