Gesundheit

Darum kannst du dich nicht selbst kitzeln

Neue Forschung erklärt, warum die eigene Hand langweiliger ist als eine fremde, warum manche Menschen Superkot haben könnten und wie Cannabissucht und konservative Gesetze zusammenhängen.

von Shayla Love
29 Januar 2019, 10:27am

In loser Reihenfolge fassen wir für dich die wichtigsten und wildesten neuen Studienergebnisse der weltweiten Forschung zusammen.

Manche Berührungen sind wichtiger als andere

Wie du spätestens nach dem ersten Mal Händchenhalten in der sechsten Klasse weißt, fühlen sich Berührungen extrem unterschiedlich an, je nachdem, wer dich gerade anfasst. Am wenigsten empfinden wir, wenn wir uns selbst berühren. Bestes Beispiel: Du kannst noch so kitzelig sein, dich selbst (ohne Hilfsmittel) zu kitzeln, geht einfach nicht. Auch sich selbst zu massieren, funktioniert eher schlecht.

"Das liegt nicht nur daran, dass du nichts machen musst und entspannen kannst, wenn jemand anderes dich massiert", sagt Rebecca Böhme, Neurowissenschaftlerin an der Universität Linköping in Schweden. Mit anderen Forschenden hat sie vor Kurzem den Kontrast zwischen eigenen und fremden Berührungen untersucht. Und deswegen weiß sie nun auch, warum du dich nicht selbst mit Berührungen zum Lachen bringen kannst.

In der Studie beobachtete Böhmes Team mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie, wie Menschen reagieren, wenn jemand anderes sie am Arm berührt und wenn sie sich selbst dort anfassen. "Viele Hirnregionen verringerten ihre Aktivität bei der Selbstberührung", erklärt Böhme.

Berührten andere die Testpersonen, wurden etwa Hirnareale, die für den Tastsinn zuständig sind, aktiver. Außerdem regten diese Berührungen Hirnregionen an, die auch für soziale Kontakte und Belohnung zuständig sind. So wird die fremde Hand auf dem Arm zum intensiveren Erlebnis.

Berührung ist eine Form von Kommunikation. Wenn wir andere anfassen, können wir damit auf uns aufmerksam machen, die andere Person trösten oder ihr unsere Liebe mitteilen. Genau deshalb seien Fremd-Berührungen für das menschliche Hirn so wichtig, sagt Böhme. Wenn wir uns selbst berühren, handle es sich dagegen oft um eine nervöse Angewohnheit oder schlicht um eine Notwendigkeit, weil du dich ja auch mal waschen musst. "Das Gefühl auf der Haut kann faktisch genau gleich sein, aber das Gehirn unterscheidet, ob es eine wichtige Berührung ist, oder ob es die Eindrücke ignorieren kann."

Studien zeigen, dass Menschen mit Schizophrenie sich mit größerer Wahrscheinlichkeit selbst kitzeln können. Es könnte sein, dass ihr Hirn die Sinne bei einer Selbstberührung weniger stark dämpft. "Womöglich hängt das damit zusammen, dass diese Menschen ohnehin manche Empfindungen aus ihrem eigenen Inneren als fremd wahrnehmen", sagt Böhme.


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Haben manche Menschen Superkot?

Ein Stück Sushi von gestern: Mehr braucht es manchmal gar nicht, um sich die Mutter aller Durchfälle zuzuziehen. Wenn es dich wirklich übel erwischt hat, heißt das Bakterium, das gerade deinen Darm zerstört, womöglich Clostridium difficile, auch C. diff genannt. In diesem Fall rät dir dein Arzt oder deine Ärztin vielleicht zu einer Stuhltransplantation. Yep, das bedeutet, dass dir die Kacke von jemand anderem verabreicht wird.

Bei einer Fäkaltherapie wird der Stuhl einer gesunden Person mit Kochsalzlösung vermischt, grob gefiltert und einer kranken Person gegeben, per Einlauf oder als Kapsel. Mit den zusätzlichen Bakterien, die der eigenen Darmflora abhanden gekommen sind, soll sich die kranke Person erholen. Doch nun zeigt eine aktuelle Forschung: Gesunder Kot ist nicht gleich gesunder Kot. Manche Menschen sondern wertvolleren Stuhl ab als andere.

