Ein Helixnebel | Bild: imago/ZUMA press

Von Vampir-Sternen und Geister-Galaxien: Die gruseligsten intergalaktischen Phänomene

In den Weiten des Weltalls lauert wahrhaft Schauriges: Nichts ist so angsteinflößend wie die Realität.

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30 Oktober 2017, 1:31pm

Ein Helixnebel | Bild: imago/ZUMA press

Halloween ist der perfekte Zeitpunkt, um sich mal wieder so richtig schön zu gruseln. Darum ziehen wir uns einen Horrorfilm nach dem anderen rein und schlüpfen in schaurige Kostüme. Auch wenn Hexen, Zombies und Trump-Masken schon ganz gute Ansätze sind, die eigenen Ängste zu konfrontieren: Nichts hält so viel Gruselpotenzial bereit wie unser Universum.

Wer sich einmal so richtig fürchten möchte, braucht daher nur einen Blick in den Sternenhimmel zu werfen: Jenseits unseres kuscheligen kleinen Planeten Erde fressen gewaltige Galaxien sich bei lebendigem Leibe gegenseitig auf, und kleine Sterne saugen ihren großen Brüdern die Lebenskraft aus.

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Grund genug, an Halloween einen Blick auf die gruseligsten Phänomene zu werfen, die die Weiten des Weltalls zu bieten haben.

Zombiesterne

Man könnte meinen, dass wir schon genug Zombies in unserem Leben haben: Es gibt Filme über Zombies, Fernsehserien über Zombies, den Song "Zombie" von den Cranberries und nicht zu vergessen: echte Zombies auf Haiti. Doch als ob das noch nicht genug wäre, gibt es im Universum auch noch sogenannte Zombiesterne.

Die extrem energiereichen Röntgenstrahlen in der Milchstraße beschreibt die NASA als das "Aufheulen" toter Sterne | Bild: NASA/JPL-Caltech

Der Begriff Zombiestern wurde in der Vergangenheit von Astronomen bereits für verschiedene Sternensysteme verwendet. Meistens ist mit diesem Begriff jedoch folgendes Szenario gemeint: Ein Weißer Zwerg mit geringer Masse explodiert in einer Supernova vom Typ Iax, was bedeutet, dass der Stern eine normalerweise tödliche Explosion überlebt. Danach gilt er als untoter Zombiestern.

Die NASA hat noch eine weitere Definition für Zombiesterne parat: Sie beschreibt "das mysteriöse Leuchten von energiereichen Röntgenstrahlen in der Milchstraße" als das "Aufheulen von toten Sternen, die ihre intergalaktischen Gefährten aussaugen". Gruseliger geht es kaum.

Hexenkopfnebel

Bild: NASA/STScI Digitized Sky Survey/Noel Carboni

Weltraumnebel sind riesige Wolken aus Staub und Gas, die oft als intergalaktische Brutstätten für neue Generationen von Sternen dienen. Da diese Phänomene geradezu geisterhafte Formen annehmen können, regen sie die menschliche Fantasie zu Hochformen an. So zum Beispiel der Nebel IC 2118, der auch als Hexenkopfnebel bekannt ist. Etwa 900 Lichtjahre von der Erde entfernt, wird er durch Rigel, den hellsten Stern im Sternbild Orion, beleuchtet.

Frankenstein-Galaxien

Ungefähr 250 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt liegt die Galaxie UGC 1382, die laut NASA aus verschiedenen "Ersatzteilen" anderer Galaxien zu bestehen scheint. Ihr Inneres scheint jünger als ihr Äußeres zu sein, und die verschiedenen Komponenten sind so verzerrt, dass sie sich über 718.000 Lichtjahre erstrecken – damit sind sie sieben mal so breit wie die Milchstraße.

Durch verschiedene Filter offenbart die gigantische Galaxie UGC 1382 ihr gruseliges Geheimnis | Bild: NASA/JPL/Caltech/SDSS/NRAO/L. Hagen and M. Seibert

"Diese seltene 'Frankenstein'-Galaxie konnte sich bilden und überleben, weil sie in einer netten, ruhigen Ecke des Universums liegt, wo sie ungestört vom sonstigen Chaos im Universum existieren kann", erklärte der Astronom Mark Seibert vom Carnegie Institution for Science in Kalifornien in einem NASA-Statement. "Sie ist so empfindlich, dass sie schon durch einen leichten Stoß von einem Nachbarn in sich zusammenbrechen würde."

An dieser Stelle sei gesagt, dass UGC 1382 korrekterweise natürlich nicht "Frankenstein-Galaxie", sondern "Frankensteins-Monster-Galaxie" heißen müsste.

Planeten aus der Hölle

Wir Erdbewohner haben bereits Erfahrungen mit brutalen Albtraum-Planeten. Nicht nur, weil bisweilen unser eigener so anmutet, auch unser nächster Nachbar, die Venus, ist wie ein mit Säure gefüllter Schnellkochtopf, der unsere Gesichter so schnell schmelzen lassen könnte wie sonst nur die Bundeslade in Indiana Jones.

Eine künstlerische Darstellung von Kepler-78b | Bild: David A. Aguilar (CfA)

Doch je weiter Astronomen in fremde, weit entfernte Welten außerhalb unseres Sonnensystems hineinblicken, desto deutlicher wird, dass es da draußen noch viel schlimmere Planeten als die Venus gibt. Da wäre beispielsweise Kepler-78b: Der Exoplanet ist nur ein wenig größer als die Erde und wird von einigen Forschern auch als "Höllen-Planet" bezeichnet.

