Musik

Bohemian Rhapsody in 360° ist der Ritterschlag für die Virtuelle Realität

„Is this the real life? Is this just fantasy?“
19.10.16

Nicht genug, dass Queen absolute Pioniere waren, was Progressive Rock angeht, jetzt hilft die Band auch noch Google Play bei der Erschließung neuer Virtual Reality-Welten. Zusammen mit Enosis VR verwandelte Google „Bohemian Rhapsody“ in einen dreidimensionalen 360°-Trip mit interaktiven Elementen und räumlichen Klängen. Der Song ist gut gewählt—die monumentale, sechs Minuten andauernde Suite gefällt denen, die 1991 geboren wurden, genauso wie jenen, die das Lied bereits 1975 im Radio hörten. „Is this the real life? Is this just fantasy?“ klingt nach über vierzig Jahren mindestens genauso innovativ wie damals.

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The Bohemian Rhapsody Experience läuft auf iOS und Android. Der Film kann mit Google Cardboard oder als 360° Video auf einem mobilen Endgerät abgespielt werden. Wenn man die App öffnet und auf „Play“ drückt, kommt es einem vor, als erhalte man einen Blick in den Kopf von Freddie Mercury selbst. Es wurde oft gerätselt, warum der Musiker nicht preisgeben wollte, worum es in dem Song ging. Wenngleich das Rätsel auch in diesem Video nicht gelöst wird, so versieht es doch die geballte Vorstellungskraft von Mercury mit strahlenden Violett- und Blautönen. Die Ballade wird durch ein verspieltes Wonderland mit fahrradfahrenden Skeletten und animierten Planeten bebildert. In der Opernsequenz bewegen wir uns in eine gespenstische Höhle, während wir uns bei den Rocksequenzen auf einer neonfarbenen Reise durchs All befinden und uns bei der Coda, dem Schlussteil, eine tropfende, intergalaktische Aurora gezeigt wird.

Das Musikvideo ist so fundiert recherchiert,  kreativ entwickelt und visuell beeindruckend, dass es die ganze Schönheit, die in Virtual Reality stecken kann, zum Vorschein bringt. Es ist außerdem bahnbrechend für dieses Medium. „Es ist komplett interaktiv, die meisten Aspekte werden durch den individuellen Blick des Betrachters gesteuert. Während du dir Bilder anschaust, öffnen sich bereits weitere Bilder vor deinen Augen. Für den Betrachter fühlt es sich nicht unbedingt so an, als würde er die Bilder aufrufen, es ist aber trotzdem so. Die Handlung entspinnt sich dort, wo du deinen Blick hin richtest“, so Vangelis Lympouridis, der Gründer von Enosis.
   
Je zugänglicher das Medium wird, desto intensiver müssen sich Kreative mit der Umsetzung von Geschichten in 360 Grad auseinandersetzen. Die Gefahr ist dabei natürlich, dass die Betrachter viele Aspekte des Films gar nicht sehen, weswegen die Filmemacher mit hörbaren oder sichtbaren Hinweisen experimentieren. Lympouridis ist allerdings der erste, dem es gelungen ist, die Handlung der Geschichte vom Blick des Betrachters abhängig zu machen. Er hat im Fachbereich Whole Body Interaction promoviert und hält einen MSc in Sound Design. Lympouridis interessiert sich insbesondere dafür, wie sich die Wahrnehmung von Musik verändert, wenn der Zuhörer immersiv in das Musikvideo mit hineingezogen wird. Für The Bohemian Rhapsody Experience kreierte Dolby Laboratories einen vollkommen neuen räumlichen Remix. „Brian May, der Gitarrist von Queen, sagte uns, dass es unglaublich sei, wie immersiv der Remix ist und dass er sehr von unserer Arbeit beeindruckt ist. Wenn sogar die Band bestätigt, dass sich das Hörerlebnis verbessert, ist das natürlich großartig“, freut sich Lympouridis.

Da die Betrachter ja nicht wissen, wonach sie suchen, passiert es leicht, dass einige der Innovationen übersehen werden. Lympouridis findet das gut. Würden die Menschen nämlich merken, dass die Anwendung auf ihren Blick reagiert, auf ihr Adjustieren der Audio-Direktionalität oder darauf, dass sie keine Pausen einlegen, wäre die Technologie zu aufdringlich. Der Witz an VR ist ja, so Lympouridis, dass der Betrachter den Eindruck hat, er würde eine natürliche Erfahrung machen. Die Videos sollten also kürzer als 10 Minuten sein, damit einem beim Betrachten nicht schwindelig wird. Auch ist es besser, synthetische, surreale Bilder zu nehmen, die über die Wirklichkeit hinausgehen, als zu versuchen, die Wirklichkeit zu imitieren.

Die Übertragung der Musik von Queen in die Virtual Reality ist nicht nur ausgesprochen cool, das Medium eröffnet auch neue Möglichkeiten. Wenn Musiker 360° zur Verfügung haben, können sie über ihre Musik im physikalischen Raum nachdenken. „Stell dir mal eine Musikergeneration vor, die versteht, was es ausmacht, wenn die Musik aus verschiedenen Richtungen kommt. Die eine Ahnung von Psychoakustik hat und weiß, wie die Akustik der Musik in immersiven Umgebungen auf unsere Psyche wirkt.“ Der Song „Bohemian Rhapsody“ brachte Bewegung in die Musikindustrie, als er herauskam, und Google Play bewegt uns jetzt mit einem beeindruckenden Musikerlebnis. Wir sind gespannt, auf welche musikalischen Höhen Virtual Reality uns noch bringen wird.

   
Um zur Bohemian Rhapsody Experience zu gelangen, hier klicken. Downloadable bei Google Play und im App Store.