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Was du tun kannst, wenn du Schmerzen beim Sex hast

Brennen, Trockenheit oder Krämpfe? Drei Expertinnen erklären, wie man am besten damit umgeht, wenn Intimität plötzlich nur noch unangenehm ist.

von Kate Lloyd
18 Dezember 2018, 9:31am

Foto: StockSnap | Pixabay | Public Domain

Sex soll Spaß machen, nicht unangenehm sein. Deswegen fühlen sich Frauen, die beim Geschlechtsverkehr plötzlich Schmerzen haben, oft allein. Aber sei dir gewiss, du bist nicht die Einzige, der es so geht. Im Rahmen einer Studie fanden britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 2017 heraus, dass fast eine von zehn Frauen unter Dyspareunie leidet – also beim Sex Schmerzen hat.

"Viele Frauen sind schon fast zu einem wenig befriedigenden Sexleben verdammt. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr gehören für sie quasi schon dazu", sagt Remziye Kunelaki, die leitende psychosexuelle Therapeutin bei 56 Dean Street, einer Londoner Klinik für sexuelle Gesundheit. "Der größte Fehler, den diese Frauen machen können, ist, sich still mit den Schmerzen abzufinden."

Kunelaki ist eine von drei Expertinnen, die wir darum gebeten haben, einige der geläufigsten unangenehmen Gefühle zu erklären, die Frauen beim Sex verspüren können. Bei den anderen beiden handelt es sich um Janice Rymer, Professorin für Gynäkologie am Royal College of Obstetricians and Gynecologists, und Leila Frodsham, die Leiterin einer Klinik für psychosexuelle Störungen und Sprecherin für das Institute of Psychosexual Medicine. Ein Tipp, der generell immer gilt: Wenn du von deiner Ärztin oder deinem Arzt nicht die nötige Unterstützung erfährst, dann such dir jemand anderen, die oder der dich und deine Probleme ernstnimmt. Es gibt nämlich für fast jede Art von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr eine Lösung – auch wenn diese manchmal etwas Zeit braucht.


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Es brennt beim penetrativen Sex

In diesem Fall solltest du als erstes eine Infektion in Betracht ziehen. Geschlechtskrankheiten wie Genitalherpes, Tripper oder Chlamydien können während des Sex und auch danach für ein brennendes Gefühl sorgen. "Bei Geschlechtskrankheiten gibt es keinen großen Grund zur Sorge, so lange man sich schnell behandeln lässt", sagt Kunelaki. Laut der Therapeutin können Scheidenpilze – eine Infektion, die 75 Prozent aller Frauen irgendwann in ihrem Leben erfahren – ebenfalls ein Brennen (sowie klumpigen Ausfluss) verursachen. In einem solchen Fall solltest du deinen Arzt oder eine Fachklinik für Sexualität aufsuchen und einen Vaginalabstrich ins Labor schicken lassen.

Wenn du eine Infektion ausschließen kannst, müssen andere Ursachen in Betracht gezogen werden. Die Haut deiner Vulva und deiner Scheidenwand können von den gleichen dermatologischen Problemen betroffen sein wie anderen Stellen deines Körpers. Ein Beispiel: Lichen Sclerosus ist eine entzündliche Hautkrankheit mit Ausschlag, die am ganzen Körper auftreten und im Intimbereich zu Schmerzen beim Sex führen kann.

Deine Scheidenwand kann aber auch durch chemische Stoffe gereizt werden. Alle Expertinnen empfehlen bei einem Brennen während des Geschlechtsverkehrs, potenzielle Allergene so schnell wie möglich loszuwerden. Das bedeutet: Schmeiß deine parfümierten Duschgels weg, benutze nur noch natürliche Gleitmittel und verzichte auf chemisch gebleichte Tampons und Binden.

"Ich habe häufig mit Frauen zu tun, die so allergisch auf Binden reagieren, dass sie davon rote Ränder an der Vulva bekommen", sagt Frodsham. Sie empfiehlt den betroffenen Patientinnen, auf Alternativen aus Baumwoll- oder Bambusstoff umzusteigen. Zudem legt die Ärztin allen Frauen mit Schmerzen beim Sex nahe, beim Waschen mal Olivenöl auszuprobieren (andere Expertinnen empfehlen hier lindernde Waschgels) und die Vagina sowie die Scheidenwand zweimal täglich mit Kokosöl zu massieren. Zweiteres soll gegen die Reizung und Trockenheit helfen.

