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Was Mädchen brauchen

Was Mädchen wollen, sind Dinge wie Spaß, Neuheiten, wundervolles Chaos, Klamotten und große, dünne Jungs mit Mädchengesichtern. Doch was brauchen sie wirklich?
29 Februar 2012, 2:30pm

Was ihr wollt, sind Dinge wie Spaß, Neuheiten und wundervolles Chaos, Klamotten und große, dünne Jungs mit Mädchengesichtern, das Versprechen, dass euer Leben sich von alleine regelt (haha, wahrscheinlich!) und vielleicht noch das neue iPhone 5―wie würde das wohl aussehen!? Würde der Akku länger halten? Wäre es noch intuitiver mit den gespeicherten Kontakten und effizienter in der Handhabung? Ooooooh!!

Aber was ihr braucht, ist etwas ganz anderes.

Eine beste Freundin

Es wird wahrscheinlich nicht für immer halten―jeder meiner platonischen Ehen folgte bisher auch immer die platonische Scheidung―aber in allen Lebenslagen braucht man jemanden, zu dem man hingehen kann, eine beste Freundin, eine „Andere“. Das ist nicht notwendig für diese Kicherkicher-HiHi-Mädchen-Harmonie, oder was auch immer, sondern es ist praktisch und psychisch betrachtet notwendig, da es so gut wie unmöglich ist, alles allein zu schaffen, und man immer ein Gesicht vor Augen haben sollte, wenn etwas Schlimmes passiert.

Unbegrenztes Telefonguthaben

Immer wenn ich ein Mädchen sagen höre: „Ruf mich zurück, das ist zu teuer“, oder: „Ich kann gerade nicht reden, du hast das falsche Netz“, werde ich richtig wütend und mein Fuß kickt hoch wie im Halbschlaf, wenn man träumt. Der Tarif, den man sich ausgesucht hat und für den man zahlt, sollte zum eigenen Lifestyle passen. Euer Lifestyle sollte sich nicht eurem Telefontarif anpassen. Ruft euren Anbieter an und sagt ihm, ihr wollt einen enormen, wirklich enormen Rabatt auf das Unlimited Package, oder was es da sonst so gibt, denn ihr wisst, dass sie korrupt sind und außerdem habt ihr einen Blog über Telekommunikation. Sie werden euch den Rabatt bewilligen. Ist so, aber das Ganze ist auch auf ganz anderen Gebieten anwendbar. Habt ihr das verstanden?

Romantik

Könnten wir bitte wieder diesen obsessiven, freien, exzessartigen Lebenstil führen (Ich wohnte einmal in einer kleinen Bude in Big Bear, die auf der gleichen Straße lag wie die Hütte von Liberace und DER SCHORNSTEIN WAR GEFORMT WIE EIN SCHWANZ, IM ERNST) mit dem unkontrollierten Verlangen und der Gier von erwachsen gewordenen, reichen Kindern, die in der Modeindustrie arbeiten? Es lief in etwa so: Echte Filmstars reisten nach Paris, um über Kelche gefertigt aus Knochen von bedrohten Tieren zu kichern, die per Expressversand aus einem Dorf in Äthiopien geliefert wurden, um dann mit Rubinen aus Kambodscha besetzt zu werden. Jetzt machen das alle. Auch die wirklich erwachsenen Leute―Rachel Zoe, Daphne Guinness (auf die ich echt stehe, aber habt ihr das Porträt über sie im New Yorker gelesen? MEHR ALS GROSSARTIG!!!) oder einfach jeder auf TheSelby.com, die sich gerade dann etwas lächerlich benehmen, wenn es um die Vielzahl von Einflüssen und Hintergrundgeschichten ihrer Inspirationen geht. („Oh das ist ein Buch aus meiner Kindheit und die Farbe des Baumes inspirierte mich heute diese Balenciagas zu tragen.“) Selbst Perry Farrell hängt nur noch mit seiner Frau und den Kindern rum. Ach ja richtig: Was ich sagen will ist, lasst die Romantik von Kunst und Dingen, von Wünschen und Shopping wieder aufleben, um diese Dinge mit einem flüchtigen Moment der Identität zu umgeben. Das ist was für Mädchen.

Irgendwas schönes Weiches

Nur eine große Kuscheldecke auf deinem Bett, oder so in der Art. Man braucht eben etwas schönes Weiches, Kuscheliges, Warmes, Sauberes, Neues und Gutriechendes zum anfassen. Das sind nun zwar schon Girls News auf einem höheren Level, aber die Beschaffenheit von Dingen und positive Synästhesie haben viel zu tun mit Wohlfühlen im Job und so weiter.

Manchmal wickele ich mein Gesicht in meinen Haaren ein, nur um zu fühlen wie weich sie sind (zugegeben etwas eklig, aber trotzdem.)