Seine Umlaufbahn führt den Planeten Kepler-78b etwa 40 mal näher an seine Sonne heran, als der Merkur um unsere Sonne kreist. Seine gesamte Oberfläche ist vermutlich mit Lava bedeckt. Bei Temperaturen von bis zu 15.000 Grad Celsius wirkt die Venus mit 450 Grad Celsius im Vergleich geradezu kühl.

Der Höllenplanet ist übrigens dazu verdammt, in den nächsten drei Milliarden Jahren von seiner Sonne verschlungen zu werden.

Totenkopf-Asteroid zu Halloween

Der Totenkopf-Asteroid | GIF: NAIC-Arecibo/NSF

Pünktlich zu Halloween raste am 31. Oktober 2015 ein Asteroid an der Erde vorbei, der verdächtige Ähnlichkeit mit einem Totenschädel hatte. Passenderweise gab die NASA damals an, dass es sich bei dem gruseligen Gebilde wahrscheinlich um die Überreste eines toten Kometen handelte.

Vampirsterne

Durch unser eigenes Sonnensystem sind wir daran gewöhnt, dass sich alles um eine Sonne dreht. Es gibt allerdings auch sonnenähnliche Sterne, die als Doppelsterne oder Mehrfachsternsysteme existieren. Besonders oft ist das bei massereichen O-Sternen der Fall.

Künstlerische Darstellung eines kleineren Stern, der gerade einen O-Stern aussaugt. Bild: ESO/M. Kornmesser/S.E. de Mink | Wikimedia | Lizenz: CC BY 4.0

Oft werden die leuchtstarken Giganten von einem kleineren Stern begleitet, der von dieser Nähe profitiert und seinem größeren Gefährten Wasserstoffgas absaugt. Da die kleineren Sterne so ihre Lebenszeit verlängern können, werden sie auch als "Vampirsterne" bezeichnet.

Allerdings müssen wir nicht allzu viel Mitleid mit den O-Sternen haben. Das Absaugen der äußeren Wasserstoffschicht ist für die Riesen wie ein Facelift: Es lässt sie mehrere Millionen Jahre jünger erscheinen. Außerdem ist jede Doppelstern-Beziehung sowieso dazu verdammt, früher oder später in der feurigen Selbstzerstörung einer Supernova zu enden.


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Geistergalaxien

Galaxien können aus mehreren hundert Milliarden funkelnder Sterne bestehen, also sind sie normalerweise nicht sehr leicht zu übersehen. Allerdings hat man kürzlich entdeckt, dass es auch sogenannte "Geister-Galaxien" gibt.

Diese Geistergalaxie wurde mit dem Hubble Space Teleskop aufgenommen | Bild: NASA/ESA/and T. Brown (STScl)

Diese kleinen Masseklumpen bestehen vorrangig aus Dunkler Materie und sind vermutlich steinalt – sie sind so etwas wie galaktische Fossilien aus dem frühen Universum. Die Geistergalaxien sind überall im All verteilt. Da sie so wenig Sterne enthalten, braucht man aber spezielle Geräte wie das Hubble Space Teleskop, um sie aufzuspüren. Forscher glauben, dass sie über 13 Milliarden Jahre alt sind und dass ihre Fähigkeit, Sterne zu bilden, möglicherweise durch die Reionisierungsepoche gestoppt worden sein könnte.

"Diese uralten Galaxien haben alle etwa das gleiche Alter, also muss irgendetwas wie eine Guillotine auf sie niedergesaust sein und die Sternbildung in diesen Galaxien gestoppt haben", sagte Tom Brown, Astronom am Space Telescope Science Institute in Baltimore, in einem Statement der NASA. "Dafür ist die Reionisierung die logischste Erklärung."

Helixnebel is watching you

Dieser Helixnebel wurde mit dem Spitzer Space Telescope der NASA aufgenommen | Bild: NASA/JPL-Caltech/Univ.of Ariz.

Wer hat schon Zeit, sich wegen der Überwachungsmethoden der NSA Sorgen zu machen, wenn dieses gigantische Auge sowieso jeden unserer Schritte überwacht? Der Helixnebel befindet sich etwa 700 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Wassermann und wurde bereits im Jahre 1824 entdeckt. Wahlweise wird er auch als "Das Auge Gottes" oder als "Saurons Auge" bezeichnet.

Kosmischer Kannibalismus

Machen wir uns nichts vor: Im Universum gehört Kannibalismus zum guten Ton. Sterne fressen Planeten wie Tapas und verleiben sich manchmal sogar so viele andere Sterne ein, dass sie fast platzen. Auch Galaxien vernaschen gerne ihresgleichen – unsere Milchstraße ist beispielsweise immer noch dabei, einige kleinere Galaxien zu verdauen, die sie in der Vergangenheit geschluckt hat. Sogar Schwarze Löcher wurden beim Verschlingen anderer Schwarzer Löcher beobachtet. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass Kannibalismus auf der Erde deswegen in Ordnung ist – auch wenn er häufiger vorkommt, als man vielleicht glauben mag. Aber zumindest hat das Universum kein Recht, dich schief anzugucken, wenn du doch mal deinen Nachbarn anknabberst.

In diesem Sinne: Happy Halloween!