Montagsdemo-Initiator Lars Mährholz verschweigt seine rechte Vergangenheit

Mährholz präsentiert sich als netter, verpeilter Hippie, der nur Frieden will. Das ist er aber nicht.

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Mai 21 2014, 12:10pm

Ich war gestern zum vierten Mal auf der Montagsdemo vor dem Brandenburger Tor. Diesmal um einiges schlechter besucht als bei den letzten Malen, gab es (und ich weiß, ich wiederhole mich) den üblichen Mischmasch aus verkürzter Kapitalismuskritik, esoterisch Angehauchtem und Verschwörungsnonsens. Wie so oft war der einzige Lichtblick die Antifa, die diesmal nach einem Gerangel allerdings mitsamt USA und Israel-Flaggen des Platzes verwiesen wurde.

Auch wenn die friedensbewegten Demonstranten und vor allem Kommentatoren das anders sehen, so ist es doch so, dass eine Kritik an der Friedensdemo und an den Organisatoren keine Kritik an einem (wenn auch diffusen) Friedenswunsch ist. Frieden ist super. Aber wenn der Ruf danach mit antisemitischen und nationalistischen Tönen garniert ist, dann ist das 1. problematisch und 2. deutet es auf ein Weltbild der Organisatoren hin, das nicht grade einen schlanken Fuß macht.

Ken Jebsen hat alles im Blick. Links in brauner Jacke übrigens Thomas Keller, Freund und Weggefährte von Dr. Axel Stoll

Letzte Woche ging es um genau diese Leute: Ken Jebsen, Jürgen Elsässer (von dem man sich jetzt angeblich offiziell distanziert, was ihn nicht daran hindert, nächste Woche bei der Mahnwache in Erfurt zu sprechen) und Andreas Popp (dessen Plan B auf Theorien des NS-Ökonoms und Nazi erster Stunde Gottfried Feder zurückgeht, der zwischen raffendem—also jüdischem—und schaffendem—also deutschem—Kapital unterscheidet).

Aber reden wir doch mal über den offiziellen Kopf der Demos, Lars Mährholz. Laut eigener Aussage hat er Anfang des Jahres bemerkt, dass politisch in Deutschland einiges falsch läuft, hat angefangen, darüber nachzudenken, und sich schlussendlich entschlossen, die Mahnwache bzw. Montagsdemonstration ins Leben zu rufen. Am 12. März postet er ein Foto der Demoanmeldung auf Facebook und der Rest ist scheinbar Geschichte. Mittlerweile gibt es die Mahnwache, ihm zufolge, in über 60 deutschen Städten. Vor allem in Berlin bemüht er sich auf der Bühne darum, sich von Extremismus zu distanzieren, und gibt den leicht verpeilten aber total netten Conferencier, der Redner ankündigt und ansprechbar und auf dem Boden geblieben wirkt.

Lars Mährholz

Aber Überraschung, Friedensfreunde! Lars Mährholz ist bei weitem nicht so nett, „unpolitisch“ und naiv im Umgang mit den Medien, wie er sich präsentiert. Der 34-Jährige war von 2001 bis 2007 Mitglied und Beisitzer im „Verband Junger Journalisten“ (VJJ), der von Torsten Witt gegründet wurde. Witt starb 2010, aber war zu Lebzeiten eine schillernde Figur im rechtsnationalen Milieu. Er durchlief mehrere Parteien und siedelte sich dort immer im jeweils rechten Flügel an. Vor allem interessant ist seine Mitgliedschaft im nationalliberalen Flügel der FDP von 88-97. Die Berliner Nationalliberalen hatten geplant, die gesamte FDP zu übernehmen und sie zu einer deutschen FPÖ umzubauen. Dieser interne Putsch war nicht erfolgreich und Witt wechselte zum Bund Freier Bürger. 1999 nimmt Witt zusammen mit Horst Mahler (damals noch Anwalt der NPD, heute im Knast wegen Holocaustleugnung und Volksverhetzung) an Demonstrationen gegen die doppelte Staatsbürgerschaft teil und organisiert interessanterweise Montagsdemos. Allerdings nicht für den Frieden, sondern gegen das geplante Holocaustmahnmal.

2004 wollte er schließlich mit seinem VJJ den Deutschen Journalisten Verband Brandenburg übernehmen, indem die eher rechtslastigen Mitglieder des VJJ (inklusive Mährholz) gesammelt in den DJV eintraten und ihn prompt zum Vize-Vorsitzenden wählten. Mitglieder des DJV bezeichneten ihn als Rechtsextremisten, wogegen er klagte. Am 07.12.2004 verfügte das Oberlandesgericht München zu dem Thema unter anderem Folgendes: „Im übrigen kann dem Verfügungsbeklagten nicht verboten werden den Antragsteller (Torsten Witt) allgemein als 'Rechtsextremisten' zu bezeichnen. [...] Unstrittig hat (Witt)  [...] Kontakte zu Gruppen gehabt, die [...] als deutlich rechtsstehend oder als rechtsextrem eingestuft werden bzw. wurden […]“.

Natürlich kann man nun daraus nicht direkt auf die politische Gesinnung von Lars Mährholz schließen, allerdings zeichnet sich hier doch ein ziemlich anderes Bild als das vom mehr oder minder apolitischen Hippie, der doch nur was für den Frieden machen will. Schaut man sich sein Facebook und seine Website an, wird das ganze direkt noch ein bisschen unangenehmer. 

Seit dem Kulturzeit-Bericht, der Montagabend gesendet wurde, ist seine Freundesliste auf Facebook nicht mehr zugänglich. Da sein Profil aber so eingestellt ist, dass nur „Freunde“ auf seine Wall posten können, wird auch hier schnell deutlich, wer sich in dieser Liste so alles rumtreibt. Buchstäblich zwei Klicks entfernt postet einer von Lars’ Freunden  beispielsweise eine Hakenkreuzgrafik und einen Text über die „jüdische Hochfinanz“. Einem anderen „gefällt“ eine Naziband.  Oder jemand postet ein Bild, auf dem die (wiederum) jüdischen Weltherrscher enttarnt werden sollen. 

Sehr Ähnliches findet sich dann auch auf der persönlichen Website von Lars Mährholz. Die „Rätsel“ um 9/11 werden wieder rausgeholt und mit Beiträgen darüber, inwieweit Deutsche eigentlich staatenlos sind, stellt sich Mährholz in eine Reihe mit den so genannten Reichsdeutschen. Die Abgrenzung zur ebenfalls jeden Montag stattfindenden „Staatenlos“-Demo von Rüdiger Klasen, einem ehemaligen NPDler, auf die die Montagsdemonstranten so großen Wert legen, kann man durch solche Geschichten durchaus in Frage stellen.

P.S., liebe Friedensfreunde. Ihr habt jetzt erstmal ein paar Wochen Ruhe von mir. Ich investiere nämlich mein schwerverdientes Blutgeld, mit dem mich die Rothschilds bezahlen, um eure Demos kleinzuschreiben, in einen wohlverdienten Urlaub. Ihr erkennt mein Flugzeug an den Chemtrails. 

Fotos von Gergana Petrova

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