"Die Massage hat etwas an sich, das die Schmerzen bekämpft. Dazu sorgt sie für Feuchtigkeit", erklärt Frodsham. "So muss man beim Sex gar nicht erst das Gleitgel auspacken. Das ist psychosexuell gesehen eine wichtige Sache." Das treffe vor allem dann zu, wenn man wegen des Geschlechtsverkehrs sowieso schon total gestresst ist. Was du bei Frodshams Tipps aber auch beachten musst: Öl und Kondome mögen sich nicht. Deswegen ist es Pflicht, hier eine andere Form der Verhütung zu wählen.

Vulvodynie – also chronischer Vulva-Schmerz – kann beim penetrativen und beim nicht-penetrativen Sex ebenfalls für ein Brennen sorgen. In diesem Falls solltest du direkt mit deinem Gynäkologen oder deiner Gynäkologin reden.

Ich werde nicht feucht genug und habe deshalb Schmerzen beim Sex

In der am Anfang erwähnten Studie hat man herausgefunden, dass Schmerzen beim Sex sehr häufig von Trockenheit verursacht werden. Wenn du während des Geschlechtsverkehrs das Gefühl hast, dass dein Partner deine Vagina mit Schmirgelpapier bearbeitet, dann bist du wohl nicht feucht genug. In diesem Fall solltest du dir zwei Fragen stellen: Nehme ich mir beim Vorspiel genug Zeit? "Manchmal ist man im Kopf schon für die Penetration bereit, körperlich aber noch nicht", sagt Kunelaki. Und benutze ich die richtige Menge des richtigen Gleitmittels? Wie Frodsham erklärt, seien bestimmte Marken eher kontraproduktiv, weil sie "immer klebriger werden, je länger der Geschlechtsverkehr dauert". Das könnte etwaige Beschwerden nur noch weiter verstärken.

Zudem solltest du immer schauen, woher die Trockenheit kommt. Laut den Expertinnen können wiederkehrende Infektionen oder allergische Reaktionen für eine Irritation sorgen. Weitere Auslöser seien sinkende Östrogen- und steigende Progesteron-Level. Der Östrogen-Spiegel geht während der Wechseljahre und beim Stillen nach unten. Aber auch Frauen, die die Minipille nehmen oder an Anorexie leiden, sind davon betroffen. Die mögliche Folge: langfristige Vaginaltrockenheit. Frodsham empfiehlt hier, auf Östrogen-Zäpfchen oder eine topische Creme zu setzen. Zudem sei es sinnvoll, über einen Wechsel der Verhütungsmethode nachzudenken – etwa eine Hormonspirale oder die normale Pille anstelle der Minipille. Beides solltest du vorher natürlich intensiv mit deiner Gynäkologin besprechen.

Wenn ich nach dem Sex pinkle, verspüre ich ein Brennen

Auch hier kann eine Infektionen, eine allergische Reaktion oder Trockenheit daran schuld sein, dass deine Vaginalhaut gereizt ist. Vielleicht hat die Reibung beim Sex kleine Risse im Bereich der Vagina verursacht. "Das tut natürlich weh", sagt Rymer. "Solche Risse kommen vor allem im hinteren Teil der Vagina vor, weil die Haut in diesem Bereich besonders empfindlich ist." Die Professorin fügt hinzu, dass diese Art der Schmerzen auch ein Symptom einer Harnweginfektion sein könnte. Falls du genau das vermutest, solltest du dir schnell ärztliche Hilfe suchen und eine Urinprobe im Labor untersuchen lassen. Nur so stellst du sicher, dass du richtig behandelt wirst.

Nach dem Sex habe ich Unterleibsschmerzen und -krämpfe

"Was ist da im Unterleib los? Haben wir es mit Endometriose zu tun?" Diese Fragen stellt sich Rymer, wenn eine Frau mit diesen Symptomen zu ihr kommt. Endometriose ist eine Krankheit, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter auftritt. Das kann extrem unangenehme Regelblutungen und starke Schmerzen nach dem Sex verursachen, weil die Bewegungen an diesem endometriotischen Gewebe ziehen.

