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In guten wie in schlechten Zeiten: Das Leben als Single

Das Leben als Single ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle und der Libido. Die kleinsten Dinge können dich unglaublich glücklich machen, dir einen Ständer bescheren oder dich zum Weinen bringen.

Andrea Berger

Das Leben als Single ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle und der Libido. Die kleinsten Dinge können dich unglaublich glücklich machen, dir einen Ständer bescheren oder dich zum Weinen bringen – eigentlich genau wie das Leben in einer Beziehung auch. Aber weil dir permanent erklärt wird, wie abnormal oder übertrieben toll das Single-Dasein ist, nimmst du irrtümlicher Weise an, dein Befinden hätte etwas mit deinem Beziehungsstatus zu tun. In Wahrheit ist es jedoch umgekehrt: Deine körperliche oder geistige Reaktion hängt nicht von deiner Umwelt und den damit verbundenen Reizen ab, sondern von deiner Tagesverfassung.

Foto von Will Vision ı Wikimedia ı CC by 2.0

Je nachdem, ob deine Stimmung gerade ein Hoch erlebt, als würdest du in einem Bett voller Kätzchen liegen, oder sich ganz tief im Tal der Realität befindet, können einzelne Vorkommnisse und Situationen in dir etwas auslösen, das widersprüchlicher nicht sein könnte. Deshalb habe ich hier einige typische Single-Phänomene für euch von beiden Seiten der Medaille, die ihr euch fürs Alleinesein verdient habt, beleuchtet: einmal mit guter und einmal mit beschissener Stimmung, damit ihr den direkten Vergleich habt. Und euch vielleicht ein bisschen weniger alleine fühlt.

Online-Dating

Foto: Caden Crawford | Flickr | CC BY-ND 2.0

Gute Stimmung: Wenn du gerade gut drauf bist, kann Online-Dating etwas Tolles sein. Du hast eine größere Auswahl an potentiellen Sexualpartnern als bei Kaugummis im Supermarkt und kostest dich fröhlich durch. Das Ganze ist unkompliziert, bringt oftmals sogar ein paar bitter nötige Orgasmen und macht einfach Spaß, wenn man nicht gerade an einen verrückten Theologie-Studenten mit einer Vorliebe für Tentakel-Pornos trifft. Bei jeder Nachricht, jedem erhaltenen Küsschen und jedem Treffen sammelst du wertvolle Punkte für dein Ego, was dem Typen beim nächsten Date als "gesundes Selbstbewusstsein" imponieren wird und dir wiederum zu gutem Sex verhelfen kann.


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Schlechte Stimmung: Schlechte Stimmung hilft nur sehr selten, wenn es um zwischenmenschliche Interaktion geht. Während du also miesepetrig auf Tinder starrst, bei jedem beliebigen Typen auf das Herzchen klickst und auf irgendein nettes, virtuelles Wort hoffst, sinkt deine Stimmung in den Keller. Statt Aufheiterung und Zuneigung zu erleben, wirst du nur plumpe Anmachsprüche und ekelerregende Fotos von Genitalien bekommen, was das Ganze natürlich nicht besser macht. Wärst du jetzt gut drauf, wärst du vermutlich von jedem Penis geschmeichelt, aber in deinem jetzigen Zustand lässt es deinen Glauben an das Gute im Menschen erlöschen.

Feiern

Foto: thefuturistics | Flickr | CC BY 2.0

Gute Stimmung: Als Single Party zu machen, ist super. Niemand erwartet, dass du um eine bestimmte Uhrzeit zu Hause bist oder am nächsten Morgen mitkommst, um Tante Siglinde im Krankenhaus zu besuchen. Während du an der Bar auf dein Bier wartest, kannst du ungestört mit der Frau neben dir flirten und danach einfach mit einer anderen tanzen. Niemand kann dich verurteilen, niemand kann dir etwas vorschreiben. Du bist frei, alles zu tun, was dir in den Sinn kommt, auch wenn du am nächsten Morgen ohne Unterhose und dafür mit einem schlimmen Kater aufwachst. Nach einem Reparierbier, einer Pizza und dem Löschen der peinlichen Handyfotos bist du wieder bereit für das nächste Abenteuer.

