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Motherboard

Die mühsame Rettung meiner Geocities-Webseite

Meine Web-Präsenz aus Schulzeiten soll inzwischen angeblich russische Pornos hosten—aber ich konnte das Kleinod meiner Jugend vor der Löschung bewahren.
17.2.14

Vor rund 11 Jahren hatte ich die geniale Idee, eine Website über mich selbst zu erstellen—einen cleveren, aber auch ziemlich unbeholfenen 13-jährigen, der sich auf dem Weg in Richtung Highschool befand. Die geniale Idee kam mir, während ich durch permanente Telefonanrufe immer wieder aus dem Netz flog und mir über AIM-Gespräche mit Mädels, die ich mochte, den Kopf zerbrach. Die ganze Welt sollte sehen können, wie ich ticke.

Immer mal wieder schaute ich auf der Seite vorbei, um mich über mich selber oder andere auf Facebook lustig zu machen oder um jemanden mit den damaligen Untiefen meines Ich-Bezuges und meines Humors zu beeindrucken. Ihr könnt Euch also vorstellen wie erstaunt ich war, als ich vor einigen Monaten feststellen musste, dass meine geliebte Seite gelöscht worden war.

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Ich hatte das von Anfang an befürchtet. Deshalb habe ich die Seite auch auf GeoCities und Tripod gehostet—beide bekannt als Musterbeispiele an Zuverlässigkeit. AngelFire hatte ich bewusst gemieden, da es nicht mit FrontPage kompatibel ist. Als GeoCities dann im Jahr 2009 schließlich sein Ableben verkündete, war ich zugegebenermaßen doch etwas verunsichert, aber bemühte mich schnell volle Souveränität meiner Online-Coolness aufrecht zu erhalten. Obwohl nein, ich denke es ist wahrscheinlicher, dass ich einfach nur vollkommen überrascht von der Nachricht war, dass GeoCities nun wirklich offline gehen würde.

Objektiv gesehen ist es eine gute Sache, dass meine Website gelöscht wurde—aber dann musste ich an all die wunderbaren Momente denken, die mir meine Seite beschert hatte. Die vielen Stunden, in denen ich Front Page und später Dreamweaver gelernt hatte. Den Banner für die Schlagzeilen, den ich mit einer gerippten Version von Paintshop Pro erstellt hatte. Das Gästebuch. Das Quiz über mich selber. All die Fotos und das Diskussionsforum und den Newsletter und die PowerPoint Cartoons, die ich fabrizierte. Das ‚Hot or Not’ Spiel, das ganz alleine ich „erfunden" habe. Und das verführerische Versprechen eines kommenden Updates von neuen Skimboarding Tricks.

Und nicht zu vergessen: Das liebevolle Flash Intro.

Die Seite hatte wirklich alles was man sich Anfang der 2000er von einem Multimedia-Imperium wünschen konnte. Einen eingängigen Namen („Jason’s Site“), ein Frameset Layout, defekte Links, eine Laufschrift. Ein Gästebuch. Tony Hawk Pro Skater 4 Checklisten. Dumme Internetwitze, schlechte Grammatik und noch schlechtere Schriftarten. Und nicht zu vergessen wartete ich tatsächlich mit der wahnhaften Idee auf, dass Leute mir Geld spenden würden, damit ich mir eines schönen Tages eine .com Adresse kaufen könnte, um Reichweite und Sichtbarkeit von „Jason’s Site“ ins Unermessliche zu steigern.

Wäre ich ein Politiker, die Seite wäre ein gefundenes Fressen für meine Gegner. Ich musste sie einfach wieder haben.

Um zu erfahren, was russische Pornos mit dem Löschen von Jason's Site zu tun hatten, klicke auf das „S“ in Jason.