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Popkultur

Heulsuse der Woche: Edathy vs. ‚Germany’s Next Topmodel‘

Sebastian Edathy stilisiert sich nach seinem Kinderporno-Prozess als Opfer und für die GNTM-Teilnehmerinnen gibt es nichts Schlimmeres, als sich umstylen zu lassen.
6.3.15

Und wieder ist es an der Zeit, sich über ein paar Menschen zu wundern, die mit der Welt nicht fertigwerden.

Heulsuse #1: Sebastian Edathy

Screenshot: Facebook

Der Vorfall: Der Politiker steht wegen des vermeintlichen Besitzes von kinderpornografischem Material vor Gericht und kommt mit einem blauen Auge (5.000 Euro Strafe) davon. Die Öffentlichkeit ist empört.

Die angemessene Reaktion: Den Shitstorm vorbeiziehen lassen, Reue zeigen, vielleicht darauf hinweisen, dass Deutschland nach wie vor ein Rechtsstaat ist und der Prozess womöglich zu Recht eingestellt wurde.

Die tatsächliche Reaktion: Sich öffentlich als Opfer der Situation inszenieren.

Kinderpornografie ist eigentlich ein Thema, zu dem man nur eine Meinung haben kann—oder zumindest sollte. Dementsprechend ist die empörte Reaktion der breiten Öffentlichkeit zu Sebastian Edathys Prozess nicht wirklich überraschend. Der SPD-Mann soll kinderpornografisches Material—genauer gesagt: Nacktaufnahmen von Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren—über einen kanadischen Pädophilenring bezogen haben. Der Prozess wurde nun allerdings eingestellt, Edathy kam nach einem Geständnis mit einer Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro davon.

Statt nun den Kopf tief zu halten und zu hoffen, dass sich die Empörung in Medien und Bevölkerung nach und nach legt und, wenn es denn nicht anders geht, immer wieder darauf zu pochen, dass schließlich das Gericht diese Entscheidung getroffen habe, nicht er, entschied sich der 45-Jährige für eine durchaus überraschende Art und Weise, mit seiner gesellschaftlichen Hinrichtung umzugehen. Er stilisiert sich als Opfer, als Geschädigter, als unbescholtener Bürger, dem ein großes Unrecht widerfahren ist.

Auf seiner Facebook-Seite reiht sich ein Link zu einem negativen Artikel an den nächsten, immer mit dem Zusatz, wie haltlos, wie unfassbar, wie „infam" doch die Vorwürfe gegen ihn seien. Das ist in Anbetracht des Strafbestands nicht nur absolut unglaublich, zusätzlich behauptet Edathy außerdem, nie ein Geständnis abgelegt zu haben. Egal, wie überzogen auch die öffentliche Empörung, die von Gewaltandrohung bis Todesstrafen-Forderung reicht, sein mag—wer es schafft, wegen des Besitzes von Kinderpornografie angeklagt zu werden und sich trotzdem noch als Opfer der Situation zu sehen, macht sich keine Freunde. Außer, sie gehören der Facebook-Verschwörungsclique an.

Heulsuse #2: Die Kandidatinnen von Germany's Next Topmodel

Der Vorfall: Wie bei jeder Staffel steht für die Model-Aspirantinnen ein Umstyling an.

Die angemessene Reaktion: Sich Stufen schneiden lassen, wenn ein Star-Stylist es vorschlägt.

Die tatsächliche Reaktion: Komplett ausrasten.

Jedes Jahr werden die vermeintlich schönsten Mädchen Deutschlands von ProSieben nach Los Angeles gekarrt, dürfen dort umsonst in einer Villa leben und jeden Tag neue, spannende Aufgaben absolvieren und am Schluss wird eine der Kandidatinnen zu Germany's Next Topmodel gekürt und darf ein Jahr später irgendeine Boulevard-Sendung moderieren. Zusätzlich gibt es noch jede Menge Gratiskram und die Möglichkeit, Mini-Urlaub an Orten zu machen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Ziemlich super, eigentlich. Oder?

Anscheinend nicht. Denn was zwar ebenfalls in jeder Staffel passiert, aber trotzdem immer wieder aufs Neue eine ganz große Überraschung für alle Teilnehmerinnen zu sein scheint: Sie müssen sich—zum Teil ziemlich umfassend—umstylen lassen. Weil sich selbst gekaufte Werbepartner nicht für Mädels interessieren, die aussehen, als wären sie aus der erstbesten Dorfdisko weggecastet worden. Diesen Donnerstag war es wieder soweit und statt den Friseurbesuch mit der Grandezza eines Topmodels in Spe zu ertragen, flossen Tränen und flogen Schimpfworte, dass es eine wahre Freude war.

„Die blöde Alte sagt, ich seh' scheiße aus", äußerte Kandidatin Chiara, deren dauergeglättetes Haar in seinen wilden Urzustand zurückversetzt wurde, während ihre 17-jährige Konkurrentin kichernd daneben stand. Als eine andere nicht aufhörte, über die juckende Haarfarbe (immerhin: Lila) zu mosern, überraschte Teilnehmerin Darya mit ungeahnter Streetcredibility: „Boah, Alter! Ich schwöre, ich könnte der am liebsten in die Fresse reinspucken!" Als es an die eigenen Haare ging, war es mit der Kritik an der Kritik allerdings wieder vorbei. Einer Promi-Friseurin passiert es wahrscheinlich auch nicht alle Tage, dass ihr von einer 22-jährigen Castingshow-Kandidatin gesagt wird, dass sie keine Ahnung von ihrem Job hat.

Dass man es sowieso keinem der Mädchen recht machen kann, bewies Sarah. Während die anderen mit ihren neuen Looks haderten, beschwerte die 16-Jährige sich nämlich darüber, dass ihre Haare nicht abgeschnitten wurden.

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