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Tutorial des Schreckens: So verschickte man 1984 eine E-Mail

Ein YouTube-Clip zeigt euch, wie umständlich das Versenden einer elektronischen Nachricht vor 30 Jahren war - und wird euch die heutige Technik noch mehr lieben lassen.

von Rachel Pick
18 Oktober 2016, 10:20am

Wer kennt das nicht? Im Minutentakt flattern neue E-Mails in das überquellende Postfach, so dass man mit dem Sortieren und Lesen kaum noch nachkommt. Wahrscheinlich ist einer der Gründe für diese Nachrichtenflut, dass es heutzutage einfach viel zu einfach ist, eine E-Mails zu versenden—ein paar Klicks auf dem Smartphone und die Nachricht ist in Sekundenschnelle verschickt. Vor 30 Jahren sah die Welt der digitalen Post dagegen noch ganz anders aus. Die technischen Pioniere der 1980er Jahre mussten sich noch mächtig ins Zeug legen, um eine elektronische Nachricht auf den Weg zu bringen.

Dank des obigen YouTube-Clips können wir nun Zeuge eines echten Juwels der TV- und EDV-Geschichte werden. Der Mitschnitt zeigt, wie kompliziert das Versenden einer E-Mail im Jahr 1984 mit dem damaligen PRESTEL-System war.

Der Clip lief zum ersten Mal auf dem britischen Sender Thames TV in der Sendung Database. Die Sendung richtete sich an die Computer-Geeks und Technik-Enthusiasten der frühen Jahre und wirkt auch noch aus heutiger Sicht absolut revolutionär und uneingeschränkt sehenswert. Laut IMDB übertrug die TV-Show am Ende jeder Sendung Software-Codes, die vom Zuschauer aufgenommen werden konnte. Das kann man auch am Ende des YouTube Videos hören, auch wenn man sich das fürchterliche Fiepen auf den hauseigenen Laptop-Lautsprechern lieber ersparen sollte.

In dem Ausschnitt demonstriert der stolze Microcomputer-Nutzer Julian Green, wie man sich mit einem Wählscheibentelefon in das PRESTEL-System (Kofferwort für „press telephone") einwählt, um eine Verbindung herzustellen. Dafür geht er über den Informationsservice Micronet 800, der charmanterweise eine sogenannte „letters page" bereitstellt. Auf dieser vorzeitlichen Version einer Pinnwand können Prestel-Nutzer anderen Nutzern und dem Anbieter öffentliche Nachrichten hinterlassen.

Julian und seine Frau Pat erklären der Moderatorin, dass ihnen der Microcomputer nicht alleine gehört, sie teilen ihn mit anderen Personen. Aus heutiger Sicht mag das merkwürdig klingen—man muss jedoch bedenken, dass es sehr kostspielig war, zu den ersten Computer-Besitzern der Welt zu gehören. Eine Seite in der PRESTEL-Datenbank kostete den Nutzer umgerechnet rund 18.000 Euro im Jahr.

Der YouTube-Clip präsentiert die schrittweise Anleitung für etwas an, das uns heute so selbstverständlich erscheint: das Versenden einer E-Mail. Achtet vor allem auf den Moment, wenn Julian sich einloggt—wir könnten es hier mit einem historischen Frühfall des fatalen „1234" Passworts in der Geschichte des Personal Computers zu tun haben. Weitere äußerst nützliche Technik-Tipps bietet auch der zweite Teil der E-Mail Tutorial-Reihe anno 1984: Tipps, mit denn man als Business-Mann von Welt auch auf Überseereisen E-Mails versenden kann.

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