Ich liebe meine Frau, also waren wir bei Britney Spears und auf der Pornomesse in Las Vegas

Um ihr für die beinahe 20 Jahre zu danken, in denen sie mich von Ärger fern hielt, wollte ich ihr einen ihrer Träume erfüllen:

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27 Januar 2017, 3:38pm

Seit 34 Jahren versammelt sich in Las Vegas jeden Januar die gesamte Welt des Pornos zur viertägigen Adult Video News Expo, um ihre Brüste zu zeigen und ihre Waren zu verkaufen. Die alljährliche Veranstaltung ermöglicht es Fans, mit jedem persönlich in Kontakt zu kommen, der in der Welt der Erwachsenenunterhaltung einen Namen hat. Außerdem können dort alle möglichen Arten seltsamer und obskurer Sexspielzeuge erworben werden, von Reitsimulatoren in Pferdegröße bis zu riesigen Dildos mit Sci-Fi-Thematik. Meine Verbindung zur Welt des Pornos begann vor mittlerweile beinahe 20 Jahren. Zunächst arbeitete ich für Larry Flints Big Brother Skateboarding Magazine, dann schrieb ich lange für meine Kolumne bei VICE, Skinema, Reviews über Pornos. Daraus entstanden ein Buch und eine Videodokumentation mit dem gleichen Namen. Letztes Wochenende war ich als Repräsentant meines neuen Arbeitgebers, dem Penthouse Magazine, zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wieder auf der AVN und aus vollkommen eigennützigen Gründen nahm ich meine wunderbare Frau mit. 

Die Zeiten, in denen ich auf diesen Veranstaltungen auf einen Dreier hoffte, sind lang vorbei, nein, über die Jahre habe ich gelernt, dass eine Frau im Arm zu haben automatisch jegliche widerliche Gedanken eliminiert, die Pornoleute haben, wenn sie sehen, dass sich ein alleinstehender Typ ihrem Stand nähert. Außerdem habe ich akzeptiert, dass ich allgemein nicht gut darin bin, mit Leuten zu sprechen. Wie Larry David kann ich gut angespannte und merkwürdige Situationen erschaffen, indem ich eine Reihe abstoßender Witze bringe, die nur ich lustig finde. Über die Jahre ist meine Frau recht erfahren darin geworden, uns mit ihrem angenehmen Charakter durch unangenehme Unterhaltungen zu manövrieren. Ich habe erkannt, dass es besser ist, nicht ohne sie aus dem Haus zu gehen.

Chris' Britney-liebende Frau

Um ihr für die beinahe 20 Jahre zu danken, in denen sie mich von Ärger fern hielt, wollte ich ihr einen ihrer Träume erfüllen: Sie mit dem Besuch eines Konzerts von Britney Spears überraschen. Als wir zusammenkamen war meine Frau Tanzlehrerin für kleine Mädchen und brachte ihnen Jazz, Stepptanz und HipHop bei. Ich habe zwei linke Füße, keine Ahnung von Rhythmus und kann keinen Beat halten, aber ich erinnere mich daran, wie ich über ihre Anmut staunte, als ich sie zum ersten Mal tanzen sah. Bei einer Aufführung Ende 2004 wusste ich, dass ich sie heiraten würde. Sie und ihre Tanzlehrerkollegen hatten einen Tanz zu Britney Spears' zweiter Single "Toxic" von ihrem Mehrfach-Platin-Album In the Zone, mit der sie einen Grammy gewonnen hatte, choreografiert und aufgeführt. Es war nicht weniger als pornografisch. Immer, wenn ich den Song in den letzten 13 Jahren gehört habe, musste ich an meine Frau denken, die sich auf der Bühne wie eine Stripperin räkelt und über einem Stuhl die Beine spreizt, als wäre sie bei Flashdance. Es ist mir schleierhaft, wieso sich die Eltern damals nicht beschwerten oder ihren Kindern die Augen zuhielten. Vielleicht hatten sie das aber auch getan und ich war einfach zu fixiert auf meine Frau gewesen, um es mitzubekommen.

