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Vice Blog

Abgetrennte Beine, Unfallwagen, und eine frittierte Bibel

Die aus Glasgow stammenden Künstler Little Whitehead machen für gewöhnlich unheimliche Installationen und Gipsabdrücke von Selbstmördern. „The Thing“ ist  nun eine 200 Jahre alte Bibel, die sie aus...
30.6.10

Die aus Glasgow stammenden Künstler Little Whitehead machen für gewöhnlich unheimliche Installationen und Gipsabdrücke von Selbstmördern. „The Thing“ ist  nun eine 200 Jahre alte Bibel, die sie aus irgendeinem Grund frittiert haben. Ich hab sie also mal angerufen um herauszufinden warum sie „die Leute visuell verprügeln“ wollen.

Es war sehr nett mit ihnen zu sprechen, aber man kann ihre Linienführung wohl nicht mit der von David Shrigleys verlgeichen. Und das nervt sie wahnsinnig.

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Vice: Ihr habt euch auf der Kunsthochschule kennengelernt, richtig? War es Liebe auf den ersten Blick?

LWH: Kein andere hat mit uns gesprochen, oder wollte sich mit uns anfreunden. Es war eine Freundschaft die vorhersehbar war, die einsamen Typen auf denen immer herumgehackt wird.

Ist das der Grund warum ihr die Leute jetzt visuell verprügeln wollt?

Das ist lustig. Es war nur ein Witz und dann haben wir ihn irgendwie zu unseren Leitsatz gemacht. Es hat sich gesteigert, weil irgendwer ein Essay über uns schrieb und es so irgendwie zum Ethos wurde, aber wir machen uns einfach nur darüber lustig.

Nicht viele Leute sehen Leichen, dementsprechend ist es vermutlich eine sehr brutale Erfahrung Leute zu sehen die Suizid begangen haben. Vielleicht verprügelt ihr ja auf diese Weise die Leute visuell?

Wir mögen den voyeuristischen Aspekt unserer Arbeit, unsere Arbeiten sind zugänglich. Du bekommst nichts zugänglicheres als Realismus. Es ist eine schöne Beziehung, die sich zum Betrachter aufbaut, der das ganz legitim beobachtet kann.

„So This Is Romance“ ist einfach ein Fuß der aus einem Leichensack hervorragt. Ist das, das was ihr für Romantik haltet?

Ich habe mal einen Artikel über ein schwules Paar gelesen, dessen sexueller Fetisch daraus bestand, Dinge in einen spezialangefertigten Zwei-Personen-Lederanzug zu machen. Es ist eigentlich als mechanisches Stück gedacht. Als wir es installierten hat der Sack masturbiert. Ich denke wir haben „So This Is Romance“ als freudlosen, schwarzen Scherz empfunden. Es geht mehr ums Leben als um irgendeinen bestimmten Fetisch oder Ähnliches. Bei „Fourth Wall“ läuft der Betrachter in ein dunkles Lagerhaus und dann fokussiert sich ein Scheinwerfer auf ihn und Gelächter wird abgespielt. Das ist auch sehr einsam. Wir mögen „Fourth Wall“ es ist einfach irgendwie lustig. Der Betrachter ist der Schlüssel dazu, es funktioniert nicht bevor er da ist. Sie gehen zu einer Ausstellung und werden dann ausgelacht. Das ist leicht pervers.

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Ich vermute es ist nett, dass sich auch das Publikum kritisiert fühlt, für gewöhnlich ist das Augenmerk ja eher auf eure Arbeiten gerichtet.

Ja. Es ist schon irgendwie gemein da zu stehen, wenn das Gelächter losgbricht Es ist einschüchternd dort zu stehen und vom Scheinwerferlicht geblendet zu sein. Eine seltsame Erfahrung.

Bei „Nine Days, Seventeen Hours, Thirty-two Minutes, Six Seconds“, ist der Typ der sich erhängt hat von einer Jukebox gesprungen. Das scheint auf eine bestimmte Weise signifikant zu sein.

Ja, die Jukebox spielt Musik, und jedes Mal wenn er die Jukebox trifft springt der Titel weiter. Die Songs sind wichtig. Für gewöhnlich wird ein Stück von Oliver Onions gespielt, es heißt „Santa Maria“. Es ist ein kitschiger Europop Song aus den Achtzigern. Wenn du es siehst ist es irgendwie lustig. Der Motor ist sehr wichtig dabei, denn offensichtlich geht es einfach immer, und immer, und immer so weiter, die Sache ist also dieser absurde, wiederholende Lebenszyklus.

Ich habe einen Onkel der Polizist ist, und Leute gesehen hat, die in den unangenehmsten Situationen gestorben sind, wie dieser alte Mann der gestorben ist, während sein Schwanz in der Glasflasche steckte in die er versucht hatte zu pinkeln. Und eine Freundin von mir hatte mal einen Autounfall. Als sie die Tür des LKWs der ihr Auto angefahren hat öffnen und den Typen retten wollte, sah sie, dass der Typ noch am Leben war, aber ihr wurde klar, dass der Grund weshalb er sie angefahren hat war, dass er beim Fahren masturbierte. Er hatte seine Hose unten und alles. Es ist ein gutes Symbol für das Leben generell, oder?!

