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Update: In Deutschland soll ein Wolf erstmals einen Menschen angegriffen haben

Die Zahl der Wolfsrudel hat sich in den vergangenen vier Jahren fast verdreifacht. Schauen Wölfe jetzt öfter bei uns vorbei?
29.11.18
Ein Wolf beim verspeisen seiner Beute
Foto: imago | Anka Agency International

Es gibt Menschen, für die ist die Rückkehr des Wolfs ein Beweis dafür, dass der Naturschutz funktioniert. Deshalb wollen sie ihn schützen. Und jeder Angriff auf einen Wolf ist für sie ein Angriff auf Mutter Erde. Ihre "natürlichen" Gegner: Landwirte und Menschen, die das Pech haben, dass ein Wolfsrudel ausgerechnet in ihrer Nähe lebt. Seit Jahren steigt die Zahl von Wölfen und mit ihr der Furor, mit dem die Kontrahenten aufeinander losgehen. Jetzt bekommt die Debatte neues Futter. Denn zum ersten Mal hat in Deutschland ein Wolf einen Menschen angegriffen.

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Wie die Oberhessische Presse berichtet, wurde in Steinfeld bei Oldenburg ein Gemeindemitarbeiter von einem Wolf in die Hand gebissen und leicht verletzt. Der Polizei zufolge soll sich das Tier dem 55-jährigen Mann bei der Pflege einer Friedhofsgrünanlage von hinten genähert und nach seiner Hand geschnappt haben, als der Mann gerade auf dem Boden kniete. Der 55-Jährige konnte sich befreien und den Wolf vertreiben.

"Man muss das in jedem Fall ernst nehmen", sagte Roland Gramling von der Umweltorganisation WWF. "Seit der Rückkehr der Wölfe ist noch kein Mensch jemals angefallen worden". Eine Sprecherin des niedersächsischen Wolfsbüros sagte, dass aktuell zwei Mitarbeiter den gemeldeten Vorfall überprüfen. Womöglich ließen sich an der Hand des Mannes DNA-Spuren sicherstellen.


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Fast 200 Wölfe in Niedersachsen

Das Bundesamt für Naturschutz überwacht den Bestand von Wölfen in Deutschland regelmäßig. In den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl der Wildtiere in Deutschland fast verdreifacht. Laut dem aktuellen Wolfsmonitoring leben mehr als 70 Wolfsrudel in sieben Bundesländern: Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen – und in Niedersachsen.

Dort leben nach Angaben des Umweltministeriums 20 Wolfsrudel mit insgesamt 170 bis 180 Tieren. In dem Bundesland wurden allein im vergangenen Jahr mehr als 400 Tiere durch Angriffe von Wölfen getötet. Die Weidetierhalter beschweren sich seit längerem darüber, dass Wolfsattacken auf ihre Herden zunehmen.

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Der niedersächsische Landtag diskutiert deshalb, ob nicht nur auffällige Wölfe abgeschossen werden, sondern die Raubtiere generell wieder ins Jagdrecht aufgenommen werden sollten. Bislang sind Wölfe durch EU-weite Regeln und das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Erst Anfang vergangener Woche veröffentlichte die Unionsfraktion im Bundestag ein Positionspapier, in dem sie "wolfsfreie Zonen" vorschlägt. Laut dem Papier soll es Menschen erleichtert werden, die Tiere abzuschießen, etwa in der Umgebung von Städten und Siedlungen oder auf Deichen, wo Schafe grasen. Bereits im vergangenen Sommer hatte sich die Große Koalition darauf geeinigt, betroffenen Landwirten Schadensausgleich zu zahlen.

Steinfeld könnte jetzt zu einer Art Debattenrevier werden. Der Oberbürgermeister sagt, dass sich hinter der Stadt ein "weitläufiges Moorgebiet" erstrecken würde, in dem gelegentlich Wölfe gesichtet würden. Und der angegriffene Gemeindearbeiter berichtet, dass sich noch drei weitere Wölfe in unmittelbarer Nähe aufgehalten hätten. Es könnte also nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ein Wolf Steinfeld einen Besuch abstattet.

Update vom 6. Dezember 2018, 10:45 Uhr: Die DNA-Analyse im Auftrag des niedersächsischen Umweltministeriums hat inzwischen ergeben, dass es in diesem Fall keine wissenschaftliche Hinweise auf einen tatsächlichen Wolfsangriff gibt. Das teilte eine Sprecherin des Ministeriums am Dienstag in Hannover mit.

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