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Disney-Prinzessinnenfilme können Jungs zu besseren Menschen machen

Könnte man glatt meinen, wenn man eine neue Studie zu den aufpolierten Glitzerwelten mit ihren Ikonen anschaut.
24.6.16

Foto: imago | United Archivs

Meine Redaktionskollegin erzählte mir heute von ihrem Lieblingskinderspiel: Sie band sich die Fußgelenke mit einem Haargummi zusammen und plätscherte damit wie mit einem Fischschwanz in der Badewanne. Einem neutralen Beobachter kann das als ein absurd-bescheuerter Akt anmuten. Aber meine Kollegin wollte so sein wie Arielle und färbte sich deshalb die auch die Haare rot. Die sie dann auch wie die kleine Meerjungfrau mit einer Gabel kämmte. Wir sehen: Zeichentrickfilme haben eine ziemliche Wirkung auf Kinder.

In einer neuen Studie mit annähernd 200 Kindern im Vorschulalter haben Forscher untersucht, ob und welchen Einfluss die von Disney gezeichneten Prinzessinnen-Welten auf Jungs und Mädchen haben. Dabei ging es genauer um die Frage, inwiefern die Darstellung der Prinzessinnen die Einstellung der Kinder zu Geschlechterrollen und dem eigenen Körperbild bedingt.

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Wie die Washington Post berichtet, befragte Sarah Coyne (außerordentliche Professorin für Familienleben an der Brigham Young University) ein Jahr lang Eltern und Lehrer, ob die Kids Kontakt mit der Disney-Welt hatten und wie sie andere Mitschüler behandelten und ihren eigenen Körper wahrnahmen.

Einige der Ergebnisse waren zu erwarten: Umso mehr Kontakt die Kinder mit den vermittelten Glitzerwelten besaßen, desto mehr adaptierten sie den darin vermittelnden Stereotyp von Weiblichkeit. So verkleidetet sich die drei- bis vierjährigen Mädchen, die die Filme schauten und mit den entsprechenden Merchandise-Artikeln spielten, auch gerne als Prinzessinnen. "Es ist natürlich nicht grundsätzlich etwas falsch daran, feminin sein zu wollen", so Coyne. "Doch die Forschung hat gezeigt, dass ein starkes Festhalten an weiblichen Geschlechtsstereotypen über die Zeit zu Einschränkung führen kann." Mädchen und Frauen, die sich bildlich als "Prinzessinnen" identifizieren, neigten dazu, dem Aussehen eine höhere Bedeutung beizumessen, so Coyne.

Die Nachteile, die eintreten können, wenn heranwachsende Frauen alles in ihrem Leben einem bestimmten Schönheitsideal unterordnen, sind allen bekannt. Aber hier kommt die Überraschung: Bei Jungs konnten die Wissenschaftler ein "prosoziales Verhalten" sowohl zu Hause als auch in den Klassenräumen feststellen. Coyne zufolge tendierten Jungs, die etwa Filme wie Die Eiskönigen oder Cinderella anschauten, dazu, ihren Spielkameraden grundsätzlich mehr zu helfen und Spielzeug mit ihnen zu teilen.

Übrigens haben sich auch die Disney-Filme über die Jahrzehnte weiterentwickelt, wenn man die Darstellung der darin gezeichneten Frauen- und Prinzessinnenfiguren in den Fokus nimmt: Während in den klassischen Filmen wie Schneewittchen (1937), Cinderella (1950) und Dornröschen (1959) 55 Prozent der Komplimente auf die Schönheit der weiblichen Figuren abzielten und nur 11 Prozent die konkreten Fähigkeiten der Frauen würdigten, wandelte sich allmählich das Verhältnis. In der mittleren Ära rund um Ariel (1989), Die Schöne und das Biest (1991), Aladdin (1992), Pocahontas (1995) und Mulan (1998) lag das Verhältnis bei 38 zu 23 Prozent. Und in der Neuzeit mit Filmen wie Rapunzel (2010), Merida (2012) und Die Eiskönigen (2013) kippte schließlich das Verhältnis zu Gunsten der Fähigkeiten (40 Prozent) im Gegensatz zum Aussehen der weiblichen Figuren (nur noch 22 Prozent).

Darüber hinaus erklärten die Forscher: "Medien, die Prinzessinnen und ihr Engagement zum Thema haben, können Jungs bereits im frühen Alter bedeutende Modelle der Weiblichkeit vermitteln—gerade jenen Jungs, die für gewöhnlich hypermaskulinen Medien ausgesetzt sind."

Interessanterweise besaßen weder die Jungen noch Mädchen Minderwertigkeitskomplexe, wenn es um die Einschätzung des eigenen Körpers ging. Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass sich in einem so jungen Alter wie dem der Vorschulkinder noch generell keine Komplexe gegenüber dem eigenen Erscheinungsbild einstellen. Ein schön kultivierter Selbsthass braucht wie guter Käse also seine Zeit zum Reifen.