​Kölner Rechte rufen zu Aktionen gegen „Untermenschen“ auf

Hooligans und Pro NRW haben nicht lange gebraucht, um das Mobilisierungspotenzial der Silverster-Horrornacht zu erkennen.

|
05 Januar 2016, 12:00pm

Foto: imago | Manngold

Nach den massenhaften sexuellen Übergriffen und Taschendiebstählen, die von einer größeren Gruppe Männer am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht offenbar systematisch verübt wurden, ist die Empörung groß.

Was genau passiert ist, ist immer noch nicht abschließend geklärt. Als sicher gilt, dass über mehrere Stunden auf dem Domplatz und im Bahnhof immer wieder Menschen von Gruppen von Männern angetanzt oder angepöbelt wurden, von denen einige gezielt Frauen massiv begrapschten (ein Opfer sprach von Fingern „an allen Körperöffnungen"), während sie gleichzeitig Wertsachen wie Portemonnaies und Smartphones klauten.

Zeugenaussagen beschreiben die Täter als „aus Nordafrika oder dem arabischen Raum", die Kölner Polizei betont immer wieder, dass es sich nicht um Flüchtlinge, sondern um bereits polizeilich bekannte Intensivtäter gehandelt habe. Mittlerweile liegen an die 90 Anzeigen vor, darunter mindestens 15 wegen sexueller Belästigung, eine sogar wegen Vergewaltigung. Sogar eine Zivilpolizistin soll sexuell belästigt worden sein. Die Polizei spricht von „Straftaten einer völlig neuen Dimension", die Kölner Oberbürgermeisterin hat heute ein Krisentreffen einberufen.

Die Vorfälle werden also spätestens jetzt sehr ernstgenommen. Einigen Bürgern geht das jedoch nicht weit genug: Vor allem, weil es sich bei den Tätern offenbar um Ausländer handelte, entlädt sich in zahlreichen Foren und Kommentarspalten eine Flut von rassistischer Wut—auf Flüchtlinge, auf Muslime, auf Angela Merkel (die die Flüchtlinge und Muslime „ins Land gelassen" hat).

Diese Wut wollen sich jetzt Rechte zunutze machen: Auf Facebook wurde am Montag in einer eigens gegründeten Gruppe für heute Abend zu einem „Altstadtspaziergang" aufgerufen. Laut einem der Administratoren geht es darum, dass man „die Stadt etwas reinigen" müsse—und zwar von „Untermenschen". Dabei droht er offenbar auch damit, Waffengewalt einzusetzen, und findet dafür Zuspruch. Laut dem Bündnis „Köln gegen Rechts" handelt es sich bei den Mitgliedern der Gruppe „um Leute aus dem Hooligan-, Türsteher- und Rotlicht-Milieu".

Die Facebook-Seite ist mittlerweile nicht mehr erreichbar, eine archivierte Version des oben zitierten Posts gibt es hier.

Auch die rechtsextreme „Bürgerbewegung pro NRW" will die Gunst der Stunde nutzen und unter dem Motto „Zuwanderergewalt lässt uns nicht kalt!" will die Fraktion am Mittwoch „über die Schattenseiten der Massenzuwanderung aufklären", wie der Generalsekretär Christopher Freiherr von Mengersen auf der Webseite schreibt. „Wir Einheimische dürfen uns nicht mehr alles gefallen lassen, was aufgrund von falscher Toleranz regelmäßig unter den Teppich gekehrt werden soll."

Gleichzeitig melden sich immer mehr Frauen zu Wort, die sich dagegen wehren, dass das Leid der Kölner Opfer zum Material für rassistische Hetze missbraucht wird. „Es kotzt mich an, all das zu lesen, es kotzt mich an, dass die Sicherheit von uns Frauen immer und immer wieder instrumentalisiert wird", schreibt eine Bloggerin. „Ich hasse diese Scheinheiligkeit, mit der unser potenzielles Leid und unsere Gefährdung für die kleinen oder großen Ränkespiele irgendwelcher Idioten herhalten müssen."