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Die 'League of Legends'-Elite hat sich in Berlin eines der epischsten Matches der LoL-Geschichte geliefert

In der Hauptstadt kämpfen gerade die besten LoL-Spieler der Welt um rund eine Million Euro Preisgeld. Dabei ist das Match zwischen Brasilien und der Türkei eskaliert – und die Fans konnten sich vor Gelächter nicht halten.
07 Mai 2018, 1:08pm
Die Spieler aus Brasilien sorgten mit ihrem Spielstil für Gejohle unter den Fans | Foto: Riot Games 2018

Eigentlich war es eine klare Sache bei den Mid-Season Invitationals in Berlin, einem großen _League of Legends_-Turnier: Das türkische Team namens "SuperMassive eSports" hatte in den Tagen zuvor schon eine ordentliche Führung herausgespielt: Fünf Matches, fünf Siege. Jetzt galt es noch das letzte Spiel zu beenden, bevor man sich der Gruppenphase widmen konnte.

Es ging gegen das brasilianische Team "KaBuM! e-Sports". Die hatten aus fünf Spielen drei Niederlagen und zwei Siege geholt, konnten ihre Platzierung jetzt nicht mehr verbessern. Für den Turnierverlauf war es also egal, wer gewinnt. Und das sah man dem Spiel an. Beide Teams machten sich aus dem Match einen Spaß und sorgten mit unkonventionellen Moves für Gelächter bei den Fans und einen Eintrag in die Rekordbücher der E-Sport-Geschichte.

Es begann schon in der sogenannten Pick-and-Ban-Phase, mit ihr fängt ein Profispiel bei League of Legends an: Jedes Team wählt fünf der 140 Charaktere der gegnerischen Mannschaft, die dann für das Match gesperrt bleiben. So sollen bestimmte Strategien des Gegners schon von Anfang an verhindert werden. Im Wechsel wählt jedes Team aus den verbliebenen Champions fünf eigene, die daraufhin in den Kampf ziehen sollen.

Dann sorgten die Brasilianer für die erste Überraschung. Sie wählten unter anderem den Charakter Draven, einen mit zwei Äxten werfenden Henker, der immer stärker wird, je mehr Gegner er erlegt. In Brasilien hat dieser Charakter Kultstatus – auch der Spieler, der ihn am besten beherrscht, ist Brasilianer. Unter E-Sportlern im Profibereich sieht man Draven jedoch fast nie, zu groß ist das Risiko, dass er keine Kills erzielt und schwach bleibt. Im Amateurbereich dagegen ist Draven sehr häufig zu sehen. Da geht es den Spielern oft darum, der erfolgreichste zu sein, es wird eher egoistisch als mannschaftlich gespielt.

Die Zuschauer gaben ein langes "Wuuuuh" von sich, als der Henker ausgewählt wurde und gaben spontan Applaus. Die Teams wählten daraufhin weitere Charaktere, die man bei Profispielen selten zu sehen bekommt: Rammus, eine Schildkröte, die an Bowser, den Bösewicht von Super Mario, erinnert. Und Yasuo, ein Samurai, der in der Fan-Szene dafür verschrien ist, vor allem von Narzissten und Egoisten gespielt zu werden

Die Fans sind begeistert von dem absurden Spielverlauf

"Jetzt wird es immer wilder", kommentierten die Moderatoren. Sie konnten sich vor Lachen kaum halten, das Publikum johlte. Die Spieler genossen den Klamauk und grinsten breit in die Kameras. Für den E-Sport war das Verhalten der Teams so absurd, als würde bei einem Bundesligaspiel der Torhüter mit seinen Handschuhen an den Füßen in den Angriff gehen – oder als würde ein Physiotherapeut den Libero machen. Auch während des Spiels stand vor allem Unterhaltung im Vordergrund: Die Teams lieferten Kills im Minutentakt. Das Match erinnerte eher an eine Party unter E-Sport-Profis als an ein taktisch ausgeklügeltes Duell.

Am Ende brachen die Teams aus Brasilien und der Türkei den Turnier-Rekord: 75 Kills, so viele gab es noch nie in einem Match der Mid-Season Invitationals. Das Spiel endete nach rund 24 Minuten, was verhältnismäßig kurz ist – und zwar, weil die Favoriten aus der Türkei einfach aufgegeben haben. Im Profi-Bereich passiert das eigentlich nie, ganz im Gegensatz zu Amateur-Turnieren, in denen Spieler schnell mal frustriert ihre Matches aufgeben.


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Einige Fans können sich angesichts dieses Spiels kaum zwischen Begeisterung und Kopfschütteln entscheiden. "Das einzige Profispiel der vergangen drei Jahre, das man gesehen haben muss", kommentiert einer das Video. Ein anderer schreibt, das erinnere ihn an ein Spiel aus einer der niedrigsten Amateurligen. Zurecht trägt ein 12-minütiges Highlight-Video des Matches den Namen: Clown-Fiesta.

Die Brasilianer fliegen jetzt mit einem Preisgeld von 13.500 Euro zurück nach nachhause, für das türkische Team ist der Weg zum ersten Platz zwar unwahrscheinlich, aber noch offen. Der Gewinner des Turniers bekommt rund 350.000 Euro.

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