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Kuwait ist einen Waffen-Deal eingegangen, um sich vor dem Islamischen Staat zu schützen

Das Verteidigungsabkommen mit Frankreich ist dabei 2,8 Milliarden Dollar wert.

von Lucie Aubourg
22 Oktober 2015, 1:04pm

Foto: Airbus Helicopters

Da der Islamische Staat derzeit im Irak Angst und Schrecken verbreitet, bewaffnet sich das Nachbarland Kuwait jetzt bis an die Zähne. Der winzige Golfstaat mit großen Ölvorkommen hat vor Kurzem einen Verteidigungs-Deal mit Frankreich über 2,8 Milliarden Dollar unterzeichnet.

Der französische Premierminister Manuel Valls und sein kuwaitischer Kollege Scheich Dschabir Mubarak al-Hamad as-Sabah haben den Vertrag in Paris unter Dach und Fach gebracht. Für 1,2 Milliarden Dollar wird Frankreich 24 Helikopter des Typs Eurocopter H225M an Kuwait liefern—mit einer Option auf sechs weitere. Dieser Helikopter ist auf Gütertransporte sowie Such- und Rettungsmissionen ausgelegt und wurde schon bei militärischen Operationen in Afghanistan, Libyen und Mali eingesetzt.

Die zwei Länder haben dazu noch zwei weitere vorläufige Übereinkommen unterschrieben. Das eine besagt, dass Frankreich Kuwaits kleine Patrouillen-Flotte aufrüstet und verwaltet, im anderen wurde Berichten zufolge festgelegt, dass von den Franzosen hergestellte Geländetrucks—leicht gepanzerte Fahrzeuge, die Platz für bis zu vier Leute bieten, mit einem 360-Grad-Schussradius ausgestattet sind und Landminen standhalten—nach Kuwait gehen.

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„Kuwait hat damit angefangen, sich zu bewaffnen. Das liegt hauptsächlich daran, dass das Land an den Irak grenzt, wo der Islamische Staat derzeit immer mehr Macht gewinnt und zu einer ernsthaften Bedrohung geworden ist", erklärte uns Emma Soubrier, eine Verteidigungsexpertin für die Golfregion an der Universität von Auvergne. „Wenn man an die Angriffe auf Kuwait denkt, dann wird einem schnell klar, warum sich das Land verteidigen will."

Erst im Juni hat ein vom Islamischen Staat durchgeführtes Bombenattentat in der Shia Imam Sadiq Moschee von Kuwait-Stadt 27 Menschen das Leben gekostet. „Wir befinden uns im Krieg. [...] Und es gibt auch noch andere Terrorzellen. Wir werden nicht darauf warten, dass auch die bei uns zuschlagen", meinte der kuwaitische Innenminister Scheich Mohammed Al-Khalid Al-Sabah nach der Tragödie.

Frankreich und Kuwait haben bereits 1992 ihr erstes Verteidigungsabkommen unterzeichnet und 2009 erneuert. In diesem Vertrag ist die strategische und militärische Zusammenarbeit der beiden Länder festgelegt—inklusive Ausrüstung und Truppenausbildung. Heute wird so zum Beispiel ein Viertel der kuwaitischen Marinesoldaten in Frankreich ausgebildet.

2015 hat der Export von Verteidigungswaffen Frankreich schon 13,6 Milliarden Dollar eingebracht (2012 waren es zum Vergleich nur 5,5 Milliarden, 2012 schon 9,3 Milliarden Dollar). Golfstaaten wie Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigte Arabische Emirate gehören dabei zu den besten Kunden der französischen Verteidigungsindustrie.

Im Februar 2015 unterschrieb Frankreich dazu noch ein Abkommen, durch das 24 Dassault-Rafale-Kampfjets sowie eine Mehrzweck-Fregatte nach Ägypten verkauft wurden—alles Teil eines Waffenvertrags, der mehr als 5,7 Milliarden Dollar wert ist. Im Mai zog Katar dann nach und bestellte ebenfalls 24 französische Kampfflugzeuge.

„Die USA treiben nicht gerne Handel mit den Ländern, die derzeit viele ihrer Waffen von uns beziehen", sagte Jean-Vincent Brisset, ein General der französischen Luftwaffe sowie leitender Forscher am Institute for International and Strategic Relations. „In Frankreich herrscht zu diesem Thema keine Uneinigkeit mehr, so wie es zum Beispiel in Deutschland der Fall ist. Deshalb können wir jetzt auch Verträge abschließen, die es so vorher noch nie gegeben hat."

Saudi-Arabien—ein Land, das einen Großteil seiner Waffen sonst immer von den USA erhalten hat—hat mit Frankreich im Juni ein 11,3 Milliarden Dollar schweres Abkommen abgeschlossen. Soubrier hat diesen Vertrag als „strategisches Gebahren" bezeichnet, mit dem die USA für ihre Politik bestraft werden sollen, die sich zu nah am Iran positioniert und Syrien nicht konsequent genug in seine Schranken weist.



Titelbild: Airbus Helicopters