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Sex

Dieser Typ hat versehentlich eine Dokumentation über seine Pornosucht gedreht

Als Matt Pollack 24 Jahre alt war, war sein Verlangen, endlich die Jungfräulichkeit zu verlieren, so groß, dass er anfing, eine Dokumentation darüber zu drehen.
8.4.14

Matt Pollack erleuchtet von einem Porno. Foto von Dan Epstein

Als Matt Pollack 24 Jahre alt war, war sein Verlangen, endlich die Jungfräulichkeit zu verlieren, so groß, dass er anfing, eine Dokumentation darüber zu drehen. Inzwischen ist der in Toronto lebende Filmemacher 38 Jahre alt, verlobt und veröffentlicht endlich seinen Film Run Run It’s Him im Internet. Was als eine Lo-Fi-Dokumentation begann, die er zusammen mit seinem besten Freund Jamie Popowich auf dem Camcorder seiner Eltern drehte, wurde zu einer selbstreflexiven Analyse seiner Pornosucht und darüber, wie diese sein Verhältnis zu Frauen beeinflusst hatte.

Nachdem ich den Film zu Ende geschaut hatte, fühlte ich mich extrem unwohl. Von einigen Stellen war ich aber auch ziemlich angeturnt. Ich traf Matt bei ihm zu Hause, um über seinen Film zu sprechen und darüber, wie er sich mit der Realität abgefunden hat. VICE: Als du mit dem Dreh anfingst, warst du eine 24 Jahre alte Jungfrau. Wie warst du damals drauf?
Matt Pollack: Na ja, ich war sehr depressiv. Ich hatte das Buch A Fan’s Notes gelesen, das mich wirklich umgehauen hat. Es geht darin um diesen Typen, der darüber schreibt, dass er sein Leben als Football-Fan verwirkt hat, und damals fühlte ich mich wirklich so, dass ich mein Leben verwirkt hatte, weil ich noch nicht flachgelegt worden war. OK.
Also versuchte ich, von ein paar Anlaufstellen Hilfe für die Produktion zu bekommen, aber niemand wollte mir auch nur einen Tausender geben. Also dachte ich mir nur: „Scheiß drauf—ich drehe das einfach zusammen mit meinem Freund Jamie auf dem Camcorder, den mir meine Eltern in der Highschool gekauft haben.“ Dann wurde ich auch wirklich flachgelegt. Ich fuhr damals sehr auf Pornos ab, aber bis dahin war das für mich eher eine Übergangslösung. Als ich dann aber zum ersten Mal Sex gehabt hatte, stellte ich fest, dass mein Pornokonsum anstieg. Eines Tages filmten Jamie und ich im Haus meiner Eltern, und ich wollte, dass ein Teil des Films auch meine Pornogewohnheiten umfasst. Hattest du irgendwelche Inspirationen oder Referenzen?
Ich hatte diese Dokumentationen von Errol Morris oder Werner Herzog vor Augen—also diese Freaks, die immer in ihren Filmen auftauchten. Und den Gedanken, wie es wäre, wenn einer von denen mal sagt ‚Scheiß auf den Typ—Ich mache jetzt meinen eigenen Film über mich selbst.’ Die meisten Dokumentationen behandeln Pornographie als ein gesellschaftliches oder politisches Thema, aber es gibt eigentlich keine Filme über die ganzen Einfallspinsel selber: Die User. Am Ende des Films bringst du deine Freundinnen dazu, ein paar deiner liebsten Pornoszenen anzuschauen. Was hast du ihnen genau gezeigt?
Eine Szene war aus Extreme Teen, das war eine wirklich heftige Reihe. Dann gab es noch eine Szene aus Barely Legal. Ich habe sie dafür immer zu Hause besucht und habe eine Kamera aufgestellt, um sie dabei zu filmen, wie sie sich das Tape anschauen. Dann sagte ich zu ihnen: „OK, ich komme noch mal für ein zweites Interview zurück.“ Ich musste immer draußen warten, während sie meine Pornos anschauten. Ich kam da überhaupt nicht drauf klar—ich wollte nicht hören, was sie dazu zu sagen hatten. Hast du dich geschämt?
Es war einfach zu viel. Aber ich musste danach ja immer wieder rein, um die Kamera zu holen. Das war immer der furchtbarste Moment. Das war der Moment, an dem ich mich am meisten hasste. Es machte mir aber auch deutlich, dass das Ganze eine gute Idee war. Trennst du Pornografie und Sex? Wenn du zum Beispiel eine Szene siehst, die dir wirklich gefällt, willst du sie dann im echten Leben nachspielen?
