Anzeige
Gesundheit

Wie man sich wirklich vor Scheidenpilz schützen kann

Drei von vier Frauen sind mindestens einmal im Leben von Vaginalpilz betroffen. Grund genug, um Klarheit über die Krankheit, ihre Ursachen, Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen.

von Verena Bogner
07 September 2016, 7:47am

Symbolfoto: unsplash.com | CC0

Als Vaginalpilz bezeichnet man eine Pilzinfektion, die dann auftritt, wenn das Immunsystem der Scheide oder des gesamten Organismus gestört ist. Um den Vaginalpilz kreisen zahlreiche Mythen, zum Beispiel hat sich die Annahme, dass ein Besuch im Freibad oder der Kontakt mit einer dreckigen Klobrille Pilz auslösen können, mittlerweile in vielen Köpfen festgesetzt.

Auch zur Behandlung gibt es viele Unklarheiten: Macht es wirklich Sinn, Scheidenpilz mit Naturjoghurt zu behandeln oder ohne ärztliche Untersuchung sofort in die Apotheke zu rennen, um sich Zäpfchen zu besorgen? Der Wiener Frauenarzt Dr. Gill bezeichnet Vaginalpilz als eines der „Hauptprobleme der Frauen, zumindest von den weniger schlimmen" und erzählt im Gespräch mit Broadly, dass viele seiner Patientinnen darunter leiden—nach seiner Schätzung jede Fünfte. Wir haben ihn in seiner Praxis besucht, um endlich Klarheit zu einem Thema zu schaffen, von dem drei von vier Frauen mindestens einmal im Leben betroffen sind.

Mehr lesen: „Meine Patientinnen wissen nichts über ihren Körper"—ein Frauenarzt im Gespräch

Broadly: Was sind die möglichen Ursachen von Scheidenpilz?
Dr. Gill: Die Ursachen sind meist nicht die, die viele Frauen zu kennen glauben oder die ihnen übermittelt werden. Man hört ja immer wieder von Frauen, dass sie sich auf eine dreckige Klobrille gesetzt haben oder in einem Schwimmbad waren und danach einen Pilz hatten, aber das ist völliger Blödsinn. Ein Pilz schwimmt weder in einem chlorierten Schwimmbad herum und setzt sich in der Scheide einer Frau fest, noch hüpft der von der Klobrille in die Scheide hinein. Diese Infektionen sind so gut wie immer Eigeninfektionen. Natürlich kann man Pilz auch durch Geschlechtsverkehr übertragen, aber das ist bei den wenigsten der Fall.

Hauptursache der Pilzinfektion ist ein geschwächtes Immunsystem. Im Darm werden die Zellen produziert, die für die Abwehr in der Scheide zuständig sind und einen Pilz erkennen. Wenn dann zum Beispiel der Darm nicht in Ordnung ist, erkennen diese Zellen den Pilz nicht mehr. Pilz tritt also häufig bei schweren Erkrankungen, bei Grippe und Fieber auf. Auch Pillenanwenderinnen können vermehrt an Pilz leiden, weil die Scheide durch das künstliche Hormonniveau auch nicht mehr so widerstandsfähig ist. Auch bei einer Antibiotikatherapie kann es vermehrt zu Infektionen kommen, da Antibiotika die Darmschleimhaut angreifen und das Darmmilieu verändern. Es gibt Antibiotika, von denen man weiß, dass sieben von zehn Frauen bei Einnahme einen Pilz bekommen. Auch Frauen, die unter Stress stehen, bekommen öfter Scheidenpilz.

Welche Symptome treten bei einer Infektion auf?
Wenn man eine richtige Pilzinfektion hat, merkt man das in der Regel am Jucken, Brennen und am klumpigen Ausfluss, diesen weißen Bröseln—und natürlich an der Rötung.

Nicht alles, was juckt und brennt, ist eine Pilzinfektion.

