Atomwaffen

Video: Putin lässt seine neuen Atomwaffen virtuell auf die USA fliegen

"Hören Sie uns jetzt zu", fordert Russlands Präsident die Welt auf, während er seine neuesten Atomwaffen anteasert.

von Matthew Gault
02 März 2018, 2:37pm

Screenshot: YouTube

Es ist eine neue Stufe der Eskalation: In einer Rede an die Nation stellte Russlands Präsident Wladimir Putin am Donnerstag neue Nuklearwaffen vor, die angeblich nicht abgefangen werden können. Putins Rede ist ein strategischer Teil seines Wahlkampfes, denn in 16 Tagen wird in Russland gewählt – und sie ist eine klare Machtdemonstration gegen die USA und die europäischen Nato-Staaten.

Eigentlich handelt es sich bei Putins Rede um eine Art Jahresansprache, die traditionell im Dezember stattfindet. Zugunsten des Wahlkampfes wurde sie jedoch verschoben. Im letzten Teil seiner fast zweistündigen Rede widmet sich Putin ganz und gar Russlands militärischer Stärke. In einem Video mit zahlreichen Computeranimationen präsentiert er nukleargetriebene Raketen und blitzschnelle Unterwasserdrohnen. Und der russische Präsident lässt keinen Zweifel daran, gegen wen diese Waffen eingesetzt werden könnten.

Folgt Motherboard auf Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter

Zuerst stellt Putin die "RS-28 Sarmat" vor, eine 200 Tonnen starke Interkontinentalrakete, die überall auf der Welt eine nukleare Explosion auslösen könne. "Sie hat die Fähigkeit, jedes Raketenabwehrsystem zu schlagen und kann somit unter allen Konditionen eingesetzt werden", sagte Putin. "Schauen wir uns jetzt ein Video an."

Das Publikum applaudiert, während die Videoaufnahme eines mobilen Raketenwerfers in der verschneiten russischen Wildnis auf der Leinwand erscheint. Sobald die Rakete gestartet ist, wechselt das Video zu einer Computeranimation der Rakete bei ihrem Flug um die Erde.

Ihr Ziel: die Westküste Floridas, ein Gebiet, das gar nicht weit entfernt von US-Präsident Donald Trumps Winterresidenz Mar-a-Lago liegt, wie Gizmodo berichtete. Diese 3D-Animation benutzt Russland bereits seit mehreren Jahren, wie dieses YouTube-Video von 2015 zeigt.

In seiner Rede wandte Putin sich auch an den Rest der Welt und erklärte, dass insbesondere die USA selbst Schuld daran seien, dass Russland neue Langstreckenraketen entwickelt habe. 1972 hatten Moskau und Washington ein Abkommen unterzeichnet, das den Einsatz von Raketenabwehrsystemen eingrenzen sollte. 2001 stieg die Bush-Regierung jedoch aus dem ABM-Vertrag aus.

Putin prahlte außerdem mit einem nuklear-betriebenen Marschflugkörper, der "eine unbegrenzte Reichweite und eine unberechenbare Flugbahn" habe. Er verglich das neue Geschoss mit den Tomahawk-Raketen, die Trump auf syrische Ziele abfeuern ließ – das russische Modell könne jedoch weiter fliegen und Abwehrmechanismen umgehen. Putin rief die Bürger dazu auf, auf der Website des Verteidigungsministeriums Namensvorschläge für den Marschflugkörper und eine unbemannte Torpedo-Drohne einzureichen.


Auf VICE: Russische Oligarchen lassen es krachen


Auf wen diese Waffen in Zukunft gerichtet werden könnten, macht Putin glasklar. "Wir haben die USA und die europäischen NATO-Mitglieder wiederholt gewarnt, dass wir Schritte einleiten werden, um uns gegen ihre Raketenabwehrsysteme zu wehren", sagte er. "Doch alle haben uns ignoriert. Niemand wollte uns zuhören. Also, hören Sie uns jetzt zu."

Verteidigungsexperten wissen bereits seit Jahren, dass Russland an den Waffensystemen arbeitet, die Putin im Zuge seines Wahlkampfes vorgestellt hat. Doch ob sie tatsächlich so leistungsfähig sind, wie er sagt, lässt sich ohne einen tatsächlichen Einsatz kaum beurteilen.

In dem Videomaterial, das Putin während seiner Rede benutzte, kamen weitaus mehr Computeranimationen als echte Aufnahmen vor. Das begründete der russische Präsident damit, dass echte Aufnahmen sensible Informationen preisgeben könnten. "Ich kann Ihnen versichern, dass all diese Waffen wirklich existieren und sehr gut funktionieren", beteuerte Putin. Von außen lässt sich das jedoch unmöglich bestätigen.

Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass die russische Regierung animierte Szenen für bare Münze verkauft. Ende vergangenen Jahres gab das russische Verteidigungsministerium beispielsweise Screenshots aus einem Videospiel für echte Kriegsszenen aus Syrien aus.