Einen Arzt

Langweilig, aber wahr: Wenn ihr keinen Hausarzt habt, um euch regelmäßig durchchecken zu lassen, dann braucht ihr einen. Basierend auf einer Eigenstudie beginnen neun von zehn ersten Terminen bei einem Arzt mit einer Vorstellung bestehend aus Schluchzen, gefolgt von zehn Minuten mit Entschuldigungen. Aber im ernst, es ist wichtig.

Einmal, als ich dachte, ich würde sterben, fragte diese neue Ärztin (die unglücklicherweise sehr barbiemäßig war) mich, ob ich wegen irgendetwas gestresst sei. Als ich sie beobachtete wie sich mich beobachtete, mit ihrem unheimlichen, eingefrorenen Ärztinnenlächeln, musste ich lachen und hörte auf zu glauben, dass ich sterben würde.

Eine Mutter oder einen Vater

Wenn ihr richtig, richtig, richtig viel Glück habt, bekommt ihr beide und vielleicht auch noch eine nette Familie dazu, auf die ihr zählen und der ihr vertrauen könnt. Das ist sozusagen der heilige Gral des Lebens. Genau das, und nicht etwa Gossip-Girl-Haare, oder so. Ansonsten könnt ihr euch auch glücklich schätzen, wenn ihr nur einen guten Elternteil habt, und wenn man die Allgegenwärtigkeit von schlechten Vätern und emotional unbeherrschten Müttern in Betracht zieht, scheint auch das schwierig genug zu sein. Natürlich schulden die Eltern einem nichts mehr nachdem man 18 geworden ist. (So desillusionierte meine Freundin Caroline mich innerhalb von zwei Sekunden, als ich während der Arbeit wegen eines Streites mit meinem Vater weinte), aber einen guten Elternteil zu haben, auf den man sich verlassen kann, ist wahrscheinlich immer noch ein absolutes Muss.

Perioden-Pläne

Die ganze Angelegenheit macht euch nicht so fertig, wenn ihr gut vorbereitet seid. Findet  genau heraus, wann ihr aller Wahrscheinlichkeit nach von Gefühlen und Blut überwältigt werdet, und richtet euch eine kleine Notfallstation mit M&Ms, einer Wärmflasche, einer Evil Dead DVD und der warmen Kuscheldecke ein, über die wir vorhin geredet haben. Ihr wisst schon, manchmal ist ein Katertag irgendwie nett und genauso kann das auch sein. „Lasst mich in Ruheeeeeeeeee!“ ist mein Lieblingsspruch.

Zu cool sein um über andere Mädchen zu lästern

Eine Geschichte, die wir bei VICE letztens hatten, behandelte das Thema, warum Mädchen einander hassen (sie tun es!). Zu diesem Artikel bekam ich die zweitmeisten E-Mails, die ich je bekommen habe (die meisten Mails bekam ich zu einer Geschichte, warum alle Leute in den Zwanzigern sich selber hassen. Einer wie der andere, richtig?) In der Hälfte der Mails stand: „Ja genau! Mädchen sind fiese Schlampen.“ NEIN VERDAMMT! Ihr könnt mich mal Jungs.

Außerdem bekam ich diese Woche ein Jobangebot von einer nicht-wirklich-aber-definitiven Porno-Zeitschrift in der stand―wartet ich geb's euch wörtlich―: „Vielleicht schicken wir Ihnen einige Fotos und Sie schreiben dann dazu bissige Kommentare über die Mädchen darauf,“ dafür hätte ich gerade mal so viel Geld wie für ein Quer-durchs-Land-Ticket bekommen. Als ob! Als ob!

Ihr müsst euch beruhigen, wenn es um andere Mädchen geht. Es wird immer Mädchen geben, die heißer und weniger heiß, oder schlauer und auch weniger schlau sind als ihr. Cooler und weniger cool. Egal mit welchem Maß ihr messt und egal an welchem Tag. Es ist so egal. Also lasst es bleiben.

Ich beobachte oft etwas, das ich „cuntbrag“ nenne, eher bekannt als: „Ich bin nicht wie die andern Mädchen.“ Dadurch stellt ihr euch auf eine höhere Stufe als die anderen, indem ihr ihnen bestimmte, schlechte weibliche Eigenschaften zuschreibt―dramatisch, dumm, eine Schlampe―während ihr versucht, einen Typen damit zu beeindrucken, oder ein anderes Mädchen. Ich mache das auch manchmal. Unbewusst. Das ist ziemlich scheiße.

Downloads von Metropolitan, Barcelona und Last Days of Disco

Macht es einfach!

