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Sex machina

Der nostalgische Charme von Handjobs durch die Hose

Bei sexueller Stimulation ist es wie mit Pizza: Auch schlechte, unbefriedigende Pizza ist besser als gar keine.

von Maria Yagoda
12 Juli 2017, 9:00am

Foto: Maria Yagoda

Als ich vor kurzem in einer meiner Sex-Kolumnen kurz Handjobs durch die Hose erwähnt habe, habe ich anschließend mehrere E-Mails bekommen. Einer der Männer, der mir geschrieben hatte, zeigte sich begeistert davon, "dass du beim letzten Mal Handjobs durch die Hose erwähnt hast. Darauf steh ich total [zwinkernder Smiley]." Ich dachte zuerst, er würde mich auf den Arm nehmen wollen. Wer könnte schon auf eine sexuelle Handlung stehen, die so unbefriedigend ist, dass sie eigentlich überhaupt nicht als sexuelle Handlung bezeichnet werden dürfte?

Der Handjob galt lange Zeit als eine dieser sexuellen Handlungen, die man primär mit seiner Jugend verbindet. Der quasi perfekte sexuelle Akt, wenn man noch unerfahren und für Geschlechtsverkehr an sich nicht bereit ist. Der Handjob durch die Hose scheint dabei bei manchen Menschen besonders nostalgische, nahezu sentimentale Gefühle auszulösen.

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Eine meiner Freunde erzählte mir, dass er einen seiner ersten und letzten Hosen-Handjobs bekommen hat, während er sich mit einer seiner Verabredungen Scary Movie 3 angesehen hat. Das Ganze war in der siebten Klasse und eine seiner ersten sexuellen Begegnungen, weswegen er sich noch immer gern daran zurückerinnert. "Wie man sich vorstellen kann, war ich ziemlich unbeholfen", sagt er. "Wahrscheinlich hatte ich auch noch Cargohosen an, die es noch schwerer gemacht haben, überhaupt irgendetwas zu fühlen. Außerdem hat sie ihre linke Hand benutzt, obwohl sie Rechtshänderin war. Ich habe mich aber revanchiert."

Ein anderer Mann erzählte mir, dass er und seine High-School-Freundin sich gegenseitig Handjobs durch die Hose gegeben haben, weil sie für alles weitere einfach noch nicht bereit waren: "Meine Freundin und ich wollten uns berühren, waren aber noch nicht bereit, die Genitalien des anderen anzufassen."


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Wenn es um unsere ersten sexuellen Erfahrungen geht, ist das Fummeln durch die Hose eigentlich nur eine logische Erweiterung zum Knutschen. Für Teenager, die noch nicht bereit sind, Sex zu haben, weil sie Angst davor haben zu versagen oder sich vor der Reaktion ihrer Eltern, ihrer Mitschüler oder des Papstes fürchten, scheinen Handjobs durch Hose eine sichere und "moralische" Alternative zu sein, um den Penis des anderen anzufassen ohne ihn tatsächlich zu berühren – auch wenn das Ganze sexuell vielleicht nicht sonderlich befriedigend ist. (Einige Frauen, mit denen ich mich unterhalten habe, hatten in ihrer Jugend sogar zuerst Analsex, um ihre Jungfräulichkeit nicht zu verlieren. In ihren Augen war das nämlich nur durch vaginale Penetration möglich. Unglaublich.)

"Ich erinnere mich gern daran zurück, so wie ich mich generell gerne an meine ersten sexuellen Erfahrungen als Teenager zurückerinnere. Die Erfahrung an sich finde ich aber nicht besonders berauschend", ergänzt einer meiner Bekannten. Meine Frage, ob er sich vorstellen könnte, mal wieder einen Handjob durch Hose zu bekommen, verneint er. Fummeln durch die Klamotten gehöre für ihn ausschließlich zum Vorspiel.

Und tatsächlich: Die meisten Menschen mit Penis, mit denen ich gesprochen habe, finden es nach eigener Aussage durchaus heiß, wenn man ihren Penis beim Vorspiel durch die Hose berührt. Es soll nur eben nicht der einzige sexuelle Akt bleiben. "Der längste Handjob durch die Hose, den ich jemals bekommen habe, dauerte vermutlich eine halbe Minute. Dann kam die Hose runter, wie es sich gehört", erklärt ein anderer Mann. "Das Ganze war eine Steigerung zum Kuscheln."

"Keiner macht es einem besser mit der Hand als man selbst."

Manche Menschen sehen in Handjobs durch die Hose aber auch eine aufregende, heimliche Sache, die sie in der Öffentlichkeit machen können, zum Beispiel im Park oder auf der Rückbank eines Buses. Allerdings gilt auch in diesem Fall: Wenn du kein Teenager mehr bist, verliert das Ganze mit der Zeit seinen Reiz. "Ich glaube, das Aufregendste daran ist die exhibitionistische Seite, also heimlich in der Öffentlichkeit zu kommen", erklärt einer meiner Gesprächspartner für diesen Artikel. Handjobs durch die Hose waren ein fester Bestandteil seiner ersten sexuellen Begegnungen mit Männern und fanden meist im Auto statt. "Inzwischen würde ich aber dankend ablehnen, wenn wir jemand nach einem Date oder zu Hause einen Handjob durch die Hose anbieten würde."