Nein! Das waren Szenen, zu denen ich als Teenager Zugang hatte. Aber ich dachte niemals, dass ich das auch im wirklichen Leben umsetzen will. Für mich war das immer die Sache, die ich machen musste, bis ich ein Mädchen finde, das vielleicht Sex mit mir haben möchte. Nachdem ich dann angefangen hatte, echten Sex zu haben, wurde das allerdings immer mehr zu einer Gewohnheit und weniger ein Mittel zum Zweck. Du schaust jetzt gar keine Pornos mehr?
Na ja, ich bin vor ein paar Jahren mit diesem Mädchen zusammengezogen, und es war eine einzige Katastrophe. Nach 37 Tagen zog ich wieder aus. Dann verbrachte ich viel Zeit damit, mir einen runterzuholen, und dachte mir: „Das ist doch super.“ Nach ein paar Monaten konnte ich aber kaum noch dem Mädchen bei Starbucks Hallo sagen, weil ich so viel Zeit im Internet verbracht hatte. Wenn du die ganze Zeit diese Seiten nach bestimmten Szenen durchsuchst, kannst du da Stunden verbringen. Ich will nicht, dass die Leute denken, dass Menschen, die so etwas machen, krank sind. Aber ich glaube schon, dass man sich dieser krassen Zeitvergeudung bewusst werden muss. Welche Auswirkungen hatte der ganze Pornokonsum auf dich?
Ich glaube, es hat mir mehr Angst vor Sex gemacht. Es ist schon verdammt peinlich, wenn du dir pausenlos diesen abgefahrenen Kram reinziehst und im echten Leben noch nie eine richtige Vagina gesehen hast. Ich weiß nicht, welchen Schaden es jetzt exakt bei mir verursacht hat, bis auf, dass ich mich einfach furchtbar geschämt habe. Diesen Film zu machen, war auch eine Art zu sagen: „Oh, ich hätte mir gewünscht, dass es so einen Film gegeben hätte, als ich die ganze Scheiße durchgemacht habe.“ Welcher Person gegenüber war es am härtesten, dich zu offenbaren?
Es war am schwersten, meinen Eltern den Film zu zeigen, nachdem ich ihn fertiggestellt hatte. Obwohl sie darin vorkommen?
Ich habe ihnen niemals Schwarz auf Weiß gesagt, wovon der Film handelt. Sie hatten also wirklich keine Ahnung. Als sie ihn dann gesehen hatten, riefen sie mich für drei Tage nicht an. Letztendlich meldete sich mein Vater bei mir und sagte in etwa: „Wir sind zutiefst von deinem Film verstört.“ Ich musste also rüber zu ihrem Haus und ein wirklich offenes Gespräch mit ihnen führen. Was hat deine Mutter gesagt?
Sie war einfach nur fassungslos. Es gibt in dem Film eine Person mit dem Namen Jenna, eine von den Testmädchen, die ziemlich hart mit mir ins Gericht geht. Und meine Mutter sagte, sie wär die einzige Person in dem Film, die für sie wirklich Sinn gemacht hätte. Aber es ist schon OK; ich bin eigentlich ganz froh, dass sie mehr von mir erwartet. Sehnst du dich jemals nach deinen alten Tagen in den Sexshops zurück?
Ich finde es gut, dass ich einen Teil der Stadt eingefangen habe, der inzwischen komplett verschwunden ist. Ich erinnere mich noch an diesen chinesischen Teenager, der so eine künstliche Vagina in einem dieser Sexshops kaufen wollte. Er fragte den Verkäufer immer wieder so Sachen wie: „Warum kostet diese 20 Dollar mehr als die andere? Habe ich da irgendwelche Vorteile?“ Und er Verkäufer meinte nur: „Schau mal her, du kaufst hier keinen verdammten Computer. Nimm einfach, was du dir leisten kannst.“ Es gibt also ein paar lustige Erinnerungen, aber abgesehen davon war es in erster Linie deprimierend. Was hast du mit deinen ganzen Pornovideos gemacht?
Ich habe einfach den ganzen Karton genommen und ihn hinter das Metro Theatre auf der Bloor Street [in Toronto] gestellt. Natürlich war er nach ein paar Tagen verschwunden. Es war auf jeden Fall eine Erleichterung für mich. Auf der anderen Seite dachte ich aber auch: „Hey, das Zeug gehört eigentlich ins Museum.“ Auf der Website des Films könnt ihr Run Run It’s Him kaufen.