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Die Welt fährt sehr bald zur Hölle

26.1.11

Hört sofort mit allem auf, was ihr gerade macht und sucht euch einen richtigen Job, bei dem ihr lernt Getreide anzubauen und Kühe zu melken oder sowas, denn laut Michael C. Ruppert steht uns das Ende von allem bevor.

Als wir von den Demos zurückgekommen sind, brachten wir Henry in ein Krankenhaus um seinen Kopf flicken zu lassen. Wir sind dann in sein Apartment in King’s Cross und haben uns den Film Collapse auf Youtube reingezogen.

Collapse erschien bereits im vergangenen Jahr in Großbritannien und wird am 10. Februar auch in Deutschland anlaufen, Chris Smith (American Movie) hat Regie geführt und der Film bezieht sich auf ein Interview mit Michael C. Ruppert, einen investigativern Journalisten und Ex-Beamten des Los Angeles Police Department, von dem manche sagen er sei Verschwörungstheoretiker.

In diesem Film behauptet Ruppert, dass die Ölvorkommen der Welt viel schneller erschöpft sein werden, als uns die Massenmedien glauben machen wollen, und dass wir aktuell dabei sind, die letzten Entwicklungsstadien moderner Industrie zu erreichen. Wir sind keinesfalls Verschwörungstheoretiker aber wir raten euch allen trotzdem dringend, diesen Film so bald wie möglich zu sehen.

Am Tag nachdem wir Zeugen der absolut apokalyptischsten Szenen wurden, die man jemals in Großbritannien zu Gesicht bekommen hat, haben wir Ruppert noch mal angerufen. Wir fragten ihn nach seiner Meinung zu den Studentenprotesten. Er hatte ein paar interessante Sachen dazu zu sagen.

Vice: Welchen Rat würdest du den Leuten geben, die heute da draußen protestieren? Ich meine nicht die, die Ärzte oder Biologen werden wollen sondern eher denen, die ihren Abschluss in Marketing oder Medienwissenschaften machen wollen.

Michael C. Ruppert: Die einzige Ausbildung, für die es sich zur Zeit lohnt einen Kredit aufzunehmen, ist praxisorientiertes Handwerk. Mach was, das dir hilft am Leben zu bleiben. Die Industriegesellschaft bricht gerade zusammen und es wird keinen Aufschwung mehr geben. Die Öl-Ressourcen sind dabei sich zu verabschieden, das kann niemand bestreiten. Es gibt einen 96-prozentigen Zusammenhang zwischen dem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und den Treibhausgas-Emissionen, was bedeutet, dass keine Erholung (des Marktes) möglich ist, ohne jede Menge Öl und Kohle zu verheizen. China kämpft überall auf der Welt um Kohle weil seine Fabriken sonst schließen müssen - sie sind auf die Kohle für ihre Energie angewiesen. Deshalb ist jede Art von Karriere, die sich in diese Richtung orientiert, nicht besonders empfehlenswert weil keine besseren Zeiten mehr zu erwarten sind.

Also mit anderen Worten – du kannst dir den Job als TV-Moderator abschminken, wenn es kein Öl gibt um den Fernseher anzuschmeißen.

Und es gibt nichts, um es zu ersetzen.

Ihr dürft euch schon mal auf 'ne Menge mehr von denen freuen

Wann rechnest du mit diesem Szenario?

Genau jetzt – es passiert gerade. Wir haben es jetzt mit einem völlig neuen Stadium des Niedergangs zutun. Man kann es gerade beobachten – eine neue Runde europäisches Domino mit all den Rettungspaketen und Hilfsprogrammen.  Alles was sie tun, ist Geld zu drucken - und niemand glaubt mehr daran, dass das noch irgendwas nützt weil Geld nur ein Symbol dafür ist, was Energie relevant macht.

Was sollten  Studenten  jetzt machen, die einen Job wollen?

Sie müssen Fähigkeiten erlernen oder Gewerbe in Betracht ziehen, die irgendwie sinnvoll sind. Schreiner, Landwirte, Elektriker. Es werden nicht viele Karrieren übrig bleiben. Und die  Jobs, für die sich die Leute in Schulden stürzen? Diese Jobs werden sich dann sowieso erledigt haben.

Was würdest du zu einem Studenten sagen, der gerade von den derzeitigen Protesten in Grossbritannien zurück kommt und direkt in sein neues Ipad twittert, dass alles so unfair ist und dass er jetzt doppelt so viel hinblättern muss, um seine dreijährige Ausbildung in japanischem Spielzeugroboter-Design abzuschließen?

Ich glaube die wären alle besser beraten wenn sie sich ein Stück Land suchen würden, um da Lebensmittel anzubauen. Die Leute kapieren nicht, dass es vor der industriellen Revolution und dem Einsatz von Öl nur eine Population von einer Milliarde Menschen auf der Erde gab. Jetzt sind es aber sieben Milliarden - und wir können sie nicht alle ernähren und am Leben halten. Ich will hier nicht beleidigend sein oder so, aber deine Generation hat sehr hohe Ansprüche und glaubt vielleicht, es gäbe  irgendwo einen riesigen Haufen Rohstoffe den irgendjemand finden wird und dann ist alles wieder ok. Aber da gibt es kein geheimes Lagerhaus zu entdecken. Da ist keins.

Es gibt Berichte darüber, dass die britische Polizei anfängt sich zu militarisieren. Mehr Waffen und gepanzerte Fahrzeuge (wie dieses Ding auf dem Bild da oben) werden angeschafft und die Beamten trainieren SAS-Taktiken. Die Massenmedien sagen, man wolle die Leute vor Terror-Attacken wie in Mumbai schützen. Aber in Wirklichkeit geht es darum, auf ein neues Ausmaß extremster Gewaltausschreitungen vorbereitet zu sein, die das Land erwarten wenn die britische Wirtschaft wirklich am Ende ist.

Das wird in ganz Europa passieren. Ein Dilemma passiert z.B. zur Zeit in Polizeibehörden, denen gerade weltweit die Mittel aufgrund von massiven Einsparungen im Staatshaushalt um streckenweise 50 Prozent weggekürzt werden, die aber trotzdem die Anweisung haben die Ordnung aufrecht zu erhalten.

Foto mit freundlicher Genehmigung von Michael C. Ruppert