Rymer sagt dazu: "Vielleicht ist da auch eine Zyste, die das unangenehme Gefühl beim Geschlechtsverkehr verursacht. Das kann ein Myom, also ein gutartiges Geschwulst im Bereich der Vagina oder des Gebärmutterhalses, an einer ungewöhnlichen Stelle sein." Im Grunde ist es bei Schmerzen im Unterleib immer sinnvoll, die Ärztin oder den Arzt um einen gründlichen Scan des Beckens zu bitten.

Was nach dem Sex ebenfalls für schlimme Schmerzen sorgen kann, ist eine entzündliche Beckenerkrankung. Ursache ist hier eine bakterielle Infektion (wie Tripper oder Chlamydien), die von der Vagina oder der Gebärmutter zu den Geschlechtsorganen wandert. Die Schmerzen, die dann sowieso schon im Becken auftreten, sind während des Geschlechtsverkehrs und auch danach noch intensiver. "Die Symptome der entzündlichen Beckenerkrankung sind Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Sex, schwere Regelblutungen und Ausfluss", erklärt Kunelaki. "Die Behandlung ist allerdings recht einfach: zwei Wochen lang Antibiotika."

Wenn du während des Sex einen tiefliegenden Schmerz verspürst, müssen Endometriose und eine entzündliche Beckenerkrankung aber nicht immer die Ursache sein. "Manchmal werden da auch nur die Eierstöcke getroffen", sagt Rymer. Vielleicht ist deine Gebärmutter von Natur aus nach hinten geneigt oder wurde durch Narbengewebe von früheren Infektionen in diese Position gebracht. Auf jeden Fall ist es unangenehm, wenn der Penis da während des Geschlechtsverkehrs dranstößt. Aber auch das Reizdarmsyndrom kann während des Sex bauchweh-ähnliche Schmerzen verursachen.

Ich habe das Gefühl, dass der Penis oder das Sexspielzeug bei mir nicht reinpasst

Hier könnte ein Scheidenkrampf verantwortlich sein. Dieses als "Vaginismus" bekannte psychosexuelle Leiden sorgt dafür, dass sich die Muskeln um die Vagina herum verkrampfen. Auslöser können viele Dinge sein: ein vorhergegangenes sexuelles Trauma, psychische Gesundheitsprobleme oder sogar die Angst vor schmerzhaftem Sex. "Bei jeder Frau, die unter Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Lichen Sclerosus leidet, kann sich ein Vaginismus-Teufelskreis entwickeln, der auch dann noch Schmerzen verursacht, wenn das Leiden behandelt wurde", sagt Frodsham.

Ein guter Ansatz ist hier eine Therapie. Es hilft aber auch oft schon, sich in einer Community zu öffnen – zum Beispiel im Vaginismus Network. Laut Kunelaki könnten Achtsamkeit und Atemübungen ebenfalls gegen die Schmerzen helfen: "Jede Aktivität, die entschleunigt und einen nicht mehr an die Sorgen denken lässt, ist hilfreich." Es gibt zudem vaginale Dehnungsstifte in verschiedenen Größen, die dich daran gewöhnen, etwas in der Vagina zu haben. Des Weiteren empfiehlt Frodsham, den Bereich zwischen Anus und Vulva mit Kokosöl zu massieren, um die verkrampfenden Muskeln zu entspannen. Laut ihr bevorzuge man in der Frauenmedizin inzwischen diese Art der Dammmassage gegenüber den Dehnungsstiften.

Während des Sex muss ich aufs Klo

Im Bett musst du immer wieder pausieren, um dich schnell im Badezimmer zu erleichtern? Das kann laut Kunelaki einfach daran liegen, dass während des Geschlechtsverkehrs Druck auf deine Blase ausgeübt wird. "Die Vagina und die Blase liegen anatomisch gesehen sehr nah beieinander", erklärt die Therapeutin. "Deswegen ist es sinnvoll, vor und nach penetrativem Sex auf die Toilette zu gehen." Vielleicht bist du aber auch nur kurz davor zu squirten. Dann solltest du dir diesen Artikel durchlesen.

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