Womöglich hilft eine Stuhltransplantation nicht nur bei Durchfall aufgrund von C. diff. Viele Gesundheitsprobleme sollen mit einer gestörten Darmflora zusammenhängen, vom Reizdarmsyndrom über krankhaftes Übergewicht und Diabetes bis hin zu bipolaren Störungen oder Angstzuständen. Könnte transplantierter Kot auch hier helfen?

In einer neuen Arbeit in der Fachzeitschrift Frontiers in Cellular and Infection Microbiology schreiben Forschende, Stuhltransplantate seien im Schnitt nur mittelmäßig wirksam. Patientinnen und Patienten reagieren sehr unterschiedlich. Der Grund: Die Qualität des Spenderkots beeinflusst erheblich den Erfolg. "Dies führt zu der Annahme, dass es Superspender geben könnte", heißt es in der Arbeit.

Noch sei die Existenz eines Kot-Superspenders aber eine Hypothese, sagt Brooke Wilson, die Hauptautorin, die in Gesundheitswissenschaften an der neuseeländischen University of Auckland promoviert. "Nur eine Handvoll Studien weist darauf hin."

Bei Stuhltransplantaten von diesen möglichen Superspendern sei die Erfolgsrate etwa doppelt so hoch wie beim übrigen Durchschnitt, schreibt Koautor Justin O'Sullivan in einer Pressemitteilung. "Wir hoffen, zu erforschen, wie das funktioniert, sodass wir Stuhltransplantate erfolgreicher machen können." Außerdem wollen die Forschenden diese Therapieform bei anderen Krankheiten testen, die mit dem Mikrobiom, also der Mikroorganismen im Körper, zusammenhängen: Alzheimer, Multiple Sklerose und Asthma.

Was macht Superkot aus? Möglicherweise enthält er eine größere Bandbreite an Bakterien, aber auch eine höhere Konzentration einiger Bakterien, die wichtig für die Gesundheit sind. Vielleicht ist der Superkot auch nur so super, weil er genau die richtige Bakterienmischung enthält.

Wenn die Sache mit dem Superkot stimmt, unterscheidet sich der richtige Wunderstuhl aber wahrscheinlich je nach Krankheit. "Jede Person hat einen einzigartigen Kot", sagt Wilson. "Superspender zu erforschen, ist ein logischer nächster Schritt."

Werden Menschen in konservativen Gegenden schneller süchtig?

In einigen US-Staaten ist Cannabis zu medizinischen Zwecken inzwischen legal. Forschende beobachten jetzt, wie sich das legale Kiffen auf die Menschen auswirkt. Doch offenbar, beeinflusst nicht nur die Cannabis-Gesetzgebung wie oft sich Leute einen Joint anziehen, das berichtet eine neue Studie im International Journal of Drug Policy. Selbst örtliche Gesetze, die nichts mit Gras zu tun haben, wirken sich womöglich auf den Graskonsum aus.

Die Forschenden nutzten einen "Liberalismus-Index", mit dem sie einstufen, wie konservativ oder liberal die Gesetze der jeweiligen Bundesstaaten sind. Demokratisch und republikanisch regierte Gegenden unterscheiden sich oft bei Waffengesetzen, dem Recht auf Abtreibung, Steuern oder Gewerkschaften.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Teenager und junge Erwachsene in liberaleren Staaten angeben, mehr Cannabis zu konsumieren, als Menschen gleichen Alters in konservativen Staaten. Allerdings waren in diesen überwiegend liberalen Gegenden deutlich weniger 12- bis 17-Jährige tatsächlich süchtig nach Cannabis. Auch bei den über 26-Jährigen sind in konservativen Staaten geringfügig mehr Menschen abhängig von Gras. Als süchtig gelten Menschen, wenn sie starkes Verlangen nach Gras haben, der Konsum sich negativ auf den Alltag auswirkt und sie es nicht schaffen, damit aufzuhören.

Hauptautor Morgan Philbin ist Sozial- und Verhaltensforscher an der Columbia University in New York. "Ein Gesetz zu medizinischem Cannabis in Hawaii fällt in einen ganz anderen Kontext als beispielsweise in Arizona", sagt er. Zwar lässt die Studie nicht eindeutig darauf schließen, dass Menschen in liberalen Staaten weniger suchtgefährdet sind. Trotzdem sollten auch andere Gesetze als nur diese über eine Freigabe von Cannabis in Zukunft stärker in die Suchtforschung einfließen, sagt Philbin.

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