Anzeige
Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
Sex

Die Autobiografie von Bob Guccione

Bob Guccione hat ein Imperium geleitet, das auf Penthouse gründete. Er hatte eine der größten Kunstsammlungen der USA und ist, nachdem ein Casino und ein Atomkraftwerk ihn zu Fall gebracht haben, ohne einen Cent gestorben.

von Bob Guccione and Joseph DiMona
26 September 2013, 6:00am

Vor 21 Jahren hatte Bob Guccione kein Geld, kein Einkommen, keinen Job, kein Ansehen, keinen Abschluss, keine beruflichen Qualifikationen und musste eine Frau und fünf Kinder ernähren.

Heute ist er laut Forbes Magazine Besitzer eines der größten Privatvermögen in den USA, wohnt in der größten und luxuriösesten Villa New Yorks, die er selbst entworfen hat, und besitzt, wie allgemein bekannt ist, die größte und beeindruckenste Privatsammlung impressionistischer Kunst und Werke alter Meister in den USA.

Ihm gehören elf Zeitschriften, und weitere neun ausländische Ausgaben von Penthouse, drei von Omni, und zwei von Forum, die weltweit insgesamt eine Leserschaft von 60 Millionen Menschen erreichen.

Zu seinen anderen Unternehmen gehören Firmen in der Immobilien-, TV- und Filmbranche, eine High-Tech-Rinderzucht, die eine Herde von 5000 Edelrindern umfasst, eine Flotte von endlos langen, ozeantauglichen Schleppern mit mehrjährigen Pachtverträgen und eine Firma, die Milchpulver für die Dritte Welt produziert.

Die Geschichte seines erstaunlichen Aufstiegs ist in vieler Hinsicht der klassische Amerikanische Traum im Geiste Horatio Algers, und er hofft durch das von ihm Erreichte den unterschiedlichsten Menschen Inspiration und Hoffnung verleihen zu können. „Wir sind alle ganz normale Menschen, die aus dem Nichts gekommen sind,“ sagt Bob. „Ich habe es geschafft, und sie können es auch.“
 


Aber Bob Guccione ist natürlich kein durchschnittlicher Mensch, wie seine Lebensgeschichte zeigt. Zunächst einmal ist er ein Mann mit vielen ungewöhnlichen und weitreichenden Talenten, denen man in Amerika normalerweise Anerkennung und Bewunderung zollt. Ihm gelingt scheinbar alles, zu dem er sich entschließt. Sehen wir uns eine kleine Auswahl dieser Talente an. Wie er im Laufe seiner Karriere bewiesen hat, ist er ein meisterhafter Fotograf, Finanzverwalter eines riesigen Geschäftsimperiums, Künstler, Herausgeber, Grafikdesigner, Filmproduzent, Humorist, Gourmetkoch, Innenarchitekt, Schauspieler, ein Weltklasseschachspieler, der Großmeister besiegt hat, ein Mensch, der sich als junger Mann in Europa als Künstler durchschlagen konnte, indem er in fünf Sprachen aus der Hand las—die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen.

Die einzigartige Faszination seiner Geschichte liegt darin, dass diesem so vielseitig talentierten Amerikaner, der auf spektakuläre Weise den vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Mythos gelebt hat, bislang nicht die Anerkennung und Ehre zuteil geworden ist, von der man meinen sollte, dass sie ihm zusteht, sondern der stattdessen permanenten Angriffen ausgesetzt ist, in einem Ausmaß, das in der Geschichte dieses Landes einmalig ist. Er ist in der Tat eine der kontroversesten Gestalten unserer Zeit, und ganz sicher die am häufigsten verklagte Person in den USA. Er beschäftigt, zu jährlichen Kosten von drei Millionen Dollar, 14 Anwaltsfirmen, die sich mit Anklägern aller Couleur, von Kirchenvertretern bis hin zu Politikern, hitzige Prozesse liefern.


Viele dieser dramatischen Prozesse und Kontroversen werden in seinem Buch noch einmal nachzulesen sein, in dem Bob zum ersten Mal bislang interne Details veröffentlichen wird, angefangen mit seinem allerersten Verfahren, in dem er von Bertrand Russell verklagt wurde („Ich fing gleich ganz oben an,“ sagt Bob), bis hin zu seinem Prozess gegen den angesehenen und allgegenwärtigen ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger. Er wird die ganze Geschichte der berüchtigten Kontroverse um „Miss America“ Vanessa Williams offen legen, ebenso wie die des Verfahrens um das La Costa Resort, bei dem es zu dem größten Verleumdungsprozess in der Geschichte der USA kam und an dem Filmstars, betrügerische Richter und diverse Mafiosi beteiligt waren; außerdem den Prozess gegen Jerry Falwell, den berühmten evangelikalen Prediger und hartnäckigen Feind; und vieles mehr.