Der Song selbst hat für uns beide eine besondere Bedeutung, da ich zu dieser Zeit abhängig von Medikamenten war und versuchte, clean zu werden. Ich tauschte ein Laster gegen das andere und wurde abhängig von meiner Frau. Wie heißt es im Text des Liedes?: "With a taste of poison paradise, I'm addicted to you / Don't you know that you're toxic?" An dem Tag, der als traurigster und glanzlosester Tag des Amtsantritts eines Präsidenten in die Geschichte der USA eingehen wird, beschloss ich, umgeben von fantastischen Brüsten und Ärschen der Pornoindustrie, all die Porno-Partys sausen zu lassen, zu denen ich eingeladen war, und stattdessen meine Sorgen im Busen von Britney Spears bei ihrer Piece of Me-Show zu ertränken. Ich dachte mir, wenn irgendwas meine Gedanken von dem grässlichen Typ mit der orangenen Haut ablenken könnte, dann wäre es meine Frau, die lasziv zu einer Liveperformance von "Toxic" tanzt.  Und verdammt nochmal, es hat funktioniert! Für die Dauer der zweistündigen Show vergaß ich das Monster im Weißen Haus komplett. Ms. Spears sah laut meiner Frau, einem langjährigen Fan, nicht nur besser aus, sondern tanzte und klang auch besser als jemals zuvor. Mittlerweile ist meine Frau Personal Trainer und nahm Britneys beeindruckende Muskeln gebührend zur Kenntnis, die auch von allen anderen außer mir von der anderen Seite der Halle zu erkennen waren. Ich habe schlechte Augen.

Britney Spears, Fotos: Denise Truscello

  Nach Las-Vegas-Standards bot die Show alles, was ein Fan sich wünschen kann. Spears spielte all ihre großen Hits, inklusive "Oops!… I Did It Again", "Crazy" und ihrem Cover von Joan Jetts "I Love Rock N Roll". Die Kostüme waren aufwendig und sexy, in einem schwebte sie als Engel zehn Meter über der Bühne. Das Bühnendesign ging zwischen den Sets nahtlos ineinander über – an einem Punkt verwandelte es sich von einer riesigen Gitarre in einen zehn Meter hohen Baum. Meine Frau genoss jede einzelne Minute, ich war jedoch wie ein ängstliches Kind, das die Tage bis Weihnachten zählt. Jeder Song von Britney brachte uns näher an "Toxic". Ich kenne nicht alles von Britney – das ist das Fachgebiet meiner Frau – aber wenn es eine Sache gibt, die ich kenne, dann die Melodie von "Toxic". Ich habe es tausende Male in meinem Kopf gehört und wenn ich Fantasien über meine Frau habe, ist es jedes Mal der Soundtrack. Beinahe zwei Stunden lang wartete ich mit angehaltenem Atem auf die wilden ersten Beats, doch sie kamen nicht. "Spielt sie das gar nicht?", fragte ich meine Frau. "Sie muss es spielen!"

Ein paar Songs später hatte ich die Hoffnung bereits aufgegeben, bis meine Frau mich anstieß: "Das ist es!" "Nein", sagte ich, "das ist zu langsam. So fängt es nicht an." Doch Britney hatte die erste Strophe und die ersten Beats langsamer gespielt und als die zweite Strophe mit vollem Tempo begann, sprang sie aus dem großen Baum auf die Bühne und mithilfe einer Kabelaufhängung über das Publikum. Ich geriet in Verzückung. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich Britney beim Tanzen zusehen sollte oder meiner Frau. Letztendlich entschied ich mich dafür, die Augen bei meiner Frau zu lassen, während ich mit meinem iPhone filmte, wie Britney zu "Toxic" tanzte, damit ich es mir später ansehen konnte. Meine Frau sagte mir, sie habe die Choreografie vergessen, die sie vor 13 Jahren zu "Toxic" kreiert hatte. Ich hatte mir jeden Schritt eingeprägt, doch glücklicherweise fiel ihr alles wieder ein und ich musste ihr die Schritte nicht zeigen. Meine Frau nach all diesen Jahren wieder so tanzen zu sehen, war das größte Geschenk, was man mir machen konnte, besonders an einem so schmerzvollen Tag. Danke, Ms. Spears.

Britney, die wohl die Angst und Verzweiflung dieses Tages im Saal spürte, beendete ihre Show bewusst mit ihrem Hit "Keep on Dancing Till the World Ends". Das Publikum brüllte, denn alle wussten ganz genau, dass unser neuer Oberbefehlshaber die Welt sehr bald zu ihrem Ende führen könnte. Ich sah, wie besorgte Eltern ihre Kinder umarmten und wie Liebende, ob hetero, homo oder trans, sich in den Armen liegend weinten – wir alle sind unsicher, was morgen passieren wird. Als sich der Vorhang schloss, hörte ich, wie ein Zuschauer "Fuck Donald Trump!" schrie. Es war, als würde er für die gesamte Halle sprechen. Na ja, außer für mich. Ich war zu sehr damit beschäftigt, den Text von "Toxic" zu singen. 

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