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Instagram schafft eine Funktion ab und macht die Welt dadurch ein Stück besser

Die Plattform verabschiedet sich von dem "Abonniert"-Tab, mit dem du bisher andere ausspionieren konntest. Endlich.

von Daisy Jones
10 Oktober 2019, 3:30am

Foto: Daisy Jones

Es ist 23 Uhr und du hast dir gerade die Zähne geputzt. Alles ist gut. Du machst das große Licht aus, schüttelst dein Kopfkissen auf und machst es dir im Bett bequem. Du willst nur noch kurz deinen Handywecker stellen, als dein Daumen wie von selbst auf das Instagram-Icon wandert. Bevor du dich versiehst, scrollst du durch deinen Feed. Zuerst langsam, dann schneller. Wie in einem Strudel. Jetzt bist du auf dem "Abonniert"-Tab gelandet, auf dem du sehen kannst, was deine Freunde gelikt haben. Du scrollst und scrollst. Das kaltblaue Licht deines Handys brennt in deinen müden Augen. Aber du scrollst und scrollst.

Und dann siehst du es. Es ist genau das, was du gesucht hast. Die Person, mit der du in den vergangenen acht Monaten immer wieder Sex hattest, hat vor zwei Stunden ein Selfie von irgendeinem Mädchen gelikt. Mit der schläft der doch garantiert auch. Wahrscheinlich ist der total verknallt in die. Was für ein Name soll "Tinka" bitte sein? Jetzt bist du auf ihrem Profil. Du willst wissen, ob er noch andere Bilder von ihr mit dem Herzchen versehen hat. Hat er. Natürlich. Es ist jetzt 1:19 Uhr und du bist stocksauer. Auch auf dich. Du hast dir den Mist gerade selbst angetan.


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Instagram bestätigte gegenüber Buzzfeed-News, dass man sich von dem "Abonniert"-Tab verabschieden wird. Falls du noch nie davon gehört hast – und angeblich wissen viele User gar nichts von seiner Existenz: Der "Abonniert"-Tab ist das bösartige Feature, das Usern zeigt, was die Leute, denen man folgt, gelikt, kommentiert und wen sie hinzugefügt haben. Instagrams Head of Product Vishal Shah sagte zu Buzzfeed-News: "Simplizität war der treibende Faktor." Anders ausgedrückt: Sie wollten es loswerden, weil es unschön aussieht und zu viel Platz einnimmt? Bis Ende dieser Woche soll der "Abonniert"-Tab bei allen Usern verschwunden sein.

Aber der "Abonniert"-Tab war mehr als nur ästhetisch unschön. Er war auch für die Psyche und Beziehungen zahlreicher Menschen unschön. Ich bezweifle, dass aus diesem Feature jemals etwas Gutes hervorgegangen ist. Wie sollte es auch? Es hat dir erlaubt, unauffällig die Aktivitäten anderer zu verfolgen und wilde Schlüsse und wirre Zusammenhänge aus Kleinigkeiten zu ziehen, die in der Regel total unbedeutend waren. Denk nur mal daran, wie viele Fotos du gedankenlos likst. Wahrscheinlich hat das mal jemand gesehen und mit sinnloser Bedeutung aufgeladen. Dieses Feature ist ein bizarres Höllenloch – und es kann dich verschlingen.

Natürlich wurde der "Abonniert"-Tab nicht nur dazu verwendet, um die Aktivitäten unserer Schwärme, Liebsten und Exe zu stalken. Klatschblätter und diverse Insta-Accounts lebten davon, welche Selfies Drake diese Woche gelikt hat oder wem Kendall Jenner folgt, bzw. nicht mehr folgt, etc. pp ... Du siehst: Niemand wird den "Abonniert"-Tab wirklich vermissen. Denk nur mal daran, wie viel Zeit du sparen wirst, weil du nichts mehr darüber lesen musst, welcher C-Promi die Hintern von irgendwelchen Models likt, obwohl er in einer festen Beziehung ist. Endlich hast du wieder Zeit, Bücher zu lesen ­– oder zum Poledancing zu gehen. Mit Abschaffung des Features dürfte die Welt für uns alle ein kleines Stück reicher werden.

Die Entscheidung, den "Abonniert"-Tab zu streichen, folgte auf die Ankündigung, dass Instagram überlegt, die Zahl der Likes zu verstecken. Dieses Modell wird bereits in sieben Ländern erprobt. Darunter auch Italien, Australien und Irland. Für diejenigen unter uns, deren Leben sich extrem um Social Media dreht – oder Influencer –, erscheinen diese Änderungen vielleicht erstmal beängstigend. Aber es ist definitiv begrüßenswert, dass die Plattform zumindest versucht, etwas für den Schutz der psychischen Gesundheit seiner oft jungen Nutzerinnen und Nutzer zu tun.

Nicht falsch verstehen. Instagram wird bestimmt bald irgendein neues unheimliches Feature einführen – ein System zum Beispiel, bei dem du Menschen von langweilig bis beliebt bewertest. Aber bis dahin: Sayonara "Abonniert"-Tab! Und fick dich!

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