Wie konnte aus diesem Helden des Amerikanischen Traums der umstrittenste Mann der Vereinigten Staaten werden? Wohl hauptsächlich wegen seiner Neigung, die Öffentlichkeit immer wieder zu schockieren, einer Eigenschaft, die ihn von Kindesbeinen an ausmacht („Er war immer sehr forsch,“ sagt sein Vater). Seit der Erschaffung von Penthouse strahlen Gucciones Fotos schöner junger Frauen eine sexuelle Aura aus, wie sie sonst nirgends zu finden ist. Das lag nicht nur an Gucciones speziellen fotografischen Techniken, die den Bildern zu ihrer Wirkung verhalfen, sondern auch an seiner Bereitschaft, bestehende Normen des Anstands zu überschreiten, wenn er diese für falsch hielt.

Penthouse war das erste frei verkäufliche Magazin, in dem vollständig nackte Frauen zu sehen waren.


In seinem Buch wird Guccione zum ersten Mal erklären, warum er entschieden hat, mit den Fotos und Artikeln in Penthouse so zu schockieren, was jedes Mal aufs neue Skandale heraufbeschwor. Er wird auch die Rolle von Sex und Sexualität in seinem Leben, wie in seiner Philosophie als Herausgeber beschreiben, die Penthouse zu 60 Millionen Lesern weltweit verholfen hat.

Aber der Erfolg von Penthouse ist nicht allein auf die erotischen Bilder zurückzuführen. Dieses finanzielle Phänomen hat, wie wir sehen werden, auch mit den ungeahnten unternehmerischen Stärken des jungen Mannes aus Bergenfield, New Jersey, zu tun, dessen Lebenstraum es war, Künstler zu werden und nicht Tycoon.

Was für ein Mensch ist Bob Guccione wirklich? Es sind seine widersprüchlichen Interessen und Eigenschaften, die seine Geschichte so faszinierend machen.

Er ist ein Mann, der gerne schöne Frauen auf aufreizende Weise fotografiert, aber dennoch seit 21 Jahren mit derselben Frau zusammenlebt. Man wirft ihm immer wieder vor, Frauen auszubeuten, aber seine Firma hat prozentual mehr Frauen in leitenden Positionen als jedes andere Unternehmen in den USA.

Er hat aus eigener Tasche das 17,5 Millionen teure, später indizierte römische Epos Caligula finanziert (und bei vielen der Sexszenen Regie geführt), und gleichzeitig ein millionenschweres Forschungs- und Entwicklungsprojekt auf dem Gebiet der Kernfusion gefördert, an dem 85 der besten Nuklearphysiker, Mathematiker und Forscher anderer Wissenschaften aus aller Welt beteiligt waren. Die zwei Säulen seines Verlagsimperiums repräsentieren diese interessante Zweiteilung seines Charakters: Penthouse ist ein sexuell ausgerichtetes Magazin; Omni ein anerkanntes Wissenschaftsmagazin, das auf


seinem Gebiet so erfolgreich ist wie kein anderes.

Obwohl er Lederanzüge und Goldketten trägt, wie man sie normalerweise mit den Anti-Vietnamkriegsdemonstranten der 60er assoziiert, ist er auf den Seiten von Penthouse einer der umtriebigsten Förderer der Anliegen, Interessen und Bedürfnisse von Vietnamkriegsveteranen und führt Kampagnen gegen Drogenmissbrauch, oder legt Korruptionsfälle in der Regierung und dem medizinischen Establishment offen.

Obwohl man ihm immer wieder Mafiaverbindungen unterstellt, hat er die Unterwelt immer bekämpft und sich dabei sogar in Lebensgefahr gebracht—ein Mordversuch wird in dem Buch zum ersten Mal und mit allen erschreckenden Details an die Öffentlichkeit kommen.

