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Warum es unmöglich ist, die erste Nacht in einem fremden Bett gut zu schlafen

Nach einem One-Night-Stand übernachtet ihr bei eurer neuen Bekanntschaft und fühlt auch am nächsten Morgen total mies? Die Wissenschaft hat eine mögliche Erklärung dafür parat.

von Amanda Roth
24 Juni 2016, 8:00am

Andrea Ellen | Flickr | CC BY 2.0

Es ist die ewige Frage bei einem One-Night-Stand: Soll man bei der neuen Bekanntschaft übernachten oder lieber doch nicht? Entscheidet man sich dafür, wälzt man sich meist die halbe Nacht lang unruhig im Bett herum und ist am nächsten Morgen dementsprechend matschig und schlecht gelaunt. Ein Team von Schlafforschern will nun den Grund dafür herausgefunden haben. In einer neuen Studie kommen sie zu dem Ergebnis, dass eine unserer Gehirnhälften aktiv bleibt, um Wache zu halten, wenn wir das erste Mal in einem fremden Bett schlafen.

Das Phänomen ist auch als „First-Night-Effect" bekannt und wurde lange Zeit als typische Schlafstörung angesehen. Eine vollständig zufriedenstellende, wissenschaftliche Erklärung gab es für das Phänomen aber bisher nicht.

„Teilnehmer von Schlafstudien geben [häufig] an, während der ersten Nacht des Experiments schlecht geschlafen zu haben", sagte die Autorin der Studie, Masako Tamaki. „Die Schlafqualität verbessert sich normalerweise nach der ersten Nacht erheblich, da die Schlafumgebung dann nicht mehr neu ist", erklärte mir Tamaki, die an der Brown University in Rhode Island Professorin für Kognitions-, Sprach- und psychologische Wissenschaften ist.

Aus diesem Grund verwerfen Schlafwissenschaftler generell die Ergebnisse der ersten Nacht, die die Teilnehmer im Labor verbringen, und stützen ihre Auswertungen stattdessen auf die Ergebnisse ab der zweiten Nacht.

In der neuen Studie, die im April in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht wurde, liefern Tamaki und ihre Co-Autoren Ji Won Bang, Takeo Watanabe und Yuka Sasaki eine mögliche Erklärung für diese Störung. Den entscheidenden Hinweis darauf fanden sie in der Gehirnaktivität der Probanden.

Um herauszufinden, welche Mechanismen hinter dem „First-Night-Effect" stehen, wurden bei den Probanden Hirnscans durchgeführt. Somit konnten die Forscher besser erkennen, was genau sich in einem schlafenden Gehirn abspielt.

Während der ersten Nacht des Experiments konnten die Wissenschaftler etwas Unerwartetes beobachten: Eine Gehirnhälfte wies eine höhere Aktivität auf als die andere. In der Studie handelte es sich dabei stets um die linke Hälfte, die Schlafwissenschaftler sind sich aber über die Gründe dafür nicht sicher.

Der Ein-Hemisphären-Schlaf wurde bei Meerestieren (wie zum Beispiel bei Walen und Delfinen) und bei einigen Vogelarten beobachtet.

Tamaki erzählte Motherboard, dass es möglich ist, dass die linke Gehirnhälfte während des ersten Abschnitts der Nacht—welcher der Fokus der Studie war—aktiver als die rechte ist, und die rechte Hälfte später aktiver werden könnte. Um den Ablauf über die ganze Nacht hinweg genauer beurteilen zu können, bedarf es aber noch weiterer Untersuchungen. Sollten die Ergebnisse konstant bleiben, erhofft sich das Forscherteam, besser nachvollziehen zu können, warum die linke Gehirnhälfte damit beauftragt wird, wach zu bleiben.

Es ist zwar nicht das erste Mal, dass dieses Phänomen beobachtet wurde, es ist aber das erste Mal, dass es beim Menschen untersucht wurde.

„Manche Tiere scheinen einen einzigartigen Schlafzustand aufzuweisen, der in der Wissenschaft Ein-Hemisphären-Schlaf genannt wird. Dabei ist eine Gehirnhälfte aktiv, die andere hingegen befindet sich im Tiefschlaf", sagte Tamaki gegenüber Motherboard. „Es wird vermutet, dass dies mit einer erhöhten Alarmbereitschaft in Verbindung steht, um nach Raubtieren Ausschau zu halten."

Der Ein-Hemisphären-Schlaf wurde bei Meerestieren (wie zum Beispiel bei Walen und Delfinen) und bei einigen Vogelarten beobachtet. Nun scheint es, als gehe im menschlichen Gehirn etwas ganz ähnliches vor.

In einem nächsten Schritt „möchten wir herausfinden, wie wir dem Effekt entgegenwirken könnten, und prüfen, wie sich das auf andere Schlaffunktionen auswirken würde", sagte Tamaki. „Es wäre auch interessant, zu sehen, ob es einen Zusammenhang zwischen zeitweiligen und chronischen Schlafstörungen gibt." Die Ergebnisse könnten unter anderem für Gruppen wie das Militär von Nutzen sein. Soldaten werden oft an unterschiedlichen Orten eingesetzt und haben somit häufig eine neue Schlafumgebung."

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler helfen uns aber auch, einen (von vielen) Gründen dafür zu verstehen, warum wir uns am Morgen nach einem One-Night-Stand immer so beschissen fühlen.

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