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Roger Ross Williams: Ich habe über ein paar Jahre in Zimbabwe meinen Film Music by Prudence gedreht. In dieser Zeit bemerkte ich den enormen Einfluss dieses fundamentalistischen Evangelismus auf dem Kontinent. An jeder Ecke steht eine Kirche. Also fing ich an, über Uganda zu lesen, das gerade viel Aufmerksamkeit wegen des Gesetzes gegen Homosexualität bekam. Und dann fuhr ich hin, und es war noch viel heftiger, als ich gelesen hatte. Der Erste, den ich traf, war David Kato—der Aktivist, der später mit einem Hammer ermordet wurde. Er machte mich auf die echte Story aufmerksam: der Schaden, den amerikanische Evangelisten in seinem Land anrichten.Was wollen die Evangelikalen in Uganda?
Viele amerikanische Evangelikale haben das Gefühl, den „Kulturkrieg“ in Amerika verloren zu haben: Ein Bundesstaat nach dem anderen erlaubt die Homo-Ehe oder Abtreibungen. Sie glauben deshalb, dass sie in Amerika verlieren, im globalen Süden aber gewinnen. Und in Afrika haben sie ihr „Ground Zero“ gefunden. Idi Amin, der brutale Diktator Ugandas, war Moslem und hatte die Evangelikalen verboten. Das Land hatte außerdem die höchste AIDS-Rate auf dem afrikanischen Kontinent und wurde von einem Bürgerkrieg verwüstet. Als Idi Amin stürzte, hinterließ er ein Vakuum. Am selben Tag war Mike Bickel, der Gründer des International House of Prayer—einer ziemlich großen Kirche, mit circa tausend Angestellten und einem Jahresbudget von 30 Millionen Dollar—da, um Uganda als christliches Land zurückzuerobern.
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Wir hatten eine Vorführung in Malawi mit achtizig Glaubensführern und vierzig geheimen Mitgliedern der LGBT-Gemeinschaft—in Malawi können sie sich nicht outen, das Land ist nämlich berüchtigt für seine Schwulenfeindlichkeit. Die Glaubensführer standen nach dem Film auf und sagten, was man so erwartet hätte—dass Schwule schlimmer sind als Hunde und all sowas. Dann stand ein schwuler Mann langsam auf und sprach zu den Pastoren. Er sagte ihnen: „Ich bin Malawi, ich bin schwul, ich wurde so geboren. Wenn ich es ändern könnte, würde ich es ändern, weil ihr mein Leben zur Hölle macht. Aber ich bin so.“Dann stand eine Frau auf und sagte: „Ich bin verheiratet, habe zwei Kindern. Ich liebe meine Kinder, aber meinen Ehemann liebe ich nicht, weil ich eine Lüge lebe. Weil ihr mich dazu zwingt.“ Und dann sagte sie, dass sie ihre Freundin liebt, und die Freundin kam zu ihr, und sie haben sich vor den Pastoren geküsst. Die ganzen Homosexuellen fingen an zu jubeln und stellten sich an, um sich alle, einer nach dem anderen, zu outen. Das war das erste Mal, dass Homosexuelle sich in Malawi öffentlich geoutet haben. Wir waren in allen Zeitungen auf der ersten Seite.Das ist Wahnsinn.Ja! Und dann stand einer der Pastoren auf, der das eben noch über Schwule und Hunde geäußert hatte, und sagte: „Ich nehme alles zurück, was ich gesagt habe, ich will meine Aussage zurückziehen. Ich habe noch nie einen Homosexuellen getroffen, und Homosexuelle sind gut.“ Das haben wir alles auf unserer Webseite. Und so war es überall auf dem Kontinent—die Leute hatten einfach nicht kommuniziert. Und wenn sie das tun, ist es großartig. Vor Kurzem habe ich mich mit dem ehemaligen Vizepräsidenten Ugandas, der jetzt Präsidentschaftskandidat für 2016 ist, in Washington getroffen. Er hatte den Film gesehen und sagte mir, dass es stimmt, dass die Amerikaner sie einer Gehirnwäsche unterzogen haben, aber dass sie ihre eigene Meinung haben müssen. Jetzt arbeiten wir mit ihm zusammen, und er will der erste ugandische Führer werden, der sich für Gleichheit für alle einsetzt und Homosexualität entkriminalisiert.Das ist eine unglaubliche Geschichte. Danke sehr, Roger!