Als Undercoveragenten des FBI Guccione die riesige Summe von 100 Millionen Dollar Bestechungsgeld für den Bau seines Hotel-Casinos in Atlantic City anboten, lehnte er ab und wurde so zur einzigen öffentlichen Persönlichkeit, die die ABSCAM-Antikorruptionsoperation des FBI unbeschadet überstand. Der angebotene vermeintliche Kredit wurde von Bobs Bereitschaft abhängig gemacht, bei der Bestechung von Joseph Lordi, dem ersten Vorsitzenden der Casino-Kontrollkommission, behilflich zu sein. Bob weigerte sich, zu kooperieren und lehnte die 100 Millionen dankend ab. Eine parlamentarische Untersuchungskommission maßregelte das FBI später dafür, Bob „unrechtmäßig ins Visier genommen“ zu haben


und beschrieb ihn als einen „ehrlichen Mann.“

Bis heute ist Bob Guccione eine der kontroversesten und gleichzeitig unbekanntesten Personen des öffentlichen Lebens in den USA. Wegen seines ausgeprägten Bedürfnisses nach Privatsphäre wussten die Amerikaner bis vor wenigen Monaten extrem wenig über ihn—und dieses Wenige war fast ausschließlich negativ: Da waren sein „unwürdiger“ Kleidungsstil, Hemden, die er bis zum Gürtel offen trägt; die „Zerstörung“ von Vanessa Williams, der Gewinnerin von „Miss America“ 1984; und drittens die permanenten, von Reichen und Berühmten angezettelten Gerichtsverfahren gegen ihn, in denen es immer wieder um astronomische Summen ging.

Dann zwang das Schicksal Guccione, den Schleier des Geheimnisses ein wenig zu lüften, und das amerikanische Fernsehpublikum lernte einen ganz anderen Guccione kennen: einen konservativ gekleideten, intelligenten, unaufgeregten Menschen. Was besonders überraschte, war, dass er zum Sprachrohr der Intellektuellen geworden zu sein schien, zumindest derer, die sich nur mit dem gedruckten Wort beschäftigen.

Als 1986 eine von U.S. Attorney General Edwin Meese geschaffene Kommission behauptete, dass Pornografie Gewalt gegen Frauen fördere und drohte, alle Geschäfte auf eine schwarze Liste zu setzen, die Publikationen verkaufen, die man als anstößig befand, tat sich Guccione als Führer des Widerstandes gegen die Zensur, und gegen eine Rückkehr zu den schwarzen Listen der McCarthy-Ära hervor.


Dieser Konflikt sorgt täglich für Schlagzeilen, während das Justizministerium die Vorschläge Meeses umzusetzen versucht. Guccione wird an vorderster Front weiterkämpfen, besonders, wenn es in dem von ihm angeregten und vor kurzem erweiterten Verfahren gegen die Aktivitäten der Regierung zu den ersten Verhandlungen kommt. Infolge des politischen Klimas der Einschüchterung, das durch diese Attacken auf die Pressefreiheit entstanden ist, haben zahlreiche Organisationen dem Druck der Regierung bereits nachgegeben. Handelsketten wie Seven-Eleven und DART haben Penthouse bereits aus dem Sortiment genommen und das Justizministerium hat erschreckenderweise dazu aufgerufen, Bürgerwehren zu gründen, die die Läden ihrer Wohnorte „überwachen“ sollen.

Guccione wird im Prolog dieser Autobiografie und in deren abschließendem Kapitel die sich ausbreitende Plage der Zensur diskutieren (die er als „gefährlicher als die McCarthy-Ära“ beschreibt), die nun über Männermagazine hinaus auf Lehrbücher und Literaturklassiker wie Huckleberry Finn, Der Zauberer von Oz und Das Tagebuch der Anne Frank übergreift. In diesem Buch wird er zum ersten Mal die rechtlichen und strategischen Schritte offenbaren, die er in dieser fortschreitenden Pressekrise mit der Unterstützung von Professor Alan Dershowitz, dem anerkannten Harvard-Verfassungsrechtler, als einem seiner vielen Berater unternommen hat. Guccione glaubt, dass dieser Kampf der härteste und vielleicht wichtigste ist, mit dem er und unsere Branche bisher konfrontiert wurden.


Aber die Meese-Kommission ist nur die letzte von vielen Herausforderungen eines Lebens, das schon immer voller Abenteuer, Kontroversen, Rückschläge und irgendwann auch großer Erfolge war. In einem Buch, dessen exklusive Offenbarungen der Presse zu zahllosen Schlagzeilen verhelfen werden, wird Guccione die Ereignisse und Kontroversen seines dramatischen Lebens schildern, und er wird zum ersten Mal restlos offenlegen, was wirklich hinter den verschlossenen Türen des Penthouse-Imperiums vor sich geht.
 

Die gesamte Penthouse Ausgabe findest du hier, und das ist eine Auswahl:

Erotische Kunst aus dem 19. Jahrhundert

Unveröffentlichte Penthouse-Bilder

Die Perversionen von Chuck Berry

Tagged:
Sex
VICE Magazine
Frauen
Penthouse
geld
reich
Männermagazin
Stuff
omni
Bob Guccione
Atomkraftwerk
Aus dem Archiv des Penthouse-Gründers
Kunstsammlung
Jahrgang 9 Ausgabe 9