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Vermutlich hast du uns gerade unsere nächsten zwei Werke genannt.

Cool! Momentan seid ihr irgendwie begeistert davon zu schockieren, oder? „Stoke“ ist eine Darstellung von einem Auto, dass gegen einen Baum gefahrenen ist, ziemlich schockierend.

Wir sind nicht mit der Absicht zu schockieren an die Sache herangegangen, aber wenn wir das im Laufe des Betrachtens schaffen, ist das gut. Ich denke, das Problem mit dem „Stoke“ Stück ist, dass es gar nicht um den Autounfall geht, mehr um das verlassene Auto, das gegen einen Baum gefahren ist. Aus dem Kofferraum kamen Geräusche, als sei jemand darin eingesperrt, und sehr erbärmliche Hilferufe. Eine Gruppe die sich für mehr Sicherheit auf der Straße engagiert hat das extrem genervt, da sie auf finanzielle Unterstützung für ein Straßensicherheitsprogramm gehofft haben, diese aber nicht bekommen haben.

Ihr habt auch noch ein anderes Unfallstück, “Nothing Ever Happens Here“ mit zwei Autos in einem Lagerhaus. Die Scherben auf dem Armaturenbrett sind das Gruseligste daran.

Wir hatten einen gruseligen Track dazu, und das einzige Licht für diese Show kam von den flimmernden Scheinwerfern des kaputten Vans, der auf der Seite lag. Die Leute von der Presse behaupteten, dass es irgendwie David Lynch-mäßig war, einfach nur in dieser Szene herumzulaufen. Das Geräusch war ein furchtbarer Sound, der aus einen der Autos kam. Es war unbehaglich dort zu stehen, es fühlte sich komisch an dort herumzulaufen, man ahnte dass etwas schlimmes passiert sein muss.

Die Scheiße in „Shit Shoe“ sieht aus wie ein Darm.

Es ist Sprühschaum mit brauner Ölfarbe. Ich nehme an das man sich die Eingeweide auskacken kann. Es ist der Schuh von unserem Dad.

Was hat euch zu “It Happened In The Corner” inspiriert?

Ein Spaziergang durch Glasgow hat uns zu diesem Stück inspiriert. Da gab es mal einen Unfall und ein Haufen Leute haben sich darum versammelt. Ich weiß bis heute nicht, was los war, aber ich wollte es unbedingt wissen. Das wurde sehr nervig. Das meiste Machen wir aus Gipsabdrücken von echten Menschen. Viele Leute denken wir verwenden Schaufensterpuppen, aber das tun wir nicht, weil die zu allgemein sind, und weil die Körperformen keinen Charakter haben. Der Grund weshalb unser Zeug einem direkter erscheint ist, dass die Formen bekannt sind und realistisch aussehen. Das ist immer interessanter.

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Was haltet ihr von London?

London ist gut, aber ziemlich normal. Ich nehme an, das wenn wir oft in London wären, es schnell langweilig würde. Wenn du in die Nähe von Hoxton kommst ist es leicht ein Künstler zu sein, jeder ist das dort, das ist das was man da so macht. Selbst in Glasgow gibt es Gegenden in denen es einfach ist, ein Künstler zu sein, aber hauptsächlich wohnen wir doch in einer alten Bergbau Stadt. Hier bekommst du keine Künstler. Es ist hart, du machst es nicht um gesehen zu werden oder cool zu sein.

Nun

Wir wurden mal gefragt, eine Performance in der Trolley Gallery in Shoreditch zu machen, während wir gerade in London waren. Wir wussten nicht warum sie uns das fragten. Aber die Gallary stimmte zu unserer Zugtickets zu zahlen, also war es klar, schließlich waren das 220 Pfund. Wir haben eine Kassette aufgenommen auf der wir schlecht Orgel spielten, und als die Leute langsam dort ankamen, rannten wir weg zum Pub und riefen den Typen an der das Ganze organisierte, und sagten ihm, er solle den Play Button drücken. Das war die Performance. Wir haben versucht ihn dazu zu bringen Geld vom Publikum zu bekommen: Wir haben einen Becher dort gelassen, also schrieben wir ihm eine SMS in der wir ihn darum baten, den Becher herumgehen zu lassen, aber wir haben nur ein paar Cents bekommen. Es war nicht so großartig.

Ich bin mir sicher, dass es jeder, der dort war total toll fand.

Ich glaube dass sie das tatsächlich fanden. Sie waren etwas genervt, aber als sie realisierten das wir abgehauen sind fanden sie das irgendwie gut, was auch seltsam war. Wie dem auch sei, ich muss los.