Schlechte Stimmung: Bei schlechter Laune ist Fortgehen, wie bei der Post in der Schlange auf sein Packet zu warten: eine Qual, die man nur durchsteht, weil man sich am Ende irgendetwas erwartet. Im Gegensatz zu den neuen Schuhen wird dich die Partynacht jedoch nicht glücklich machen, denn du wirst überall nur hässliche, betrunkene Typen sehen, die beim Versuch, dich anzumachen, in Kotze treten und auch genauso riechen. Wenn dir der einzig erträgliche Jüngling auf der Party zulächelt, vergiss es – er meint garantiert die Brünette hinter dir. Deine Stimmung schreckt einfach jeden Kerl ab, was dich immer verzweifelter macht. Gratuliere, du befindest dich nun im Teufelskreis der Singles, aus dem es quasi kein Entrinnen gibt, außer du bist eine echt gute Schauspielerin. Auf der Heimfahrt zockt dich übrigens der Taxifahrer ab und treibt dich in endgültig in die Verzweiflung.

Shopping

Foto: Alan Stark | Flickr | CC BY-SA 2.0

Gute Stimmung: Wenn du frohen Mutes bist, ist Einkaufen als Single ziemlich angenehm. Der nette Verkäufer im Elektronikfachgeschäft entsperrt dir dein Handy gratis, weil du "so schöne Augen" hast, die Jeans passen dir wie angegossen und nebenbei verbrennst du mehr Kalorien, als du beim Date am Abend wieder zu dir nehmen kannst. Vermutlich triffst du unterwegs noch eine Freundin, die du seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hast, und ihr habt einen wundervollen Nachmittag mit vielen bunten Cupcakes, bis du zu deinem Date mit dem schnuckeligen Sport-Studenten aufbrechen musst.

Schlechte Stimmung: Deine Stimmung ist getrübt, wie der Himmel über der Stadt. Du latschst durch den Regen zum nächsten Einkaufszentrum, in dem es riecht wie bei den Koalas in nächsten Zoo. Jegliches Konsumgut deiner Begierde ist ausverkauft oder nicht mehr in deiner Größe vorhanden. Frustriert kaufst du dir ein Spannleintuch und Geschirrspülmittel, um wenigstens irgendein Erfolgserlebnis verzeichnen zu können. Auf dem Heimweg holst du dir noch Nudeln mit Tofu von deinem Lieblingsasiaten, welche dein Körper allerdings innerhalb der nächsten Stunden wieder von sich geben wird, als hättest du dir irgendeine Tropenkrankheit eingefangen. Während du über der Kloschüssel hängst, wird dir bewusst, wie sehr du jetzt jemanden brauchen würdest, der deine Haare zurückhält, und fängst leise an zu weinen.

Fernsehen

Foto: elvissa | Flickr | CC BY 2.0

Gute Stimmung: Abends den Fernseher einzuschalten und den erfolgreichen Tag gut unterhalten ausklingen zu lassen, ist einfach wunderbar. Dein Superman-Onesie ist kuschelig, die Chips knusprig und du fieberst mit deinen Serienhelden mit. Wenn sie jemanden zum ersten Mal küssen, kribbelt es auch in deinem Bauch, vermutlich, weil du auch gerade jemanden kennengelernt hast. Du schaust dir so manchen Trick von ihnen ab und lebst deine Träume von einer funktionierenden Beziehung durch sie aus, ohne dabei wie ein verbitterter LKW-Fahrer rüberzukommen.

