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Eine Brandenburger Gemeinde bekämpft die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters

Bei der zuständigen Behörde gibt es wohl erstmal nur Kartoffelpuffer statt Spaghetti Bolognese.
24.8.16

Ein Schild in Templin informiert über die Nudelmesse | Foto: Rüdiger Weida

In der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in Templin gibt es zum Gottesdienst Bier und Pasta statt Wein und Brot. In ihrer Nudelmesse verlesen die Anhänger freitags im Piratenkostüm das Glaubensbekenntnis—natürlich von einem Nudelholz. Das alles ist so skurril, dass kaum jemand die Kirche ernst nimmt. Deshalb entschied ein Gericht im April, dass der zuständige Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen der Glaubensgemeinschaft untersagen dürfe, Schilder in der Stadt aufzustellen, die für den Gottesdienst werben, so wie es katholische und evangelische Kirchen tun.

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Deutschlands oberster Pastafari, Rüger Weida, aber nimmt die Niederlage nicht hin und provoziert weiter. Er hat gegen das Urteil Berufung eingelegt und auch gleich noch die gegnerische Anwältin wegen versuchten Prozessbetrugs angezeigt. Das berichtet der Sender rbb. Der jahrelange und ziemlich ausgenudelte Streit um die Blechtafeln geht damit in die nächste Runde.

Die Pastafaris sind eine weltweite Gruppe von Religionskritikern. Die Spaghettimonsterkirche haben sie als Reaktion auf fundamentalistische Christen in den USA gegründet. Die Gemeinde von Rüdiger Weida in Templin ist eine der aktivsten in Deutschland.

Im Schilderstreit will die Kirche genauso behandelt werden wie andere Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Das heißt auch: für ihre Nudelmesse werben zu dürfen.

Bis zu einer endgültigen Entscheidung, lässt Templins Bürgermeister die Nudelmesse-Schilder stehen. Die Prozesskosten steigen derweil weiter. Pastafari-Chef Weida aber macht sich keine Sorgen. Dem rbb sagt er, dass die Spendengelder ausreichen würden, um die Anwälte auch weiterhin bezahlen zu können. Die Anhängerschaft der Kirche wachse immer stärker.

Die frühere Kulturministerin Brandenburgs, Sabine Kunst, erklärte gegenüber dem rbb, es handele sich bei den Spaghettimonstern um keine Glaubensgemeinschaft, sondern um eine "Religionsparodie ohne ernsthafte religiöse Substanz".

Neben dem Schildbürgerstreit sorgt die Kirche auch sonst regelmäßig für absurde Schlagzeilen. Niko Alm, Wiener Pastafari und ehemaliger Herausgeber von VICE Alps, darf auf seinem Führerscheinfoto ein Nudelsieb auf dem Kopf tragen. Dafür hatte er drei Jahre lang gekämpft.

Mit Nudelsieb am Steuer | Foto: Niko Alm

Laut rbb ist der Begriff "Spaghettimonster" beim Landesbetrieb Straßenwesen inzwischen ein Reizwort. Die Pressestelle sagte dem Sender, dass man Wichtigeres zu tun hätte.

Vermutlich gibt es in der Kantine bis auf Weiteres nur Kartoffelpuffer statt Spaghetti Bolognese.