Wie kann man Scheidenpilz behandeln?
Viele Frauen holen sich bei jedem Mal, wenn sie glauben, dass sie einen Pilz haben und es ein bisschen juckt, diese Drei-Tages-Kur von Canesten aus der Apotheke. Manche Frauen applizieren sich das sogar so oft, dass das Medikament irgendwann nicht mehr wirkt und die Scheide schon so gereizt ist, dass vielleicht auch gar kein Pilz die Ursache für das Jucken und Brennen ist, sondern eben die Reizung durch die Medikamente. Das ist einfach kontraproduktiv. Wenn man glaubt, dass man einen Pilz hat, sollte man im Idealfall zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen. Denn nicht alles, was juckt und brennt, ist eine Pilzinfektion.

Wenn sich dann herausstellt, dass es sich um eine akute Pilzinfektion handelt, muss man die klarerweise behandeln und dafür gibt es verschiedene Methoden: Zäpfchen und Kapseln zum Einführen, Cremes zur äußeren Anwendung. Frauen, die schon recht oft einen Pilz hatten, gibt man im Rahmen einer längeren Therapie auch Medikamente zum Schlucken und versucht so, die Scheide mit diversen Präparaten wieder aufzubauen und die Abwehr zu steigern. Wir haben auch sehr gute Erfahrungen mit Milchsäurepräparaten, weil damit der pH-Wert der Scheide wieder in den richtigen Bereich gebracht und die Abwehrkraft gestärkt wird. Generell gilt: Lieber einmal umsonst zum Arzt gehen und schauen, ob es wirklich ein Pilz ist, anstatt sofort die Selbstbehandlung zu beginnen.

Stimmt es, dass das Risiko einer Infektion für Frauen nach dem Sex höher ist?
Infektionen, die man nach dem Sex bemerkt, sind in den meisten Fällen nicht auf eine Übertragung beim Geschlechtsverkehr zurückzuführen. Da wird es so sein, dass die Frau schon vorher einen Pilz hatte und es nicht wirklich gemerkt hat, und erst durch die Reibung und Beanspruchung alles zu brennen begonnen hat.

Foto: tauben | flickr | CC BY 2.0

Kann eine Pilzinfektion auch langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben?
Pilzinfektionen in der Schwangerschaft sind natürlich nicht wünschenswert. Ansonsten hat eine Pilzinfektion keine schlimmeren Auswirkungen, außer dass sie unangenehm und schmerzhaft ist.

Kann man eine Infektion vorbeugen?
Wenn ich schon weiß, dass ich oftmals nach dem Schwimmen einen Pilz bekomme, dann kann es sein, dass ich zum Beispiel auf das Chlorwasser allergisch bin, dass das eben meine Scheide reizt, dadurch ein Entzündungsprozess in Gang gesetzt wird und durch diesen Prozess die Immunsituation in der Scheide verschlechtert wird. Dann kann man sich zum Beispiel sogenannte Vaseline-Tampons einführen, bevor man ins Wasser geht. Dann kommt kein Wasser in die Scheide.

Mehr lesen: HPV – die „Volksseuche", über die kaum jemand spricht

Gibt es Hausmittel, die wirklich Abhilfe schaffen?
Davon, Joghurt zu verwenden, rate ich ab. Das ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht sehr empfehlenswert. Was ganz gut ist, sind Essigwasserspülungen: Zwei Esslöffel Apfelessig auf einen Liter lauwarmes Wasser und dann gründlich mit einer Intimdusche spülen. Das lindert den Juckreiz und zerstört die Pilzsporen. Manche sprechen auch ganz gut auf in Teebaumöl getränkte Tampons an.

Stimmt es, dass falsche Intimhygiene zu einer Infektion führen kann?
Den Intimbereich sollte man sich in jedem Fall mit pH-neutralen Intimpflegemitteln waschen und nicht mit irgendeinem parfümierten Duschgel, weil es dann eben zu Entzündungsreaktionen kommen kann, die zu einer Pilzinfektion führen können. Normales Duschgel sollte man also eher nicht verwenden, sondern zum Beispiel eines mit Milchsäure. Hauptsache ist, es ist pH-neutral. Sich nur mit Wasser zu waschen, recht auf die Dauer nicht aus. Man braucht schon auch fettlösliche Substanzen, um den Intimbereich sauber zu halten.


Titelfoto: unsplash.com | CC0

Tagged:
Broadly
Interview
Frauenarzt
gesellschaft
arzt
vagina
Pilz
Gynäkologe
Scheidenpilz