Schlechte Stimmung: Wenn du frustriert den Fernseher einschaltest, weil alle deine Freunde mit ihren Freundinnen zu Hause sitzen und niemand etwas mit dir machen will, klingt das nur im ersten Moment nach einer klugen Idee. Nach kürzester Zeit wirst du vom Geplapper auf RTL nicht mehr abgelenkt, sondern verspürst eine völlig absurde Eifersucht in dir. Du bist neidisch auf das vorgestellte Pärchen, auch wenn diese arbeitslose, übergewichtige Idioten sind, die ihre Tochter Chayanne-Blue nennen wollen und am – im Verhältnis zu ihren fleischigen Körpern winzigen – Fliesentisch No-Name-Cola aus der Flasche trinken. Deine letzten rationalen Zellen sagen dir, dass du gefälligst aufhören sollst, dich wie ein Justin-Bieber-Fan zu verhalten, und du schaltest irgendwann auf eine Tiersendung um. Spätestens, wenn du auf die fickenden Löwen eifersüchtig wirst, ist es an der Zeit, den Fernseher auszuschalten und dich alleine unter der Decke zu verkriechen.

Pornos

Gute Stimmung: Pornos sind die besten Freunde aller Singles. Sie erinnern dich daran, wie die Genitalien des anderen (oder des gleichen, aber trotzdem leicht anderen, weil nicht an deinem Körper befindlichen) Geschlechts aussehen, wenn du dich nicht mehr daran erinnern kannst, weil du das letzte Mal Sex hattest, als jeder noch Frozen Yoghurt gefressen hat. Pornos bieten dir Anregung, wenn du deinen neuen Spielgefährten mit einer ungewöhnlichen Liebespraktik überraschen willst oder dir das, was er dir vorgeschlagen hat, auszuprobieren, erst mal aus sicherer Distanz ansehen willst, bevor du selbst mitmachst. In erster Linie sind Pornos aber natürlich zum Wichsen da und das tun die meisten Singles nun mal überdurchschnittlich oft. Dir einen Lieblingspornodarsteller auszusuchen, ist der wichtigste Schritt ins Singleleben und kommt noch vor dem Part, bei dem du zu IKEA fährst, um deine neue Wohnung auszustatten, weil dein Ex sich dazu entschlossen hat, die Möbel nicht mit dir teilen zu wollen.

Schlechte Stimmung: Wenn du dich gerade wieder in einer Verzweiflungsphase befindest, ist ein guter Porno die schlechteste Ablenkung, die du dir vorstellen kannst. Du wirst eifersüchtig sein, die Darsteller verfluchen und beim Versuch, irgendwie einen Orgasmus zu bekommen, kläglich scheitern. Stattdessen werden dir Tränen in die Augen steigen, wenn der muskulöse Typ seinen überdimensionierten Schwanz in eine perfekt gewaxte Muschi steckt. Während du dir wünschst, dass auch dir irgendjemand ins Gesicht spritzt, rinnt dir nur das Salzwasser aus deinen Augen in den Mund. Irgendwann wirst du es einfach nicht mehr aushalten, deinen Laptop zuklappen und eine total weinerliche SMS an deinen derzeitigen Sexualpartner senden, der vermutlich gerade in jemand anderen steckt.

Foto: Chung Ho Leung | Flickr | CC BY-ND 2.0

Ihr wollt jetzt sicher ein Fazit von mir hören, aber wenn ihr diesen Artikel aufmerksam gelesen habt und nicht schon gerade dabei seid, Hand an euch anzulegen, werdet ihr feststellen, dass die wichtigsten Dinge schon ganz am Anfang standen. Lasst euch von niemandem einreden, dass ihr traurig oder glücklich seid, weil ihr keinen Partner habt. Das ist nämlich ein riesen Haufen Bullshit, den euch die Gesellschaft ins Hirn zu kacken versucht, weil sie so etwas verkaufen oder euch ihre verquere Moral aufzwingen will. Ihr seid alle kleine Diamanten und solltet selbst herausfinden, wo genau sich euer Glück versteckt. Ich kann euch nur einen Tipp geben: Es ist ganz sicher nicht in Frauenzeitschriften zu finden.

Tauscht euch mit Andrea per Twitter über das Single-Leben aus: @andrea4nderson

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