Hinter dem Cover

Ursprünglich aus Upstate New York hat Künstler Michael Lundgren mittlerweile Kiefernwälder gegen Kakteen eingetauscht und dokumentiert in seiner neuen Heimat, in der amerikanischen Sonora-Wüste, die karge Schönheit der Region.
6.10.16

Aus der Sick Day Issue

Ursprünglich aus Upstate New York hat Künstler Michael Lundgren mittlerweile Kiefernwälder gegen Kakteen eingetauscht und dokumentiert in seiner neuen Heimat, in der amerikanischen Sonora-Wüste, die karge Schönheit der Region. Sein Buch Matter zeigt die wilde, oft fatalistische Ästhetik von Landschaften aus aller Welt und beschwört in jedem Bild unheimliche, übernatürliche Motive herauf.

Wie hast du die Schlange auf unserem Cover fotografiert?
Ich fuhr in Mexiko durch einen furchtbaren Sturm. Es hat so heftig geregnet, dass die Straße ein Fluss aus Steinen und Schlamm war und es war natürlich Nacht. Ich traf auf diese Schlange, die in dieser merkwürdigen, perfekten Pose da lag. Ich fotografierte sie mit Blitz und kann mich noch erinnern, wie ich durch den Sucher schaute und der Blitz sich auf der regennassen Fahrbahn spiegelte, wie eine Nebula. Das Original ist ein großer Print, voller Details. Die kleinen Steine im Asphalt erinnern an ein Foto vom Nachthimmel—all diese Farben, wie Sterne—aber am Ende dann siehst du wieder den Asphalt mit der toten Schlange. Ich habe eine Schwäche für solche Bilder—wo es zuerst ein weltliches Foto ist, dann zu etwas anderem wird und dann wieder weltlich. Es geht dabei zu gleichen Teilen um Fotografie wie Mythologie.

Inspektion einer frühen Auswahl von Matter, Cedar Mesa, Utah

Deine ganze Serie Matter zeigt wirklich beeindruckende und sehr unterschiedliche Motive aus der Natur, wo hast du all das gefunden?
Ich bin die letzten 20 Jahre durch abgelegene Teile des Westens der USA sowie von Mexiko und Europa gereist. Dieses Buch, Matter, ist eine Auswahl aus den letzten neun Jahren dieser Anstrengungen. Ich suche das Unvorstellbare oder eher: Ich bin auf der Jagd nach dem, was ich nicht verstehe. Es gibt Tausende Bilder aus dieser Zeit (alle auf Film und hauptsächlich Großformat), aber Matter ist eine sehr präzise Auswahl. Die Vielfältigkeit, die du siehst, ist meinem Verlangen geschuldet, Ideen und Fragen voranzutreiben, aber mich niemals zu wiederholen.

Michael überdenkt ein Bild, Pinacate, Mexiko; Foto von Nidaa Aboulhosn

Warum hast du deine Serie Matter genannt?
Ich habe sehr früh gemerkt, dass der Großteil meiner Motive Objekte waren, die irgendwie vor mir auf der Erde lagen. Ich sah, dass es möglich war, diesen Artefakten Macht zu verleihen, sie durch den fotografischen Prozess zum Leben zu erwecken—aber nicht als lebendige Objekte, sondern etwas anderes. Die Frage war: "Ist Materie eine Kraft oder nur ein Material?", und da ich kein Wissenschaftler bin, kann ich diese Frage und die Fotos, die daraus entstehen, so weit treiben, wie ich möchte. Vielleicht entsteht alles aus Materie, auch Ideen.