All meine Unterhaltungen, die ich mit Menschen über Hosen-Handjobs geführt habe, endeten eigentlich immer mit derselben Frage: Sind Handjobs überhaupt erstrebenswert? Viele heterosexuelle Frauen – mich selbst mit eingeschlossen – fühlen sich weder inspiriert noch befähigt dazu, das zu machen, worin der andere vermutlich schon jahrzehntelange Erfahrung hat. Gleichzeitig mag ich es selbst ziemlich gern, wenn wenn ein Mann bei mir Hand anlegt. So einfach scheint die Antwort also nicht zu sein.


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Die meisten Frauen, mit denen ich gesprochen habe, hatten generell gemischte Gefühle gegenüber Handjobs, was nicht nur daran liegt, dass der Gefallen nur selten erwidert wird. "Ich glaube Handjobs gehören nicht ins Schlafzimmer, sondern ausschließlich an einsame oder verborgene Orte in der Öffentlichkeit", erklärt mir eine Frau. "Keiner macht es einem besser mit der Hand als man selbst. Deswegen bringt es auch nichts, wenn man zusammen im Bett liegt oder zu Hause ist."

Eine andere Frau erklärte mir, dass Handjobs komplett verbannt werden sollten. Sie selbst würde ihren Gegenüber lieber oral befriedigen, weil sie dann wüsste, dass sie das Ganze auch zum Abschluss bringen kann.

Eine queere Frau, mit der ich mich unterhalten habe, meinte, dass sie mal jemandem auf dem Rücksitz eines Taxis einen Handjob durch die Hose gegeben hätte. "Es hat mich auf jeden Fall ziemlich angemacht, mich so exhibitionistisch zu verhalten", sagt sie. "In dem Moment wusste ich, dass ich es jemanden mache und der Fahrer keine Ahnung hatte. Das hatte etwas Gefährliches und Aufregendes. Außerdem macht es Spaß zu wissen, dass sich die Person beherrschen muss, während man selbst alles daran setzt, den anderen anzumachen." Trotzdem blieb es bei der einmaligen Aktion.

"Das fühlt sich an wie Schleifpapier."

Es läuft allerdings nicht immer so befriedigend für beide Seiten. Tatsächlich haben mir einige Menschen mit Penissen erzählt, dass sie oft nicht wussten, wie sie ihrem Gegenüber sagen sollten, dass er oder sie aufhören soll, weil sich der Handjob einfach nicht gut anfühlte. Ein großes und häufig wiederkehrendes Problem ist dabei die fehlende Feuchtigkeit, was bei Handjobs durch die Hose zusätzlich verstärkt wird. "Frauen verstehen nicht, dass sie einfach in ihre Hand spucken sollten, anstatt meinen Penis mit ihren trockenen Händen zu reiben. Das fühlt sich an wie Schleifpapier", erklärt mir ein Mann.

Ein homosexueller Freund von mir, nennen wir ihn Jonathan, reagierte schockiert und verwirrt, als ich ihn nach seinen Erfahrungen mit Handjobs durch die Hose fragte. "Du meinst, während ich die Hose anhatte?", schrieb er. "Einen Handjob durch den Stoff? Ähm, das ist seltsam. Ich glaube, dass ich so etwas noch nie gemacht habe. Ich mag es, mich an dem Anderen zu reiben, wenn wir rummachen, aber das gehört ausdrücklich zum Vorspiel." Er selbst sei niemals nur durch Stoff hindurch befriedigt worden und könne sich auch nicht vorstellen, allein dadurch zu kommen.

Als ich ihm noch einmal genauer erkläre, was ein Handjob durch die Hose ist, sagt er nur: "Oh mein Gott, gut, dass du die Menschen aufklärst. Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt!" Das hat mich ein wenig stolz gemacht.

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Total Frat Move, eine amerikanische Studenten-Webseite, hat 2015 eine "Ode an den Handjob durch die Hose" veröffentlicht. Der anonyme Autor fasste den Akt darin in einer gebührend knappen und tragischen Weise zusammen: "Unter allen sexuellen Handlungen ist der Handjob durch die Hose wahrscheinlich eine der Unangenehmsten. Das Ganze ist sozusagen die Billigpizza unter den sexuellen Begegnungen: nicht besonders gut (relativ gesehen), aber alles in Allem doch ganz OK, denn sie ist heiß und du willst sie."

Oft genug ist ein bisschen sexuelle Stimulation also besser, als gar keine sexuelle Stimulation.

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