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Cop Watch

Kaum zu glauben: Ein Gericht hat einem prügelnden Polizisten die gerechte Strafe gegeben

Vor zwei Jahren zertrümmerte er einem Mann grundlos das Gesicht—jetzt wurde ein Zivilpolizist zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt.
14.7.15

Es hat mehr als zwei Jahre gedauert, aber letzte Woche ist ein Bremer Polizist wegen Körperverletzung im Amt zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Das bedeutet, dass er seinen Job als Polizist verlieren wird. Damit hat das Gericht ein für solche Fälle ungewöhnlich hartes Urteil gefällt—was angesichts der Tat aber nicht überrascht.

Am 21. Mai 2013 war das Opfer, ein schwarzer Brasilianer, um halb vier Uhr morgens auf dem Weg zur Frühschicht in einer Wurstfabrik. Nach seiner Aussage, die von einer Augenzeugin bestätigt wurde, wurde er ohne Vorwarnung hinterrücks von einem vorher versteckten Mann angegriffen, der „wie ein Wahnsinniger" auf ihn einprügelte.

Der damals schon über fünfzigjährige Koch hatte keine Chance, während der andere ihm praktisch das Gesicht einschlug: Er erlitt einen Jochbeinbruch, einen Augenhöhlenbruch und eine Kieferfraktur. „Das sind Verletzungen, wie wir sie von einem Autounfall oder vom Boxsport kennen", hatte ein Sachverständiger im Prozess erklärt. „Ich sitze hier jetzt seit 20 Jahren", erklärte auch der Richter. „Solche Verletzungen nach einem Polizeieinsatz habe auch ich noch nie gesehen."

Als der schließlich am Boden liegende Brasilianer nach der Polizei rief, zog der Angreifer seine Schusswaffe, richtete sie auf sein Opfer und sagte: „Die Polizei bin ich."

Nach dem Angriff musste der Koch wochenlang stationär im Krankenhaus behandelt werden. Noch immer leidet er unter Schmerzen, aber noch schlimmer ist vielleicht das posttraumatische Belastungssyndrom. Seit dem Überfall hat der Koch zweimal versucht, sich umzubringen.

Warum der Polizist ihn angegriffen hat, wird nie geklärt werden. Alle seine Rechtfertigungen—er habe nach einem Einbrecher gesucht, er habe sein Opfer nur kontrollieren wollen, er habe sich ausgewiesen, der Koch habe ihn zuerst angegriffen, er habe nur einmal zugeschlagen—wurden vor Gericht als Lügen entlarvt. Und das, obwohl der Täter sein Opfer im Nachhinein noch schnell wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt hatte—ein leider ziemlich üblicher Schachzug für Polizisten, denen die Hand ausgerutscht ist.

Genauso unrühmlich und genauso bekannt aus anderen Fällen, in denen Polizeigewalt verhandelt wird, ist das Verhalten der Kollegen des Angeklagten. Während des gesamten Prozesses hatten sie versucht, ihn zu decken, auch wenn sie dafür falsche Zeugenaussagen noch und nöcher abgeben mussten. Ob das für sie Konsequenzen haben wird, ist noch nicht geklärt.

Wichtig ist aber, dass sowohl der Richter als auch der Staatsanwalt (und sogar der Rechtsanwalt) sich in diesem Prozess nicht nur von den Lügen der Korpsgeister nicht haben blenden lassen, sondern diese auch aufs Schärfste verurteilt haben. Damit gewinnt der Prozess eine Signalwirkung, die es in Zukunft hoffentlich schwieriger macht, mit Körperverletzung im Amt davonzukommen. Nutzen würde das langfristig allen, aber vor allem der Polizei.


Titelfoto: James Heilman, MD | Wikimedia |CC BY-SA 3.0