"Können sie bitte aufhören, ihn anzugreifen" – Wiener Polizei schmeißt Rapper aus Park

Eigentlich wollte die Gruppe um Rapper T-Ser nur ein Label-Meeting im Park bei schönem Wetter abhalten. Damit hatte die Polizei offenbar ein Problem.

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15 Oktober 2018, 11:14am

Foto: Screenshot Instragram @t_ser_official

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der Wiener Redaktion.

Der Rapper T-Ser wurde gestern Nachmittag von der Polizei aus einem Park in Wien geschmissen. Nach dem Vorfall veröffentlichte der Österreicher unter dem Hashtag #nichtmituns zwei Videos auf seinem Instagram-Kanal, auf denen zu sehen ist, wie er und seine Kollegen von mehreren Polizeibeamten aus einem Park in Wien Neubau geführt werden.

Das Video zeigt keine unmittelbare Straftat. Die Instagram-Story von T-Ser dokumentiert zunächst lediglich ein Label-Meeting im Park. Die Beamten führten die Gruppe um T-Ser trotzdem aus dem Josef-Strauss-Park im siebten Wiener Gemeindebezirk, um eine Personenkontrolle durchzuführen. Auf dem Video ist außerdem zu sehen, wie ein Beamter den Salzburger Rapper an der Jacke festhält und ihn auffordert, ruhig zu sein, obwohl dieser (wie die ganze Gruppe) sich augenscheinlich nicht aggressiv verhält.

Auf Anfrage von Noisey teilte uns die Polizeidienststelle Wien mit, dass am Sonntag Nachmittag verschiedene Schwerpunktkontrollen durchgeführt wurden. Die Personenkontrolle im Park sei angeordnet worden, da die Gruppe wegen "lautem Verhalten" aufgefallen sei. Deshalb seien T-Ser und seine Freunde des Parks verwiesen worden. Die Videos auf Instagram seien laut Pressesprecherin Irina Steirer "Momentaufnahmen" und würden "nicht die ganze Wahrheit" darstellen. Die Polizei sprach drei Anzeigen wegen aggressivem Verhalten, Lärmbeschwerde und Anstandsverletzung aus.

Für T-Ser, der in seinen Tracks oft die eigene Identität und Wiens schwarze Community thematisiert, ist dieser Vorfall keine Ausnahme. Auch spricht er in seinen Texten über den alltäglichen Rassismus, der ihm als Schwarzen in Wien häufig widerfährt.

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UPDATE: Laut Polizeipressesprecherin Steirer sei die Amtshandlung mit Sprüchen wie "Fickt euch" kommentiert worden. Das entspreche nicht der Wahrheit, sagt T-Ser in einem Telefongespräch mit Noisey. Die Polizei sei nach Aufnahme der Personalien bei der Gruppe stehen geblieben. Zusätzlich seien nach einigen Minuten mehrere Streifenwagen aufgetaucht. Die Polizeibeamten hätten die Situation bewusst eskalieren lassen, fasst T-Ser den Vorfall zusammen.

Mit dem Hashtag #nichtmituns möchte der Rapper jetzt ein Bewusstsein dafür schaffen, wie strukturell dieser Rassismus in unserer Gesellschaft verankert ist. Die Öffentlichkeit solle mitbekommen, dass "Kontrollen für people of color immer und immer wieder vorkommen". Auf Instagram wurden die Videos inzwischen über 240.000 Mal aufgerufen.

Weitere Updates zum Thema folgen.

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