Einen Cocktail

Wenn ich im Winter alleine bin, ist es für mich Milchpunsch (Milch/Bourbon/Zucker/Gewürze.) Wenn ich ausgehe, ist es Wodka Soda mit Zitrone, weil es in etwa das gleiche bewirkt wie eine Stunde im Aerobic-Kurs. Wenn ich im Urlaub bin, ist es Champagner mit O-Saft, dazu French 75―und sofort auf Ex trinken, „AAAAAAAAAAAAAH“. Ich denke, was ich am liebsten an Champagner mag, ist dieses perfekte, schwere Gefühl der Flasche in deiner Hand. Sieht gut aus, oder?

Einen Power Song

Meine persönlichen sind „Please Mr. Postman“, „Bottled Violence“ und an neueren Dingen „Nasty“ von Nas (Nasty Nas!) Das hört man, wenn man wohin geht, wo man eigentlich nicht hin möchte, was für mich ungefähr überall ist.

Einen Körper

Einen Körper, den ihr wirklich benutzt, nicht nur als Kleiderständer und für Sex. Wegen der Titten und auf Grund der Sozialisierung ist es (verdammt noch mal) schwieriger für Mädchen Skateboard zu fahren, zu surfen und über Zäune zu springen. Fein. Aber ihr müsst solche Dinge machen: Zum Beispiel tagelang barfuß herum laufen, merkwürdige Dinge an merkwürdigen Orten essen, komisch tanzen und auf dem beängstigenden, grasbewachsenen Mittelstreifen der Autobahn sitzen, während ihr einen Snack esst, denn euer Körper ist der Topf voll Gold im Wettlauf gegen das Patriarchat (WOW!) und lasst euch nicht vergiften von soziologischen oder kulturellen Ideen darüber, was ihr mit eurem Körper anzustellen habt. Selbst wenn ihr nicht in einer Damen–Tyrannei aufgewachsen seid und keine Ahnung habt, wovon hier geredet wird (Ich brachte meine Mutter durch Ellenbogen auf dem Tisch und kniehohe Stiefel zum weinen), denkt einfach darüber nach, wie ihr euren Körper benutzt und wie Typen ihre Körper benutzen. Vielleicht lauft ihr auch einfach mal in einem Unterhemd und Jeans durch die Gegend, während ihr dabei einen Burger esst, und ihr werdet merken „Oh!“.

Geld

Habt etwas Geld, denn kein Geld zu haben bringt euch in eine Position, in der ihr keine Kontrolle mehr habt über euch, eure Möglichkeiten und Handlungen. Fies und einfach ausgedrückt ist Geld die einzig wirkliche Macht, die ihr haben könnt.

Comics

Das ist Förderunterricht, aber ihr müsst, MÜSST einfach jede einzelne Ausgabe von Love and Rockets (Ach Maggie! Ach Hopey!) lesen und außerdem Phoebe Gloeckners Diary of a Teenage Girl (quasi-inzucht!), einfach nur um die Grundregeln für Mädchen zu verstehen. (Ihr wusstet natürlich bereits von Ghost World und Scott Pilgrim und so weiter.) Ich bin mir sicher, dass es auch gute Mangas und Superheldenstories für Mädchen gibt, aber dieser Zeichenstil bringt meine Augen zum bluten.

Eine selbstkreierte Identität

Das wohl beste Kompliment, das ich jemals bekam, war von einer Freundin, die einer anderen Freundin so etwas gesagt hatte, wie: „Kate lebt in allen Welten.“ Ich denke was sie meinte war, dass ich zu Punk-Konzerten ging und trotzdem sehr überzeugt war von meinen verschiedenen Chanel Kosmetika. Ich verstand es so, und dachte wirklich jahrelang, dass meine Vielzahl an Einflüssen, Hintergründen und Interessen eine Art von tyrannischer, doppelgesichtiger Identität kreiert hatten, die witzig und merkwürdig war, aber ständig diesen strikten „Kathryn“ vs. „Kate“ Zwiespalt inne hatte. (Meine Eltern nennen mich Kathryn.) Es ist ein Fehler anzunehmen, dass die willkürlichen Widersprüche in einer Person nicht einfach ein Gesamtbild ergeben können. Man ist ängstlich und selbstbewusst, nett und furchtbar, lustig und dämlich alles zusammen und gleichzeitig. Ihr „braucht“ also nicht jetzt schon alles zu haben. Ihr müsst nur wissen, dass in allen Welten zu leben, welche Welten es auch immer sein mögen, fantastisch ist.

Einen feministischen Freund

Ich habe Statistiken dazu aufgestellt (Ich sah gerade Die Kunst zu gewinnen―Moneyball und stehe seitdem wahnsinnig auf Statistiken) und Tests dazu gemacht und es gibt einfach keinen Weg drum herum. Es ist egal, ob dein Junge das Wort kennt oder es sagt oder sich selbst als einen bezeichnet, wichtig ist, dass er weiß, dass Mädchen und Jungs gleichberechtigt sind und das―Obacht Ansage―ist alles, worum es im Feminismus geht. Vergesst, wen ihr wollt, und liebt jemanden, der euch wirklich mag.