Kultur

Hauptsache schön: im Gespräch mit den Macherinnen von ‚C-Heads‘

Zur Überraschung all jener, die ,C-Heads' aufgrund der berühmt berüchtigten Fotostrecken für ein Magazin halten, das von Männern gemacht wird, stecken zwei Schwestern hinter dem erfolgreichen, aber auch oftmals kritisierten Medium. Wir haben mit ihnen...

von Verena Bogner
29 September 2016, 6:55am

Foto der C-Heads Ausgabe 33 | Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Sigrun und Christine

„Made by Women": Dieser Satz steht in der Selbstbeschreibung des Magazins C-Heads, das vor allem für seine Fotostrecken von objektiv schönen, dem Mainstream entsprechenden Frauen bekannt ist und auf Facebook über 900.000 Fans zählt. Denn tatsächlich wird das international renommierte, englischsprachige Magazin, das sich mit Lifestyle-Themen wie Mode, Musik, Sex, Kunst und Kultur beschäftigt, zur Überraschung vieler von zwei in Wien und Berlin lebenden Schwestern herausgegeben—Sigrun und Christine.

Schon seit zehn Jahren stecken die beiden viel und vor allem harte Arbeit in ihr Magazin—und müssen neben großem Erfolg auch immer wieder Kritik für die Art und Weise einstecken, wie sie Frauen in ihrem Magazin darstellen: In an Instagram-Filter erinnerndes Licht gehüllt, leicht bekleidet, schlank und bildhübsch. Natürlich kann man diese Art und Weise, ein großes Lifestyle-Magazin zu führen, kritisieren. Die beiden sehen sich jedoch nicht als Medienmacherinnen mit politischer Agenda, sondern im Auftrag der Ästhetik. Wir haben mit den beiden Gründerinnen über genau diese schwierige Frage, ihre Anfänge und Ansprüche gesprochen—und wie es ist, hinter einem Magazin zu stecken, von dem viele denken, es würde von Männern gemacht.

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Broadly: Wie seid ihr überhaupt darauf gekommen, das Magazin zu gründen?
Sigrun und Christine: Wir haben damals ohne viel zu überlegen einfach losgelegt und wollten in unserer Freizeit etwas Kreatives machen. So hat eines das andere ergeben und 2006 ist unsere erste Online-Ausgabe erschienen. Schon als Kinder haben wir gemeinsam Zeitschriften gebastelt, die wir für ein paar Schillinge an Nachbarn verkauft haben. Vielleicht war das ja schon so etwas wie der erste Grundstein für C-Heads.

Foto aus der Summer Lovers and Strangers Issue des C-Heads Magazine

Hättet ihr jemals geahnt, dass das alles so groß wird?
Nein, wir haben das Ganze wie gesagt eher spontan angefangen und die kommenden Jahre einfach immer weitergemacht—ohne wirklich immer genau zu wissen, wohin das führen soll. Irgendwann haben wir aber auch erkannt, dass man auf alle Fälle Ziele und Fokus braucht, aber man am besten arbeitet, wenn man alles „step by step" macht. Es ist dann also praktisch über die Jahre einfach mit uns gewachsen.

Welche Themen sind euch in eurem Magazin besonders wichtig?
Ursprünglich ging es bei C-Heads nur darum, visuell schöne Dinge zu zeigen, gute Strecken, gute Soundtracks, und eine Plattform für Künstler zu bieten. Wir haben nicht an spezifische Themen gedacht, die wir damit verkörpern wollen, außer dass die Seite Spaß machen soll und bei den Lesern ein gutes Gefühl hervorrufen soll und inspirieren kann. Im Laufe der Jahre haben sich dann aber schon gewisse Themen herauskristallisiert, die C-Heads vielleicht ausmachen: Dinge wie die natürliche Schönheit des Körpers, die nicht viel Photoshop benötigt. Oder eben auch diese Vermittlung eines Freiheitsgefühls, das sich in Texten und Bildern widerspiegelt. Freiheit ist ja in jeder Hinsicht ein essentielles Thema in vielen Bereichen des menschlichen Lebens. Aber am Wichtigsten ist uns nach wie vor, dass die Leute, wenn sie C-Heads anschauen, ein gutes Gefühl haben, vielleicht einen Ort finden, an dem sie kurz träumen können. Und es geht auch darum, einen Eindruck der momentanen Jugendkultur zu vermitteln—in Bezug auf Fotografie, Musik und Mode.

