Alle Fotos: Marco Mendia

Fotos: Zehn Jahre auf Streifzug mit europäischen Graffiti-Künstlern

Marco Mendia fotografierte rebellierende Sprayer, U-Bahn-Tunnel und Lagerhallen, als Streetart noch nicht Mainstream war.

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15 April 2018, 4:00am

Alle Fotos: Marco Mendia

Einbruch, Betreten-Verboten-Schilder und Vandalismus – fast zehn Jahre lang war das Marco Mendias Alltag. Bevor er ein professioneller Fotograf wurde, verbrachte der Italiener von Mitte der Nullerjahre bis 2015 seine Zeit mit jugendlichen Graffiti-Sprayern. Die U-Bahn-Tunnel Europas waren ihr urbaner Spielplatz. Und Mendia mischte sich mit seinen Fotos und eigenen Kalligrafie-Kunstwerken unter sie.

Seitdem er 14 Jahre alt war, ist Mendia Teil der Graffiti-Szene. Mit 16 begann er, sie zu dokumentieren. "Jeder Ort hat etwas Besonderes", sagt Mendia. "In Wien sind die U-Bahn-Tunnel total sauber und gut ausgeleuchtet – perfekte Bedingungen für Sprayer und Fotografen." Seine Lieblingsstadt ist aber Paris: "Die Pariser Tunnel gefallen mir total. Ich liebe die Form, da unten hat man echt viel Platz. Und das Ganze ist noch nicht durch die Kommerzialisierung der Streetart ruiniert."

Alle Fotos: Marco Mendia

2015 nahmen Polizisten den gerade fotografierenden Mendia in Mailand und später auch in Paris fest. "Im französischen Gefängnis war ich kurz davor, alles aufzugeben", sagt er. "Früher hat es mir Spaß gemacht, vor der Polizei wegzurennen. Mit der Zeit wurde aber immer mehr das Gegenteil der Fall." Einige Freunde des inzwischen 28-Jährigen sind immer noch am Taggen. Andere arbeiten inzwischen erfolgreich in der Kunst- und Mode-Welt.

Mendia hat sich dazu entschieden, seine Bilder in Eigenregie zu veröffentlichen. Er will so die sorglose Atmosphäre seiner Jugendjahre erhalten – eine Zeit, in der die Graffiti-Welt noch nicht von Instagram dominiert wurde. "Früher hatte jeder Spot noch etwas Geheimnisvolles an sich. Die sozialen Netzwerke haben das geändert", sagt der Fotograf. "Jetzt versuchen Sprayer, sich die besten Orte gegenseitig zu stehlen."

Mendia wollte uns nicht verraten, wo genau die Fotos entstanden sind. Bei einigen liefert er aber den Kontext mit:

"In Mailand waren wir besonders oft in den Schächten der roten U-Bahn-Linie unterwegs. Irgendwann haben die Behörden eine Kamera installiert, um uns zu schnappen. Eines Nachts machten wir uns wieder an einen Zug, als uns plötzlich eine Lautsprecherstimme aufforderte abzuhauen."
"Dieser Polizist deutete auf mich und rief, er würde meine Kamera kaputtmachen. Ich war mit Freunden in Barcelona unterwegs und wir sprayten uns durch den Tag. Irgendein Passant rief die Polizei und der Beamte kam direkt auf einem Motorrad an. Erst rannte ich los, aber dann drehte ich mich noch mal kurz um und schoss dieses Bild. Zum Glück haben sowohl ich als auch meine Kamera das Ganze schadlos überstanden."
"Diesen Hund haben wir zwischen den Abstellgleisen der Bukarester U-Bahn gefunden. Das Tier brauchte Hilfe, weil ein Zug eine seiner Pfoten abgetrennt hatte. Wir gaben ihm etwas zu fressen und konnten uns gut eine Woche an diesem Ort auslassen – ungestört, weil wir die Security-Mitarbeiter mit Geld, Zigaretten und Bier schmierten."

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