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So wohnst du, wenn du jung und pleite bist

Scheiß auf das Alter deiner Mitbewohner, zieh in Städte mit Leerstand oder fülle Formulare aus.

von Sofia Faltenbacher
04 August 2016, 9:38am

Schlecht drauf, weil du keine Wohnung findest? | Foto: imago | imagebroker

In San Francisco ist ein Typ in eine Box, nicht größer als eine Hundehütte gezogen, weil die Mieten dort so absurd hoch sind. Hier in Deutschland könnte so etwas auch bald passieren. Die Mietpreisbremse hat bisher überhaupt nichts gebracht. Sie sollte verhindern, dass Vermieter den Wohnungsmangel in den Städten weiter ausnutzen und immer weiter die Preise erhöhen. Über 300 Städte in Deutschland haben es im letzten Jahr den Mietern schwerer gemacht. Geändert hat sich kaum etwas.

In Berlin sind die Mieten so hoch wie nie, mittlerweile steigen sie sogar in den Randbezirken. Monate nach einer Wohnung zu suchen, wird oder ist normal. Trotzdem gehört Berlin noch nicht mal zu den zehn teuersten WG-Städten. Wer nach Frankfurt will, kann sich gleich auf Pendeln einstellen, und wer doch ein Zimmer findet, zahlt im Mittel 435 Euro. In München kostet ein WG-Zimmer im Durchschnitt 545 (!) Euro.

Eine Bundesrats-Initiative zur Reform der Mietpreisbremse ist unterwegs, aber bis die uns hilft, sind wir nicht mehr jung, pleite und wohnungssuchend, sondern nur noch pleite und wohnungssuchend. Was können wir also jetzt machen? Wir haben da ein paar Tipps.

Sei vor Ort: Geh Bier trinken

Vor deinem Computer wird es auch nicht besser | Fotos: pexels, wenn nicht anders angegeben

Egal, wo du eine Wohnung suchst, verzweifle nicht vorm PC und hör auf, dich von einem teuren Angebot zur nächsten unsympathischen Ausschreibung auf WG-Gesucht zu klicken. Ziehe einfach in die Stadt, in die du willst, sei es auch erst mal zu Freunden oder Bekannten. Du kennst noch niemanden? Wir haben 2016. Geh Couchsurfen. Mit jedem Mal Rausgehen, mit jedem Menschen, den du kennenlernst, erhöhen sich die Chancen, jemanden zu treffen, bei dem ein WG-Zimmer frei wird. Oder bei seiner Tante, dazu kommen wir jetzt:

Suche erweitern: Zieh zu deiner Oma

Auch Menschen über 70 können cool sein | Foto: von der Autorin

Die Autorin dieses Texts hat das tatsächlich gemacht, als sie verdattert vor den Münchner Mietpreisen zurückschreckte. Was aber gemeint ist: Wenn du über 40-jährige Mitbewohner nicht kategorisch ausschließt, erleichtert das die Suche erheblich. Wenn dir jetzt die Horror-Geschichte des WG-Castings der Freundin einer Freundin in den Sinn kommt, geht es dir wie mir: "Ein altes Hippie-Paar, das den ganzen Tag nackt herumläuft und dasselbe auch von mir erwartet hat." Ja, es gibt diese Storys. Aber ganz ehrlich, wie viele der vernünftigen Mittfünfziger da draußen sind Nudisten? Manche freuen sich eher, dass du frisches Ding Leben in die triste Bude bringst. Wenn es zu trist ist und du beim WG-Casting schon Probespülen musst, brauchst du gar nicht erst einzuziehen. Aber das würdest du schließlich auch nicht, wenn 23-Jährige dich das fragen würden.

Platz schaffen: Ein kleines Zimmer reicht – wenn du ein besetztes Haus hast

Auto ist Auto

Nein, VICE rät dir nicht, in ein leerstehendes Haus zu gehen und dort zu pennen. Aber: Je mehr Orte du hast, an denen du dich wohl fühlst, desto kleiner—und damit billiger—kann dein Zimmer sein. Klar gibt es in Hamburg und Berlin besetzte Häuser und linke Kneipen, in denen du dich kiffend über die Gentrifizierung auslassen kannst. Schimpfen hilft aber weder dir, noch löst es dein Wohnungsproblem. Projekte wie wirbrauchenplatz zeigen, dass es auch noch Städte gibt, in denen Neues entsteht. Eine Gruppe Jugendlicher hat in Halle ein Haus besetzt, sie haben die Stadtpolitiker von ihrem Kulturprogramm überzeugt und Schwupps: Nach wenige Wochen waren sie geduldet. Das geht eben nur in Städten, wo nicht an jeder Ecke Bürotürme aus dem Boden schießen, sobald etwas frei wird. Das geht an Orten, wo noch Platz ist. Dort sind übrigens auch die Mieten billiger.

Formulare ausfüllen: Hol dir einen Schein, der zeigt, dass du pleite bist

Du willst aber Großstadtluft riechen? OK, wenn du wenig verdienst, bekommst du auch als Student oder Azubi den sogenannten Wohnberechtigungsschein (WBS). Du musst nur akribisch genau beweisen, dass du echt keine Kohle hast. Wer BAföG beantragt hat, weiß, wovon die Rede ist. Mit dem Schein hast du noch keine eigenen vier Wände—bis dahin steht dir noch weiterer Papierkram bevor—, aber damit kannst du dich auf eine Sozialwohnung bewerben. Wenn dir das zu viel ist, versuche Punkt 3. Aber auch da wirst du an Formularen und Verträgen nicht vorbeikommen.

Fahrrad besorgen: Der Sommer ist lang

Stadtmitte kriegst du wahrscheinlich nicht. Das U-Bahn-Ticket ist teuer. Hol dir ein Fahrrad. Wenn du dir Hamburg ausgesucht hast, besorg dir ein müllsackartiges Regencape dazu.

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