Foto aus der Summer Lovers and Strangers Issue des C-Heads Magazine

Was sagt ihr zum Kritikpunkt, dass ihr nur schöne, schlanke Frauen darstellt und ein eher weniger diverses und realistisches Frauenbild promotet?
Sigrun: Wir finden nicht, dass unser Frauenbild nicht realistisch ist. Wir präsentieren ja reale Frauen auf Bildern, die möglichst ohne oder mit wenig Nachbearbeitung entstehen. Letztens bin ich zum Beispiel bei einem Werbeplakat vorbeigegangen. Darauf war eine schöne Frau, die Dessous präsentiert hat und jemand hatte drüber geschmiert: „Unrealistisches Frauenbild und devot. Scheiße." Ich finde diese Einstellung ziemlich unreif—und in diesem Fall auch sehr beleidigend. Jeder hat doch am Ende ein eigenes Frauenbild und ein Bild davon, was er schön findet und das ist auch gut so. Es geht am Ende ja auch um Toleranz und Respekt. Und die verdient klarerweise auch eine Frau, die schlank und schön ist. Und es gibt ja auch verschiedene Magazine für verschiedene Geschmäcker—und jedes hat eben auch seine eigene Themen, seinen eigenen Vibe und Stil. Außerdem bringen wir auch immer wieder Postings, die komplett unbearbeitete Bilder von unterschiedlichen Frauen zeigen oder sich mit dem Thema „Body Positivity" auseinandersetzen.

Christine: Wir sehen uns—offensichtlich—nicht als politisches Magazin, sondern als künstlerisches Projekt mit der Freiheit eines Künstlers. Ein Fotograf, der mit Hingabe ein Kunstwerk durch seine Kamera kreiert, unabhängig von Meinungen, politischer Korrektheit, Zensur oder einer vorgegebenen Ideologie. Ideologien kommen und gehen und doch kann man Schönheit nicht einfach relativieren, auch wenn natürlich jede Dekade ihre eigenen Schönheitsideale definiert. Natürlich stellen wir uns auch die Frage, warum wir wieder einmal in einer Zeit leben, in der alle Lebensbereiche und Lebensphasen immer stärker ideologisch durchtränkt werden, jeder noch so kleine Bereich wird einer ideologischen Prüfung unterzogen und gemäß dem aktuellen Zeitgeist reglementiert und quotiert. Es ist wichtig, dass man solche Dinge hinterfragt und wie man weiß, haben sich Ideologien historisch gesehen in dem meisten Fällen als falsch herausgestellt. Und ich schließe mich der Antwort von Sigrun an, unsere Frauen sind genauso realistisch wie alle anderen Frauen auch.

Foto aus der Summer Lovers and Strangers Issue des C-Heads Magazine

Warum bringt ihr eigentlich so wenige Fotos von Männern?
Eigentlich würden wir gerne mehr Männer zeigen. Aber da wir ja grundsätzlich immer unseren Geschmack entscheiden lassen, ist das irgendwie schwierig. Man könnte also sagen, dass wir echt wählerisch sind.

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Strecken aus, die bei euch erscheinen?
Nach Intuition und persönlichen Geschmack, was sich meist in Sekundenschnelle entscheidet.

Viele Leute wissen nicht, dass C-Heads eigentlich aus Wien/Berlin stammt und glauben, dass es ein amerikanisches oder englisches Projekt ist. Seht ihr das als Kompliment?
Oh ja, das ist schon ein Kompliment für uns. Es haben ja auch echt schon Leute angerufen, um uns einfach nur zu sagen, dass sie es nicht glauben konnten, eine österreichische Nummer im Impressum zu finden. Wunderbar.

Kazim Gunyar für C-Heads

Im Interview mit The Gap erzählt ihr, dass Richard Kern ganz überrascht war, dass C-Heads von Frauen gemacht wird. Ist euch sowas schon öfter passiert? Sind Menschen oft überrascht, wenn sie die Macherinnen hinter C-Heads kennenlernen?
Ja, es gab schon öfter mal so ähnliche Aussagen. Vielleicht denken einige Menschen, dass Frauen, die eher wenig bekleidet sind, sich nur für Männer so in Szene setzen und deswegen kann hinter C-Heads auch nur eine Art Männerphantasie stecken. Aber so genau wissen wir das selber nicht. Beim nächsten Mal, wenn diese Überraschung wieder auftaucht, fragen wir genauer nach.

James Beddoes für C-Heads

„We used to be Strangers" von Michael Jacques für C-Heads

Foto aus der Summer Lovers and Strangers Issue des C-Heads Magazine

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