Drag-Künstler vor und nach ihrem Styling
All photos by Aaron Walker
Draq Queens

Die faszinierende Verwandlung von Drag-Künstlern – in Fotos

Aaron Walker stellt die Vielfalt der australischen Drag-Community in klassischen Vorher-Nachher-Fotos dar und demonstriert damit, wie viel künstlerisches Können hinter der Verwandlung steckt. Uns hat er erklärt, was hinter dem Fotoprojekt steckt.
6.2.17

Jeder liebt Vorher-Nachher-Vergleiche – da ist auch die Drag-Community keine Ausnahme.

Dragformation ist ein laufendes Projekts des australischen Fotografen Aaron Walker, der die Verwandlung der vielfältigen australischen Drag-Community in all seiner bunten Pracht darstellt. Wir haben ihn getroffen, um herauszufinden, welche Botschaft hinter seiner ebenso großen wie einzigartigen fotografischen Sammlung steckt.

Anzeige

Broadly: Was fasziniert dich daran, Menschen in ihren Drag-Outfits zu fotografieren?
Aaron Walker:Am meisten fasziniert mich die Verwandlung – wie sie am Ende aussehen, ist eher zweitrangig. Es ist die Zeit und die Liebe zum Detail, ihr Weg von der Straße in die Garderobe und auf die Bühne. Haare und Make-up sind ein dreistündiger Prozess.

Mehr lesen: Das notorischste Drag-Clown-Duo Londons

Bei deiner Arbeit geht es ganz klar darum, Drag als Kunstform darzustellen. Wie ist es, sich die Entstehung eines Kunstwerks in Echtzeit anzusehen?
Das ist wirklich interessant. Die meisten Drag-Künstler, die vor mir sitzen, finden die Vorher-Aufnahme etwas seltsam. Sie empfinden diesen Moment meist als eher unangenehm. Doch sobald sie in ihre Rolle geschlüpft sind, sind sie sehr selbstbewusst und wissen genau, was sie vor der Kamera tun.

Ich kann mir vorstellen, dass die äußerliche Verwandlung auch eine innere widerspiegelt.
Das wurde mir bewusst, je mehr Künstler ich fotografiert habe. Ohne Make-up und die ganzen anderen Vorbereitungen – die Verwandlung in eine Kunstfigur – sind sie etwas zurückhaltender und befangener. Das hätte ich überhaupt nicht erwartet.

Man kann an den Farben und der Vielfalt deiner Aufnahmen sehen, dass sie tolle Motive sind, mit denen man gut arbeiten kann.
Das sind sie! Sie gehen unglaublich hilfsbereit miteinander um. Außerdem haben sie einen messerscharfen Humor und reißen ständig Witze. Das hat auch die Verwandlung selbst ziemlich unterhaltsam gemacht. Es war mir wirklich eine Ehre, unter Menschen zu sein, die so großherzig und humorvoll sind.

Du hast deine Fotografien vor Kurzem beim Midsumma Festival in Melbourne ausgestellt. Wie waren die Reaktionen?
Was mich am meisten überrascht hat, war, wie vielfältig das Publikum bei der Eröffnung war. Egal ob homosexuell, heterosexuell oder bi und ob sie nun Teil der Szene waren oder nicht – es war einfach schön, all die verschiedenen Menschen zu sehen, die sich für meine Arbeit interessiert haben.

Mehr lesen: Wenn Fotografie auf Comics trifft, entstehen schrille, skurrile Superheld_innen

Du hast gesagt, dass dieses Projekt noch immer läuft und dass noch nicht feststeht, wann es beendet sein wird – warum?
Ich habe das Gefühl, dass ich die Vielfalt der Drag-Künstler noch nicht ganz eingefangen habe. In meiner gesamten Sammlung gibt es beispielsweise nur zwei Dragkings, drei farbige und keinen einzigen transsexuellen Menschen. Ich würde mir wünschen, dass sich jeder aus der Community in meinen Fotografien wiederfindet. Aber so weit bin ich momentan noch nicht.

Was steht als nächstes an bei #Dragformation?
Ich würde gerne ein Buch machen. Einen schönen, großen Bildband über Drag-Künstler. Das ist mein Ziel.

Anzeige

Welche Botschaft möchtest du den Menschen mit deiner Arbeit mitgeben – egal ob sie die Fotos nun in einem Bildband, beim Midumma Festival oder online sehen?
Ich finde, dass Drag-Künstler nicht übersehen werden dürfen. Das Ganze erfordert sehr viel mehr Können, als den Leuten bewusst ist. Ich glaube, Drag-Künstler sollten auf jeden Fall als talentierte und sehr fähige Künstler angesehen werden – genau wie die Performance-Künstler, die man häufiger im Mainstream zu sehen bekommt.